Zehn Meter über der Erde hantiert Michael Rüth mit seinem Werkzeug, um die Bolzen an den Querstreben des Mastes zu lösen. Er gehört zur Gruppe der Sömmersdorfer Passionsspieler und -helfer, die an diesem Tag ein Kapitel beschließen: Die stählernen Ständer und Streben der markanten Trichterschirme am Passionsspielgelände werden abgebaut, um Platz für das neue, feste Muscheldach zu schaffen.
Genau vor einem Jahr wurden zum letzten Mal die großen Planen über die neun Schirmmasten mit den je zehn Stahlstreben gezogen, um den Zuschauerraum für das furiose "Don Camillo"-Sommertheater zu beschatten.


Schirme werden verkauft

Die Passionsspiele waren schon immer eine gewaltige Gemeinschaftsleistung der Sömmersdorfer. An diesem Morgen sind wieder etliche Männer zum Arbeitseinsatz gekommen, um die metallenen Schirmständer abzubauen; die Planen waren bereits nach der "Don Camillo"-Spielsaison Ende August heruntergelassen und eingelagert worden. "Die ersten fünf Schirme wurden 1988 angeschafft", weiß Robert König, der Vorsitzende des Vereins Fränkische Passionsspiele Sömmersdorf. 1993 kamen zwei weitere hinzu, 2008 die letzten beiden. Alle neun wurden jetzt verkauft.
Unterschiedlich hoch sind die verzinkten Stahlmasten, zwischen acht und 15 Meter ragen sie in den grauen Morgenhimmel. Jeweils zehn Querstreben sind dort waagrecht befestigt und mit Stahlseilen gesichert. Zwölf und 14 Meter Durchmesser hat ein aufgespannter Trichterschirm.
Jetzt hängt Michael Rüth, der via Hebebühne nach oben gehievt wurde, die Stahlseile an den Streben aus, lässt sie langsam per Hanfseil zu Boden und ermöglicht den Streben, dass sie sich nach unten senken. Er löst die Schrauben der mit Seilen gesicherten Stangen, die die anderen Helfer ablassen, von unten her packen und auf den Schultern wegtragen. "Die wiegen etwa 50 Kilo", meint Harald Homrighausen, der mit Sohn Steffen ebenso zu den Helfern zählt wie Udo Knorreck und Lukas und Christoph Seufert.
Letzterer hat am niedrigsten Schirmständer angeleitert, um dort mit dem Lockern der Muttern zu beginnen. Andere öffnen eine metallene Abdeckung am Boden rund um einen Masten, um für deren späteren Abbau und das Heraushieven per Autokran alles vorzubereiten.
Das Innenleben der Masten, die ganze Konstruktion der Schirme beeindruckt. "2,40 Meter mal 2,40 Meter und einen Meter tief sind die Fundamente", erläutert Robert König. Mit einbetoniert ist ein Ringanker. Die Masten selbst sind innen hohl, damit das Regenwasser abgeleitet wird. Befestigt ist am Mast ein runder Auffangring, an dem die Schirmplanen eingehängt wurden. Über Öffnungen in der Ständerwand kann das Wasser ins Innere laufen. Ein unterirdisches Kanalsystem, das alle neun Masten miteinander verbindet, führt das Wasser ab.
Nicht minder beeindruckend wird das neue Muscheldach, eine besondere Stahlkonstruktion. Je zwei gewaltige Fundamente an beiden Seiten des Zuschauerraums werden je zwei Traversen tragen, die sich über den Platz wölben. Darauf liegen im Abstand von drei Metern die Längstraversen, von der Robert-Seemann-Halle bis einen Meter über die Vorbühne, so König. Überzogen werden die 80 Zentimeter dicken Traversen mit einer Zeltmembran.


Bessere Sicht

Mit dem fest installierten Dach entfällt der hohe Aufwand beim Auf- und Abbau der Schirme, die Sitzplätze müssen nicht immer an- und abmontiert werden, die Sicht der Zuschauer wird nicht durch die bisherigen Stützpfeiler behindert, und der ganze Zuschauerraum wird beschirmt. Das erleichtert das Ziel, neben den Passionsspielen auch andere werthaltige Veranstaltungen auf dem Gelände anzubieten. Das Dach soll, so hofft Robert König, in diesem Jahr aufgestellt werden. Denn 2018 stehen schon die nächsten Sömmersdorfer Passionsspiele an. Im Mai will der Vereinsvorstand wieder an allen Haustüren im Ort klingeln und jeden Bewohner nach seiner Bereitschaft zur Mithilfe befragen.