. Der Künstler Peter Picciani, der in Bad Königshofen - Ipthausen wohnt, kann sich über den Publikumspreis für seine Skulpturengruppe "Social Network" des Landkreises Haßberge freuen. Ihm gratulierte bei der Finissage unter anderem der stellvertretende Landrat Rhön-Grabfeld, Josef Demar.

Zum ersten Mal hat der Landkreis Haßberge eine derartige Ausstellung mit Bewertungen durch Jury und Publikum veranstaltet, den würdigen Rahmen dafür bilden die Räume des Schlosses Oberschwappach. Im Rahmen der Landkreis-Projektreihe "Kunststück" waren der mit 2000 Euro dotierte Kunstpreis und der mit 500 Euro dotierte Publikumspreis unter dem Motto "ZwischenRaum - MainRhön" für Künstler aus der Region ausgeschrieben worden. Peter Picciani war einer von 15 Künstlern, die von der Jury für die Ausstellung ausgewählt wurden.
Beeindruckend und originell fanden die Ausstellungsbesucher seinen Beitrag über die "Kopf-unten-Generation", denn die meisten Stimmen für die Vergabe des Publikumspreises entfielen auf seine Exponate.
In der Laudatio ging Projektleiterin Sibylle Kneuer auf das Werk von Peter Picciani ein. Er befasse sich oft mit Archetypen und beobachte seine Zeitgenossen, seine Arbeit "Soziales Netzwerk" sei Bestandteil eines Gesamtkonzepts. Zehn Figuren zeigen unterschiedliche Jugendliche, die in ihre Smartphones vertieft mit gesenktem Kopf laufen und trotz der virtuellen Verbundenheit völlig isoliert voneinander sind.
"Hier zeigen sich Ironie und Widerspruch, Gesellschaftskritik und feine Beobachtungsgabe. Denn die Charaktere sind aus dem Leben gegriffen und ganz genau beobachtet, sie sind auf den ersten Blick zwar alle gleich und doch sehr individuelle Persönlichkeiten unterschiedlicher Sozialisierung", sagte Sibylle Kneuer. Sie zitierte auch aus den Stimmzetteln, auf denen Stichworte wie "vorzügliche Sozialkritik", "den Zeitgeist gut getroffen" und "genau beobachtet", "witzig", "aktuell" zeigten, was die Ausstellungsbesucher angesprochen hat. Den Preis überreichte Stifter Jochen Benkert.
In einem Interview erklärte Peter Picciani, dass er Idee zu den Figuren hatte, als er vier Mädchen sah, die schweigend auf einer Bank nebeneinander mit ihren Smartphone in der Hand und gesenkten Köpfen saßen. So entstand die erste Figur der "Generation Kopf unten", mit tief hängender Hose und Kapuzenjacke. Die zeitgenössischen Namen gehören jeweils zur Figur: "Das ist Kevin - aufgeschlossen, weltoffen und voller Tatendrang". "In Wirklichkeit hat er null Bock auf nichts und schlurft mit gesenktem Kopf durch die Gegend", erklärt der Künstler, der seine Figuren direkt in Lindenholz geschnitzt hat, "Sie sind wie Skizzen von Alltagsbeobachtungen zwischen Realität und Karikatur". Der Arbeitstitel der ganzen Serie, zu der auch Angela Merkel mit typischer Handhaltung gehört, lautet "Archetypen und andere Zeitgenossen".
Den Hauptpreis erhielt der Künstler Gerd Kanz aus Untermerzbach, der Sonderpreis der Sparkasse Ostunterfranken im Wert von 500 Euro ging an Jannina Hector aus Hofheim. Landrat Wilhelm Schneider versprach den Kunstpreis weiterzuführen, die Details müssten aber noch in Gesprächen mit den Landräten aus der Region Main-Rhön geklärt werden.
Regina Vossenkaul