Weil sie ihr Neugeborenes nach der Geburt nicht versorgt hatte und sterben ließ, ist eine Mutter zu acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Die 27-Jährige habe ihre Schwangerschaft verschwiegen und mit "großer Rücksichtslosigkeit" gehandelt, sagte die Vorsitzende Richterin am Donnerstag (05.08.2021) vor dem Landgericht Schweinfurt.

Eine Persönlichkeitsstörung sei zwar festgestellt worden, habe aber die Angeklagte nicht in erheblichem Umfang beeinträchtigt. Das Urteil lautet auf Totschlag und ist noch nicht rechtskräftig. Ursprünglich wurde der 27-Jährigen Mord vorgeworfen. Erst am letzten Tag des Prozesses wurde die Wende im Fall bekannt. Sowohl das Gericht, als auch die Staatsanwaltschaft sahen letztlich kein Mord-Merkmal. Dennoch sei die Angeklagte nach der Geburt dem wehrlosen Kind zu Schutz und Beistand verpflichtet gewesen und habe es nicht versorgt.

Baby stirbt nach heimlicher Geburt: Mutter (27) wegen Totschlags verurteilt

Im Plädoyer forderte die Staatsanwaltschaft deshalb siebeneinhalb Jahre Haft wegen Totschlags. Die Verteidigung plädierte für Totschlag durch Unterlassen und eine Strafe, die die Möglichkeit der Aussetzung zur Bewährung erlaubt.

Laut Oberstaatsanwalt hatte die 27-jährige Deutsche nicht nur ihr eigenes Kind getötet, sondern auch das ihres Lebensgefährten, der nichts von der Schwangerschaft gewusst hatte. Der Vater hatte den leblosen Körper seines Kindes kurz nach der heimlichen Geburt im August 2020 im Badezimmer der Wohnung in Schweinfurt unter feuchter Kleidung gefunden. Die Ergotherapeutin, die bereits während ihrer Schulzeit einen Sohn zur Welt gebracht hatte, war laut Auffassung der Kammer nicht bereit gewesen, wirtschaftliche und persönliche Einschränkungen durch ein weiteres Kind in Kauf zu nehmen.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung zufolge hatte die Frau keine Befürchtung haben müssen, dass der Lebensgefährte das Kind abgelehnt hätte. "Er steht sogar jetzt noch zu ihr, obwohl sie sein Kind umgebracht hat", sagte der Oberstaatsanwalt. Die 27-Jährige entschuldigte sich beim Schlusswort insbesondere bei ihrem Lebensgefährten. Sie bereue die Tat zutiefst.

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