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Schweinfurt
Fußball Regionalliga

Der FC 05 redet wieder zaghaft von Euphorie

Mit dem auch in der Höhe völlig verdienten 3:0 in Burghausen gelingt den Schweinfurtern der zweite Sieg in Serie.
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Ist lange her, dass man die Spieler des FC 05 Schweinfurt auswärts derart jubeln gesehen hat: Der 3:0-Sieg in Burghausen könnte der Anfang einer neuen Euphorie gewesen sein.  Foto: Christian Butzhammer
Ist lange her, dass man die Spieler des FC 05 Schweinfurt auswärts derart jubeln gesehen hat: Der 3:0-Sieg in Burghausen könnte der Anfang einer neuen Euphorie gewesen sein. Foto: Christian Butzhammer

SV Wacker Burghausen - FC 05 Schweinfurt 0:3 (0:3). Tore: 0:1 Kevin Fery (8.), 0:2, 0:3 Marco Fritscher (21., 43.).

Tabellarisch steht die Katze für den FC 05 zwar weiter auf den gleichen Füßen, im Detail hat die Mannschaft aber einen großen Sprung gemacht. Nicht nur wegen des ungefährdeten 3:0-(3:0)-Sieges beim erschreckend schwachen SV Wacker Burghausen, sondern viel mehr der Art und Weise, wie die Schweinfurter den Gegner mit schnellem, flexiblen Fußball auseinander genommen haben. Zu was das noch taugen kann, wollte der neue Trainer Tobias Strobl noch nicht bewerten: "Mich ärgert heute nicht, dass die Anderen auch gewonnen haben. Ich wollte, dass die Mannschaft alles selbst beeinflussen kann, was in ihrer Macht steht. Die Anderen werden irgendwann auch stolpern."

"Und dann müssen wir da sein", sagte mit Marco Fritscher einer, der am Schweinfurter Sieg nicht unerheblich großen Anteil hatte. Der Ex- Burghausener traf an früherer Wirkungsstätte zweimal. "Der erste Doppelpack für mich, geil." Dann schob er noch ein "mega geil" hinterher, denn: "Das war heute eine Leistung an der ich nichts auszusetzen hatte." Nicht einmal, dass die Nullfünfer noch gefühlt zehn Mal aus bester Position entweder knapp vorbei geschossen hatten, oder an Wacker-Keeper Egon Weber gescheitert waren.

Im Gegenteil, Strobl wertete auch das als großen Fortschritt: "Wir haben heute viel sauberer als letzte Woche durchgespielt. Es gab heute sehr, sehr viele gute Momente in der letzten Kette" - will heißen: Die Wege aus dem Mittelfeld in die Spitze waren variantenreich, präzise und mündeten mit einer beeindruckenden Quote in Abschlüssen. "Wir haben heute die beste Offensive der Liga gesehen", zollte Burghausens Interimstrainer Ronald Schmidt Beifall. "Positionsspiel, Wechselspiel und Rotation der Schweinfurter waren nur sehr schwer zu verteidigen."

In der Tat greift die Umstellung Strobls auf Dreierkette, Fünfer-Mittelfeld und Doppelspitze, die im Angriff auf drei oder gar vier Akteure aufgeweitet wird, schneller, als das zu erwarten gewesen wäre. Fritscher rechts, Benedict Laverty links rannten pausenlos rauf und runter, Tim Danhof und der kaum wieder zu erkennende Kevin Fery zogen mit ihren Positionswechseln die Bälle zentral förmlich an sich, Sascha Korb schien schon in der Verteidigungsbewegung die Initiierung des Spielaufbaus mit eingeplant zu haben. Und vorn ließen Amar Suljic und Florian Pieper immer wieder exzellent prallen. Da war auch Fritscher begeistert: "Mit dem neuen System haben wir mehr Spieler vorne in der Box, außerdem war das heute extreme individuelle Klasse."

Wie weggeblasen schien die Verunsicherung aus dem Oktober, die sich von Woche zu Woche in Schwermütigkeit gesteigert hatte. Nach dem Spiel formierten sich die Spieler in ausgelassenem Jubel zum Gruppenbild - als hätten sie gerade einen Pokal-Wettbewerb gewonnen. Diese zurückgewonnene Lockerheit gilt es jetzt zu bewahren in den beiden Heimspielen gegen den zuletzt dreimal siegreichen TSV Rain und gegen Rosenheim.

Ob dann Torjäger Adam Jabiri, der mit einer Muskelverletzung ausgefallen war, wieder dabei ist, bleibt abzuwarten. In Burghausen haben andere gezeigt, dass sie auch treffen können. Beim 1:0 legte Suljic für Fery auf, der ins kurze Ecke vollendete (8.), beim 2:0 segelte Fritschers Flanke über Weber hinweg ins Tor (21.) und bei Fritschers zweiten Streich zum 0:3 hatte Danhof mit einem Diagonal-Solo gute Vorarbeit geleistet (41.). Dass es nicht mehr Treffer wurden, fand Strobl dann doch zumindest ein bisschen kritikwürdig: "So war es zum Ende hin ein Spiel, in dem wir erst mit dem Schlusspfiff gemerkt haben, dass wir gewonnen haben."

Richtig freuen konnte sich der 32-Jährige ("die zwei Siege können eine Euphorie auslösen") aber wieder für einen ganz Jungen: Nicolas Pfarr. An der Seite des ruhenden Pols Lukas Billick zeigte der 19-Jährige in Vertretung des gelbgesperrten Kapitäns Stefan Kleineheismann eine souveräne Vorstellung als Rechtsverteidiger in der Dreierkette. "Er hat das fantastisch gemacht", lobte Strobl. "Und das spricht auch für die Jugendarbeit im Verein."Michael Bauer

Schweinfurt: Zwick - Pfarr, Billick, Krätschmer - Fritscher (86. Philp), Fery (79. Lo Scrudato), Korb, Danhof, Laverty - Suljic, Pieper (69. Awata).

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