Sicherheitsschuhe, edle Hemden, Druckerpatronen, USB-Sticks, Computerspielkonsolen, Blutdruckmessgeräte, Damenrasierer, Mäntel und Marken-Jacken: Von Juni 2014 bis September 2015 hat ein 31-jähriger Kurierfahrer Waren im Wert von rund 17 000 Euro abgezweigt und über die Internetplattform ebay versteigert. Das räumte er vor dem Schöffengericht in Schweinfurt ein.

Den größten Schaden mit einer Summe von mehr als 8000 Euro verursachte der Mann bei den Lieferanten eines Schweinfurter Elektronikmarktes. Massenhaft zweigte er aus seinen Lieferaufträgen Druckerpatronen und Kartuschen ab, aber auch Playstations und sogar eine Küchenwaage. Einem Fachgeschäft für Berufskleidung enthielt er im Verlauf eines Jahres 49 Paar Schuhe im Wert von knapp 2100 Euro vor; einem großen Schweinfurter Industriebetrieb Druckerzubehör, der Schaden beläuft sich auf 1642 Euro; ein Herrenausstatter in der Stadtgalerie erhielt bei 14 Lieferterminen von dem Angeklagten 71 "Olymp"-Hemden weniger als geordert, was laut Anklage einem Schaden von mehr als 3500 Euro entspricht.

Sogar aus dem Transporter eines gut bekannten Kollegen, dem er hin und wieder bei seinen Touren half, klaute der Angeklagte Pakete mit Hemden und begehrter "Outdoor"-Markenkleidung, um diese über sein ebay-Konto feilzubieten.

Schulden habe er begleichen müssen, sagt er, Schulden aus Jugendsünden wie Handyverträgen, Versicherungen und wegen des Unterhalts für seine Tochter; aber auch weil er "spielsüchtig" gewesen sei und viel Geld an Spielautomaten verloren habe.


Entlarvt durch Aufnahmen

Das kriminelle Treiben des Paketfahrers ging ziemlich lang gut. Entlarvt wurde er, nachdem der Großhändler für Berufsbekleidung eine Kamera installiert hatte. Er kam auf den Angeklagten, erstattete Anzeige - und der ermittelnde Polizist kam bei seiner Internet-Recherche dem Angeklagten auf die Spur. Er verkaufte über ebay genau jene Sicherheitsschuhe, die dem Geschäft immer wieder zu wenig geliefert worden waren. Bei der Durchsuchung von Wohnung und Keller des 31-Jährigen fand der Ermittler passende Kartons und weitere Verpackungen.

In aufwendiger Recherche habe er die passenden Schweinfurter Empfängerfirmen abgeklappert, so der Polizeizeuge, und auf diese Weise am Ende auch die Geschädigten ermittelt. Oft, wenn der Angeklagte Ware angeliefert hatte, habe etwas gefehlt.

Ein befreundeter Kurierfahrer hatte auf seinen Namen ein Girokonto plus Bankkarte eingerichtet, beides überließ er dem Angeklagten inklusive der EC-PIN für seine Geschäftemacherei via ebay. Er habe so auch Geld auf Seite schaffen und vor Gläubigern verstecken können: "Ich hatte damals Pfändungen", gibt der 31-Jährige zu. Fazit seines kriminellen Treibens: 46 Fälle der "veruntreuenden Unterschlagung", drei Diebstähle, vollendeter Betrug in acht Fällen und versuchter Betrug in vier. Vorstrafen hat er aber keine.


Ein Jahr und neun Monate

Der Staatsanwalt fordert zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung und 120 gemeinnützige Arbeitsstunden. Dem Angeklagten rechnet er sein umfassendes Geständnis an. Zu seinen Lasten gehe die länger andauernde Tatserie, und dass er das Vertrauen seiner Arbeitgeber und seiner Kunden schwer missbraucht habe. Für 20 Monate auf Bewährung plädierte die Verteidigerin des Angeklagten. Ein Jahr und neun Monate hielt das Schöffengericht für angemessen.

Der Vorteil: Dank der Bewährungsstrafe kann der Mann weiter arbeiten und sich der Schadensregulierung widmen. Neue Straftaten darf er sich in den nächsten drei Jahren allerdings nicht leisten, sonst wandert er hinter Gitter. Stefan Sauer