Als im Februar 2014 die Pläne für einen mächtigen Baukomplex mit elf Wohnungen auf dem Grundstück Leislerstraße 22 bekannt wurden, reagierte die Nachbarschaft entsetzt.
Das Bauwerk mit einem Garagenhof im Garten zerstöre die gewachsene Struktur am Steinberg, lautete der Protest. Der städtische Bauausschuss folgte den Anliegern und forderte vom Bauherrn noch im Februar ein Abspecken.
Der plante auch um. Nach Meinung des Bauausschusses (im Dezember 2014) war das Projekt der Igebo Bau mit nun acht Wohnungen aber noch immer zu wuchtig. Der Bauherr reagierte erneut mit Umplanungen, aber nicht in dem vom Stadtrat verlangten Umfang mit dem Ergebnis, dass der Bauausschuss nun in seiner aktuellen März-Sitzung das Bauvorhaben ablehnte. Außerdem beschloss das Gremium, den nicht mehr zeitgemäßen Bebauungsplan zu ändern.
Die Stadtverwaltung hatte das Bauprojekt nach der ersten Umplanung im Dezember 2014 als "gerade noch vertretbar" erachtet. Die Baustadträte sahen das anders, forderten Veränderungen bei der Dachneigung, keinen Kniestock und eine Reduzierung der Stellplätze und Garagen sowie Balkone. Um dem Bauherrn Zeit zu geben, wurde der Bauantrag vor vier Monaten ein weiteres Mal vertagt (wir berichteten).

In Runde drei: die Absage

Nun also Runde drei im Bau- und Umweltausschuss. Baujurist Jan von Lackum informierte über die vom Bauherrn vorgenommenen Änderungen: Dachneigung von 42 auf 38 Prozent reduziert. 32 Prozent hatte man verlangt. Beim Kniestock ging er von 50 auf 25 Zenitmeter runter, die Stadträte wollten keinen Kniestock. Die Stellplätze wurden entgegen der Empfehlung von elf auf 13 sogar erhöht. Bei den Balkonen ging der Bauherr vom "Ursprungswert zurück, wenn auch grenzwertig", sagte von Lackum. Kritik übte er auch an einer Mauer zur Straßenseite hin, die kaum als solche erkennbar sei und die Tiefgarage "tarnt".
Wenig erfreut auch die Mehrheit der Stadträte. "Wir haben dem Bauherrn eine Brücke gebaut, er hat sie nicht betreten", bedauerte etwa Edmund Hornung (CSU). Parteikollege Rüdiger Köhler bezeichnete das Vorhaben "nach wie vor nicht zustimmungsfähig". Konträr äußerte sich Christiane Michal-Zaiser (prosw), die in den Umplanungen Verbesserungen erkannte und die angeregte Bauleitplanung fürs Revier "reine Verhinderungstaktik" nannte.
Die Verwaltung hatte nämlich gefordert, den Bauantrag der IgeBo Bau bis zu der von ihr vorgeschlagenen Änderung des alten Bebauungsplans Nr. O 20 a erneut zurückzustellen. Möglich ist eine solche Rückstellung für den Zeitraum von bis zu einem Jahr. Darüber wurde aber wegen eines Antrags von Köhler/Hornung auf Ablehnung des Bauvorhabens gar nicht mehr abgestimmt. Dem folgte die Mehrheit mit 12:3 Stimmen.
Der Beschlussvorschlag der Verwaltung auf Bebauungsplanänderung ging dann mit 11:4 Stimmen durch. Ein qualifizierter Bebauungsplan mache konkrete Aussagen zur Größe von Bauvorhaben und bezüglich oft nachgefragter Anbauten, hatte von Lackum um Zustimmung geworben. Beim Plan Nr. O 20 a handelt es sich um einen einfachen B-Plan. Die städtebauliche Aufgabenstellung habe sich seit dessen Aufstellung 1960 aber enorm gewandelt. Das Bauvorhaben sei zugegeben der Auslöser, das Baugesetzbuch empfehle aber ausdrücklich die Aufstellung von Bauleitplänen.

Klare Regeln, weniger Konflikte

Dem Baujuristen pflichtete unter anderem Stadtrat Hornung bei, weil klare Festsetzungen Konfliktsituationen zwischen Stadt und Bauherr beziehungsweise Nachbarn "gar nicht entstehen lassen". Auch Thomas End (SPD) nannte einen Plan mit klaren Regeln die beste Lösung. Das sei letztendlich auch für jeden Bauherrn ein Vorteil, konstatierte er.
Der Bauherr ist anderer Meinung, pochte in einem Schreiben an die Stadt und Stadträte auf die Genehmigung des zuletzt modifizierten Bauantrags. Er kann gegen die Ablehnung juristisch vorgehen. Eine Klage kündigt in seinem Namen sein Rechtsanwalt in erwähntem Schreiben für den nun eingetretenen Fall sogar an.
Der neue Bebauungsplan umfasst den Bereich zwischen der Straße "An den Unteren Eichen" bis hinunter zum Lindenbrunnenweg (TG 1848), springt gegenüber der Heinrich-Beck-Straße hoch zur Leislerstraße und reicht im Südosten bis zur Deutschhöfer Straße einschließlich der Grundstücke in der Ernst-Hermann-Straße.