Weil sie den Missbrauch ihres Kindes durch ihren Freund geduldet haben soll, muss sich eine Mutter von diesem Dienstag an vor dem Landgericht Schweinfurt verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft der 39-Jährigen Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern durch Unterlassen vor. Zudem ist die Frau wegen mittäterschaftlichen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Beihilfe durch Unterlassen zur Herstellung kinderpornografischer Schriften angeklagt.

Der heute 49-jährige Mann hatte die Frau nach bisherigen Angaben der Ermittler im Mai 2016 in der Oberpfalz kennengelernt. Die Frau hat Probleme in ihrer Ehe und zieht zu ihrem neuen Partner, noch im selben Jahr entscheiden sich beide für Unterfranken als neuen Wohnort. Als die Tochter der Frau, die bis dahin alleine bei ihrem leiblichen Vater lebte, auch nach Unterfranken zieht, sollen die Übergriffe begonnen haben.

Missbrauch des Mädchens begann im Alter von neun Jahren

Der Stiefvater soll seine Partnerin unter anderem gefügig gemacht haben, indem er mit Trennung drohte. Er war im Mai vom Landgericht wegen schwerer Zwangsprostitution und schweren sexuellen Missbrauchs des Mädchens zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Da die Verteidigung Revision einlegte, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Die sexuellen Übergriffe sollen im Sommer 2018 begonnen haben, als das Kind neun Jahre alt war. In dem Prozess gegen den Mann wurde eine Vielzahl von Vergehen bis zum Sommer 2020 verhandelt. Teilweise soll der Deutsche davon Bilder und Videos angefertigt haben - unter anderem in einer Wohnung im Raum Bad Kissingen.

Die Mutter des Mädchens soll teilweise im selben Raum gewesen sein, als sich ihr Lebensgefährte an dem Kind verging. Für den Prozess gegen sie sind drei Verhandlungstermine angesetzt. Die Deutsche sitzt in Untersuchungshaft.

Stiefvater soll Mädchen gezwungen haben sich Lastwagenfahrern anzubieten

In dem Fall hatte es zudem einen weiteren Prozess gegeben: Anfang Juni verurteilte das Landgericht einen 50-Jährigen zu zwei Jahren und elf Monaten Haft wegen Missbrauchs des Mädchens im vergangenen Jahr in zwei Fällen und Verbreitung pornografischer Schriften. Ihm hatte der 49-Jährige das Kind in einer Wohnung im Landkreis Schweinfurt überlassen. Auch in diesem Fall ging die Verteidigung in Revision.

Die Ermittlungen kamen durch einen Lastwagenfahrer ins Rollen. Ihm hatte sich die Schülerin auf Weisung ihres Stiefvaters im vergangenen Jahr auf einem Parkplatz an einer Autobahn bei Schweinfurt für Missbrauchshandlungen angeboten. Zuvor soll ein anderer, bisher unbekannter Lasterfahrer dieses Angebot angenommen und die Minderjährige missbraucht haben.