Wenn sich vom 21. bis 23. August am Lindenhof bei Hambach Reiter und Pferdefreunde aus zehn Nationen zum Vielseitigkeitsturnier mit Fränkischer Meisterschaft treffen, darunter der Weltmeister
Michael Jung und der Olympiasieger Andreas Dibowski, erwartet sie und die Zuschauer eine zusätzliche Attraktion: Jagdreiter der "Frankenmeute" zeigen mit ihren Hunden, wie eine - völlig unblutige - Schleppjagd im freien Gelände abläuft.
Bellende Beagles, Reiter in schmucken Anzügen, die über freies Gelände und Hindernisse galoppieren sowie Jagdhornbläser werden am Samstag, 22. August, nach den Wertungsritten ab 19 Uhr eine Schau-Schleppjagd inszenieren. Sie wollen zeigen, dass Jagdreiten "ein fantastischer Sport ist, der gute Reiter und Pferde fordert", erklärt Armin Kirchdorfer.

Der Tierarzt aus Bad Königshofen, der die Pferde am Hambacher Lindenhof mitbetreut und als Turnierarzt fungiert, ist einer der 90 Mitglieder des "Schleppjagdvereins Frankenmeute". 24 solcher Vereine gibt es in Deutschland, "nur vier haben so wie wir eine Beagle-Meute", verweist Kirchdorfer auf die galoppierfreudigen Hunde mit zuverlässiger Spursicherheit in der Nase.

Echtes Wild dürfen die Hunde nicht jagen; die Meute bei einer Schleppjagd verfolgt eine künstliche Duftspur. Meist ist es üblich, dass die Hunde auf Pansensaft oder Heringslake trainiert werden. Diese Flüssigkeiten werden aus einem Tropfkanister am Sattel des vorausreitenden Pferdes als Spur gelegt.

Das Besondere bei den intensiv geschulten Jagdgebrauchshunden der "Frankenmeute" liegt darin, dass die 26 Beagles auf die Trittsiegel des Schleppenleger-Pferdes trainiert sind. Dessen Eigengeruch und die Bodenverletzung nehmen die Hunde auf und können dadurch die Strecke des Pferdes verfolgen.

Wettkampfcharakter hat das Jagdreiten nicht. Es geht den Reitern aus Ober-, Mittel- und Unterfranken vielmehr um den Sport mit gut ausgebildetem Pferd und Hund, um die Verbundenheit mit der Natur, den anspruchsvollen Ritt durch das freie Gelände, die Verbindung von Tradition und Moderne, den Hörnerklang, die Gemeinschaft.


Schicke Kleidung

"Bei einer Schleppjagd sind die meisten Reiter auch schick gekleidet, in Grün oder Braun", erklärt der Tierarzt den optischen Hinweis darauf, dass im 17. und 18. Jahrhundert vor allem an französischen und englischen Adelshäusern die damalige Parforcejagd beliebt war. Dabei handelt es sich um eine in Deutschland seit 1936 verbotene Hetzjagd, bei der die jagende Hundemeute mit Pferden begleitet wurde.Anklang an historische Jagdreiterei nimmt auch die Jagdhornmusik. Uralte Signale, etwa "Wild wechselt aus dem Wald" oder "Wild geht ans Wasser" verdeutlichen, wie früher Jäger auf ihre Beute aufmerksam gemacht wurden, erklärt Kirchdorfer. "Heute ist das alles inszeniert."

In Unterfranken gibt es heute keine Jagdveranstalter mehr, die zur Schleppjagd aufrufen, weiß der Bad Königshöfer. Um auf das Jagdreiten aufmerksam zu machen, hat er beim Turnier auch einen neuen "Frankenmeute-Sprung", ein Hindernis im Gelände gesponsert. Es zeigt: einen Beagle.


Der Termin Das nationale und internationale Vielseitigkeitsturnier mit Fränkischer Meisterschaft des Vereins "Pferdefreunde Lindenhof Hambach" findet vom 21. bis 23. August statt. Mehr als 500 Reiter aus ganz Europa sowie einigen asiatischen Ländern haben sich schon angemeldet. Das Turnier endet am 23. August gegen 18 Uhr mit der Ehrung der fränkischen Meister.

Die Stars Unter den Teilnehmern sind Europameister, Weltmeister und Olympiasieger Michael Jung sowie Olympiasieger Andreas Dibowski. Die beiden Reiterstars werden am 21. August die erste Prüfung der Vielseitigkeit, die Dressur, reiten. Die Dressur wird wegen der großen Teilnehmerzahl auf zwei Außenplätzen parallel laufen.

Die Disziplin Die Vielseitigkeit gilt als die Königsdisziplin des Reitens mit Dressur, Springen und Geländeritt. Der Lindenhof ist zum Vielseitigkeitsstützpunkt in Nordbayern geworden. Dort hat der Verein der Pferdefreunde unter anderem eine anspruchsvolle Zwei-Sterne-Geländestrecke angelegt, die einzige in Nordbayern und eine von drei in ganz Bayern. Für Zuschauer spektakulär dürfte am Sonntag der Ritt über das hügelige Gelände werden.

Die Prüfungen Ausgetragen werden beim Lindenhof-Turnier eine CIC-1-Sterne- und CIC-2-Sterne-Prüfung sowie die Fränkischen Meisterschaften der Junioren, der jungen Reiter, der Reiter und der Mannschaft. Bei den Mannschaften sind zwei Springen, zwei Dressurprüfungen und zwei Vielseitigkeitsprüfungen jeweils der Klasse L zu absolvieren. Bei den E-Springen am Freitag soll der Nachwuchs aus der Region angesprochen werden. Silvia Eidel