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Schweinfurt
Fußball Regionalliga

Der FC 05 glaubt an seine Titel-Chance

Die Schweinfurter untermauern ihre Ambitionen mit dem Interesse an einem Drittliga-Spieler aus Unterhaching.
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Nach oben? Nach vorne? Trainer Tobias Strobl wird's gleich sein. Hauptsache der Weg mit dem FC 05 Schweinfurt führt noch an Türkgücü München vorbei zur Regionalliga-Meisterschaft.  Foto: foto2press/Frank Scheuring
Nach oben? Nach vorne? Trainer Tobias Strobl wird's gleich sein. Hauptsache der Weg mit dem FC 05 Schweinfurt führt noch an Türkgücü München vorbei zur Regionalliga-Meisterschaft. Foto: foto2press/Frank Scheuring

Dass man jungen Fußball-Profis die Lust am Spiel mit dem Ball anmerkt, ist an sich nicht ungewöhnlich. Trainer Tobias Strobl hielt es trotzdem für bemerkenswert beim Trainingsauftakt des Regionalliga-Zweiten FC 05 Schweinfurt. Weil: "Es ist auch eine Euphorie nach der Winterpause spürbar." So habe seine Mannschaft nicht nur "die Akkus in der Winterpause aufgeladen", sie habe in der ersten Einheit auch nahtlos angeknüpft an die Mentalität der vier siegreich bestrittenen Partien unter seiner Ägide, die Sportleiter Björn Schlicke feststellen ließ: "Die Jungs sind so motiviert in die Pause gegangen, man musste sie einbremsen."

Klar, da stand als letztes dieses 4:3 über Rosenheimer, die 20 Minuten vor dem Ende 3:0 geführt hatten. Und da stand dieser für die Schweinfurter famose November nach dem für sie katastrophalen Oktober, nach dessen Ende Strobls Vorgänger Timo Wenzel seinen Hut nehmen musste. Dennoch sind es nach wie vor acht Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Türkgücü München. Schlicke winkt ab: "Das motiviert die Spieler eher, wenn es im Umfeld heißt, dass München fast durch ist."

Sechs angeschlagene Spieler

Entsprechend forsch ging's schon in den ersten Einheiten zu. Auch wenn noch sechs Akteure fehlen. Amar Suljic pausiert vorsichtshalber ob der aus Ingolstadt mitgeschleppten Schambein-Entzündung. "Eine Woche weniger auf Kunstrasen tut ihm gut", so Strobl. Tim Danhof und Benedict Laverty haben die Grippe, Sascha Korb hat sich an der Nase operieren lassen, um besser Luft zu bekommen. Alles eine Sache von Tagen, länger dagegen werden wohl Rechtsverteidiger Ronny Philp (Schulterverletzung erneut aufgebrochen) und Flügelstürmer Stefan Maderer (Knieprobleme) fehlen.

Weshalb der FC 05 als Philp-Ersatz am Mittwoch Maximilian Bauer testete. Der Außenverteidiger, der letzte Saison noch zehnmal für die SpVgg Unterhaching in der Dritten Liga aufgelaufen war, kam diese Runde nur noch ein einziges Mal, in der ersten BFV-Pokal-Runde, zum Einsatz. Denkbar, dass er am Samstag (13 Uhr, Kunstrasen) im ersten Vorbereitungsspiel gegen die U19 von Holstein Kiel, die in Kassel auf Trainingslager ist, als Testspieler auflaufen könnte.

Derweil klotzt der Konkurrent aus München, der den Nullfünfern als dritter Klub aus der Landeshauptstadt in Folge die Aufstiegsträume vermasseln könnte, und hat mit Sercan Sararer einen früheren türkischen Nationalspieler (12 Einsätze) verpflichtet. Der eigenwillige 30-jährige Mittelfeldspieler, dessen Karriere nach Erst- und Zweitliga-Einsätzen für die SpVgg Greuther Fürth (127), Fortuna Düsseldorf und den VfB Stuttgart ins Stocken gekommen ist, und der nach kurzem Engagement beim Karlsruher SC zuletzt vereinslos war, will über Türkgücü zurück in den Profifußball. Schlicke ist beeindruckt ("die wollen nachbessern, wo andere gar keinen Bedarf sehen"), gibt aber zu bedenken: "Das ist bei anderen Vereinen schon nach hinten losgegangen."

Dezenter Optimismus

Sportleiter wie Trainer spekulieren auf einen holprigen Start der Münchner aus der Winterpause und eine Fortsetzung der eigenen Erfolgsserie von Ende 2019 ab dem 7. März, wenn der SV Heimstetten auswärts erster Gegner sein wird. "Wer weiß, was passiert, wenn wir den Abstand nur ein bisschen verkleinern können", formulierte Strobl dezenten Optimismus, während Schlicke von einer "Challenge" sprach. Immerhin hat der FC 05 zehn Punkte mehr als vor einem Jahr auf dem Konto, als der FC Bayern II bereits zwölf Punkte bei einem Spiel weniger voraus war. Und einen direkten Vergleich gibt's im Mai schließlich auch noch.

Noch stehen gut sieben Wochen Vorbereitung an, mit Testspielen gegen den Würzburger FV (1. Februar), den TSV Großbardorf (22. Februar) und Greuther Fürth II (29. Februar); das für 15. Februar geplante Kräftemessen mit Südwest-Regionalligist Bayern Alzenau entfällt, weil für diesen bereits das Nachholspiel gegen den TSV Steinbach terminiert wurde.

Allerdings sollen im Trainingslager noch zwei weitere Tests vereinbart werden. Vom 6. bis 13. Februar geht es für den FC 05 nach Belek in die Türkei. Da sich die deutschen Klubs der 1. bis 3. Liga da schon wieder im Spielbetrieb befinden, wird es wohl auf Partien gegen andere Regionalligisten oder "Mannschaften aus dem deutschsprachigen Raum" hinauslaufen. Letzteres betont Schlicke im Wissen darum, dass beispielsweise "Mannschaften aus dem russischen Sprachraum etwas ruppiger zu Werke gehen" und man obendrein nicht davon ausgehen könne, vor Ort die besten Schiedsrichter zu bekommen.

Tobias Strobl bald Familienvater

Anders als für Schlicke, der neben einer Stippvisite nach Berlin auch ein paar Tage auf Mallorca war, ist für Strobl die Türkei der erste Auslandsaufenthalt des Winters. Er verbrachte die Ferien bei der Familie in Ingolstadt und mit einer erfolgreichen Wohnungssuche in Schweinfurt, wo er in der Nähe des Sachs-Museums fündig geworden ist. Die Familie wird demnächst Zuwachs bekommen, im April wird Strobl ("Jungs machen Jungs, Männer machen Mädchen") Papa einer Tochter. Und hat schon mal einen Doppel-Wunsch formuliert: Kind gesund und Meisterschaft. Für den Fall des Gelingens könnte danach ein weiteres Tattoo seinen ohnehin bunten Körper zieren.

Derweil hat sich beim FC 05 ein bekanntes Gesicht zurückgemeldet: Ab 1. Februar wird Vladimir Slintchenko als Marketingleiter tätig sein. Er übernimmt die Konzeption und Durchführung von Marketingkampagnen, ist zudem für die Sponsorenakquise und -betreuung zuständig und wird zusätzlich als Teamleiter agieren. Der 31-Jährige war als Spieler zwischen 2001 und 2013 beim FC Schweinfurt aktiv, ehe er zum Würzburger FV wechselte. Slintchenko schloss 2016 ein Masterstudium im Bereich Business Management an der Universität Würzburg ab, ehe er zuletzt als Unternehmensentwickler bei einem regionalen Sporttextilhersteller arbeitete. Michael Bauer