Die Ausfälle werden langsam dramatisch. Manche Imker stehen gar in den ersten Monaten des Jahres ohne ein einziges Bienenvolk da. Die Varroamilbe leistet europaweit ganze Arbeit und zerstört Volk für Volk. Bei der Mitgliederversammlung des Kreisverbands der Imker Rhön-Grabfeld stand der Vortrag eines Experten deshalb im Vordergrund. Thema: Bienengesundheit versus Völkerverluste. Für alle Imker führt kein Weg an der sehr aufwändigen Bekämpfung des Schädlings vorbei.

Es ist wieder Ruhe in den Kreisverband der Imker Rhön-Grabfeld eingekehrt. Nach dem 3-Vorstände-Jahr 2014 hat es die seit November im Amt befindliche Vorsitzende Annette Seehaus-Arnold und der neue Vorstand geschafft, wieder Ruhe in den Kreisverband mit seinen rund 330 Mitgliedern zu bringen. Die Mitgliederversammlung verlief schnell, harmonisch und einstimmig.
In ihrem Bericht seit der letzten Versammlung Ende 2014 erwähnte die Vorsitzende vor allem die Teilnahme an der Demonstration "Wir haben es satt" in Berlin, wo zahlreiche Imker des Kreisverbands ihre Interessen kundtaten.

Überarbeitet wurde vom Vorstand seit der letzten Mitgliederversammlung die Satzung des Kreisverbandes, die an den Landesverband angepasst werden musste. Annette Seehaus-Arnold gab die Änderungen bekannt, die ohne Diskussion einstimmig befürwortet wurden.

Eine Änderung im Steuerrecht gab Seehaus-Arnold ebenfalls bekannt. Das Finanzamt geht künftig bei Imkern mit bis zu 30 Völkern davon aus, dass keine Gewinne erwirtschaftet werden. Wer bis zu 70 Völker in seinen Bienenstöcken hat, zahlt pauschal 1000 Euro Steuern auf seinen Gewinn. Bei mehr als 70 Völkern ist eine genaue Gewinnermittlung für das Finanzamt notwendig.

Eine Ehrung nahm Annette Seehaus-Arnold in der Mitgliederversammlung vor: Eginbert Fassnacht vom Bienenzuchtverein Bad Neustadt wurde für 36 Jahre Vorstandsarbeit im Kreisverband mit einer Ehrenurkunde und der goldenen Nadel des Landesverbandes ausgezeichnet.

Enorme Völkerverluste müssen die Imker auch in diesen Monaten wieder hinnehmen. Die Varroamilbe breitet sich immer weiter aus und befällt Bienenstock für Bienenstock. Ihre Bekämpfung ist zwar durchaus möglich, aber sehr aufwändig zu bewerkstelligen. Nur wer eine ganze Reihe an Faktoren wie Brutstadium, Temperatur, Jahreszeit und viele mehr beachtet, kann die schädliche Milbe zur Räson bringen. In vielen Fällen klappt aber noch nicht mal das. Haben manche Imker nur ein paar Völkerverluste hinzunehmen, während es bei anderen kein einziges Volk über den Winter geschafft hat.

"Das Bienensterben macht uns zu schaffen", sagte Landrat Thomas Habermann und wies neben der Varroamilbe auf den nicht gerade bienenfreundlichen Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft hin. Habermann betonte die Bedeutung von Fort- und Weiterbildung der Imker im Kampf gegen die Gefahren für den Bienenstock und kündigte Unterstützung von Seiten des Landratsamtes an.

In seinem Vortrag über Bienengesundheit und Völkersterben mahnte Dr. Stefan Berg von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim (LWG) eine intensive Auseinandersetzung mit dem Problem Varroamilbe an. "Niemand will sich mit diesen blöden Viechern auseinandersetzen. Wir müssen es aber!", sagte Berg. Prozentual gesehen hat die Varroamilbe 2014 ihre größte Verbreitung gefunden. "Ein Viertel bis ein Drittel aller Völker wird dieses Frühjahr nicht erleben", kündigte Berg an. Was für ganz Deutschland gilt, nicht nur für Rhön-Grabfeld. Je nach Jahreszeit erläuterte Stefan Berg die Maßnahmen, die jeder Imker selbst an seinen Bienenstöcken einsetzen muss. Der richtige Umgang mit Mitteln wie Ameisensäure, Thymol, Oxalsäure oder Milchsäure ("ein Supermittel!") will gelernt sein, sonst verpuffen die Maßnahmen ohne Wirkung. Ohne weitere Forschungen zum Beispiel an der LWG geht es auch in Zukunft nicht, wie Stefan Berg betonte: "Die komplexen Wechselwirkungen zwischen Biene, Volk und der Umwelt müssen noch viel besser erkannt werden!"