Der internationale Konstruktionswettbewerb Formula Student, bei dem von Studierenden einer Hochschule ein Rennwagen zu bauen, zu fahren, zu finanzieren und auch zu vermarkten ist, wurde erstmals 1981 in den USA ausgetragen. 1999 kam der Vergleichskampf nach England und vor elf Jahren nach Hockenheim. Studenten der Schweinfurter Fachhochschule sind zum zehnten Mal dabei, wenn sich am 10. August auf dem Hockenheimring die Starterflagge senkt.
Zusammengebaut wird in diesen Tagen der Rahmen für den MfR 9. Die Schablonen sind gefertigt. Jetzt wird das Gestänge angepasst. Im Mai soll alles fertig sein, wenn Gäste und Sponsoren zum Rollout, also zur Erstpräsentation des Boliden, in den Saal der Firma Schaeffler an der Georg-Schäfer-Straße kommen.
Zum Jubiläum werden viele Altmitglieder des eingetragenen Vereins Mainfranken Racing erwartet, die Jahr für Jahr (Ausnahme war die fünfte Saison) dafür gesorgt hatten, dass Schweinfurt unter den mittlerweile über einhundert Startern auf dem Hockenheimring, aber auch in Spanien oder etwa Tschechien mit einem neuen Boliden vertreten war.


Nicht lange aktiv

Aktiv sind die allermeisten Mitglieder ein oder zwei Jahre. Doch die Kontakte halten länger, vor allem wenn die ehemaligen Studenten als Mitarbeiter in der Automobilindustrie Tipps geben können.
Vor einem Jahrzehnt hatte sich in Schweinfurt ein halbes Dutzend unter den Studenten der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS) für den Wettbewerb begeistert. Derzeit arbeiten 70 Studenten (Rekordbeteiligung) mit - in der Werkstatt und im Büro. Aufgeteilt haben sie sich auf fünf Bereiche: Motor, Karosserie, Fahrwerk, Marketing und Sponsoring und auf die Elektronik.
Aktuell geht es an der Werkbank und auch vor den Computern eng zu, denn an der Fachhochschule an der Ignaz-Schön-Straße wird saniert. Große Teile der Altbauten sind nicht zu nutzen. Mainfranken Racing musste umziehen und auf seinen Keller verzichten, hat Material im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium ausgelagert und sucht noch eine weitere Halle in der Größe einer geräumigen Doppelgarage - möglichst nahe an der Stadt, besser noch an der FHWS.
Die Saison beginnt stets mit dem Wintersemester im Oktober. Der Konstruktionsphase folgt in den Semesterferien, in denen täglich oft bis zu zwölf Stunden gearbeitet wird, der Zusammenbau. Im Mai wird der Wagen der Öffentlichkeit präsentiert, ab Juni wird getestet.
Heuer hat sich das Schweinfurter Team für das Rennen auf dem Hockenheimring (über einhundert Teams aus der ganzen Welt starten) und anschließend für ein zweites Rennen in Barcelona angemeldet.


Wichtige Merkmale

Die wichtigsten Merkmale, die jedes Formula Student Fahrzeug aufweisen muss: Einsitzer mit freistehenden Rädern, Otto-Viertakt-Motor mit maximal 610 Kubikzentimeter und 20 Millimeter Luftmassenbegrenzer, Radstand mindestens 1,525 Meter. Seit 2010 können auch Fahrzeuge mit Elektroantrieb (bis zu 85 kW) teilnehmen.
Bewertet werden in den statischen Disziplinen die Konstruktion des Fahrzeugs und die Ingenieurleistung. Sämtliche Kosten der am Rennwagen verbauten Teile müssen offengelegt werden. Die Präsentation des Rennwagens zählt ebenfalls. Bei den dynamischen Disziplinen sind ein enger Achter möglichst schnell zu durchfahren. Die Beschleunigung bringt Punkte. Zu absolvieren ist ein 800 Meter langer Kurs mit Geraden, Haarnadelkurven und Slalomstrecke. Beim Endergebnis wird auch ein niedriger Kraftstoffverbrauch positiv vermerkt.
Der Anspruch der Formula Student ist die Ergänzung des Studiums um intensive Erfahrungen mit Konstruktion und Fertigung sowie mit den wirtschaftlichen Aspekten des Automobilbaus. Die Zielgruppe des Prototyps ist der nicht-professionelle Wochenendrennfahrer, der Wert auf eine gute Beschleunigung, auf Bremskraft und Handling legt, und der auf den Preis schaut.
Finanziert wird der Bau des Rennwagens und die Teilnahme an den Rennen ausschließlich durch das Geld der Sponsoren. Von diesen kann ein solches Projekt nie genug haben: derzeit sind es zwei Dutzend - die meisten aus der Automobilindustrie samt Zulieferer. Gerd Landgraf