TSV Aubstadt - SpVgg Oberfranken Bayreuth 2:2 (1:1). Tore: 1:0 Julius Benkenstein (12.), 1:1 Patrick Hobsch (21.), 1:2 Ivan Knezevic (61.), 2:2 Julian Grell (90. + 3).
Der TSV Aubstadt hat seine Chancen auf den Aufstieg gewahrt. Und zwar, weil der zehn Minuten zuvor eingewechselte Julian Grell in der Nachspielzeit der Partie gegen die SpVgg Oberfranken Bayreuth für den 2:2-(1:1)-Endstand und nicht nur bei Aubstadts Trainer Josef Francic für Erleichterung sorgte vor der tollen Kulisse von 1600 Fans. "Es hat sich gelohnt, die letzte Viertelstunde alles nach vorne zu werfen", sagte Francic. Und begründete die späte Einwechslung des Kapitäns: "Früher wollten wir die zweite Spitze nicht riskieren. Das billige Tor zum 1:2 liegt mir aber noch schwer im Magen. Der Ball war ewig lang in der Luft. Da muss man besser reagieren. Natürlich sehe ich noch Chancen", gab sich Josef Francic vor dem Rückspiel an diesem Montag um 18.30 Uhr in Bayreuth kämpferisch und verwies darauf, dass seine Mannschaft schließlich die beste Auswärtsmannschaft der Bayernliga Nord sei. Mit dem Aufstieg von 1860 München in die 3. Liga - durch das 2:2 gegen den 1. FC Saarbrücken nach dem 3:2-Erfolg im Hinspiel - ist auch klar, dass der Sieger aus dieser Runde in der nächsten Saison in der Regionalliga spielen wird.
In Julian Grell, dem Kapitän des TSV Aubstadt, muss es gebrodelt haben. Das TSV-Schiff ging ohne ihn in der Startelf die Relegationsreise Richtung Regionalliga an. Beim Highlight vor dieser Kulisse, auf das auch er mit unbändigem Ehrgeiz hin gearbeitet hatte. Selbst auf der Bank erleben das nicht viele Fußballer in der Region. Aber Grell ist Sportsmann und Teamplayer, selbst zurzeit in der Trainerausbildung und im Mannschaftsrat. Und deshalb weiß er zu genau, dass nur einer entscheidet, weil auch nur einer die schlussendliche Verantwortung trägt: der Trainer.


Schmidt zündet diesmal nicht

Auch Christoph Schmidt durfte wieder mal nicht sofort ran. Josef Francic weiß um seine Stärken als Joker, der von null auf hundert sofort drin ist, wenn er reinkommt, und der in dieser, seiner ersten Bayernliga-Saison, schon öfter sofort gezündet und entschieden hat für den TSV. Unter anderem eine Woche zuvor in Ammerthal in der 89. Minute zum 2:1. Nur diesmal zündete er nicht. Er war zwar wie immer an den Brandstellen, ließ aber zwei Chancen (89./90. + 2) liegen, die er sonst verwandelt.
Als seine zweite Chance abgewehrt war, fiel Sekunden später doch das 2:2 - durch Julian Grell. Der vorher angekündigt hatte, dass "diesmal das Momentum auf unserer Seite" sein werde. "Ich war etwas enttäuscht, dass meine Mannschaft doch so viel Respekt gezeigt hat", war Josef Francic noch gezeichnet von den nervlichen Strapazen während des Spiels. "Aber wir haben uns reingekämpft, hatten hinten raus mehr zuzusetzen und wurden noch belohnt." Gewiss machten seine Spieler einen aufgeregteren Eindruck als sonst. Für das beste Mittel gegen Aufregung sorgten sie aber selber, indem sie 1:0 in Führung gingen nach einer Ecke von Ingo Feser und einem Kopfball von Julius Benkenstein. Als ob man diesen TSV-Innenverteidiger nicht kannte, trat Benkenstein in Aktion und verunsicherte erst einmal den Regionalligisten.


Hobsch wie einst sein Vater

Der aber schon nach neun Minuten zurückschlug. Mit einem Tor, das kaum zu verteidigen war. Da blitzte der Klassenunterschied auf, als Ivan Knezevic vor dem Strafraum den Ball annahm, auf engstem Raum zwei Aubstädter stehenließ und zu Patrick Hobsch durchsteckte. Und der vollendete sicher wie einst sein Vater Bernd in Bremen oder in Nürnberg. Etwas zu bald kassierte der Außenseiter den Ausgleich. Denn auf einmal war der Favorit drin im Spiel, hätte beinahe nachgelegt, als Hobsch nach einer Ecke köpfte und David Noack für seinen Keeper Christian Mack auf der Linie klärte. Mehr Ballbesitz, längere Rochaden von Außenbahn zu Außenbahn für die Gäste bis zur Pause. Aber stabil stehende Gastgeber, die jede Balleroberung zum Umschaltspiel nutzten, wenn sie nicht bereits am eigenen Strafraum durch extrem hohes Pressing des Gegners gestört wurden.
Nach Wiederbeginn dominierte nach demselben Spielschema Bayreuth noch stärker und kam auch nach einem Freistoß von der Außenlinie durch Knezevic zum 2:1. "Meine Abwehr war wie paralysiert", monierte Francic. Vom Anpfiff weg hatte Thomann den Ausgleich auf dem Schlappen. Sein Direktschuss nach Dellinger-Vorlage ging knapp vorbei. Dann folgten 20 Minuten, in denen die Oberfranken den Klassenerhalt vorzeitig hätten abdichten können. Drei Mal scheiterten sie an Mack oder ihrer eigenen Ungenauigkeit im Abschluss.


Ausgleich nicht unverdient

Als Francic durch seine Wechsel volles Risiko gefahren war, zeigte der TSV, was in ihm steckt. Auch Aubstadt kam zu drei Hochkarätern (Thomann, zweimal Schmidt), so dass der Last-Minute-Ausgleich trotz der spielerischen Klasse des Gegners nicht einmal unverdient war. Denn der Außenseiter hatte hintenraus physisch mehr zuzusetzen als der Favorit.
Aubstadt: Mack - Bauer, Benkenstein, Grader, Feser - Trunk (80. Grell), Leicht (66. Schmidt) - Noack (66. Kleinhenz), Behr, Dellinger - Thomann.