Friedrich berichtete von seiner Idee vor zwei Jahren, einem Zeitungsaufruf und vielen Zufällen, die dazu führten, dass echte Schätze aus Rhön und Grabfeld zusammen kamen, Figuren, Bilder, Andachtsbüchlein, eine Lourdes-Grotte, Exponate aus dem Rhönmuseum, Darstellungen in vielen Formen und Materialien, bis hin zum Anhänger, Geldschein, Briefmarke und gesticktem Wandbild. Aus Bad Neustadt, Hohenroth, Wülfershausen, Bad Königshofen, Aub und Rödelmaier stammen die zahlreichen Exponate. Besonders stolz ist Friedrich über eine "Maria Immaculata" von Johann Josef Kessler, Barockbildhauer aus Königshofen, die erworben werden konnte und nun wieder in der "Heimatstadt" in Privatbesitz ist.

Dekan Andreas Krefft verglich das Blütenwunder des Frühlings, wie es Eichendorff in einem Gedicht beschreibt, mit einer jungen Frau, die zum ersten Mal von der Liebe ergriffen wird.
Die Katholiken verbinden den blühenden Mai mit Maria, der jungen Frau in der Blüte ihres Lebens, die von Gott als Mutter Jesu erwählt wurde - das Göttliche verband sich mit dem Menschlichen. Krefft sprach auch die unterschiedlichen Auffassungen bei katholischen und evangelischen Christen bezüglich der Person Maria an: für die Katholiken ist sie die Muttergottes, für die Evangelischen nur die Mutter von Jesus.

Landrat Thomas Habermann wies auf Maria als "Patrona Bavariae" und als "Herzogin von Franken" hin, im ganzen Land gebe es eine tief verwurzelte Marienverehrung. Ein oft gehörtes Missverständnis griff er auf: Maria werde von den Katholiken nicht angebetet, sondern als Fürsprecherin angerufen. Die Maria Immaculata hätte der Landkreis auch gern gekauft, er war jedoch nur der zweite Bieter, berichtete Habermann.

Kulturdirektor Klaus Reder wies auf einen ganz anderen Aspekt der Marienverehrung hin. Die vielen Pilger, die die Lourdes-Grotte in Frankreich besucht haben, trugen zum Ende des "Erbfeind-Gedankens" und zur Völkerverständigung bei.

Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert gab einen Überblick über die zahlreichen Zeugnisse der Marienverehrung im Landkreis Rhön-Grabfeld, unter anderem gibt es 17 Kirchen und Kapellen, die der Heiligen geweiht sind, sowie 80 Darstellungen auf Bildstöcken. dazu kommen Lourdes-Grotten, Reliefs, Hausmadonnen und Marienaltäre. Eine der bedeutendsten Wallfahrtsstätten war die Findelbergkirche in Saal (Maria Heimsuchung).
Der "Madonnenmeister" Johann Josef Keßler ist durch seine Mariendarstellungen berühmt geworden. Albert berichtete von dem vielfältigen Brauchtum, das mit der Marienverehrung zusammenhängt, beispielsweise Mariä Lichtmess (2. Februar), früher das endgültige Ende des Weihnachtsfestkreises, an dem Lichterprozessionen durchgeführt wurden und das Gesinde wechselte. Maria Verkündigung, Mariae Geburt, Maria Himmelfahrt mit Kräuterweihe und der Marienmonat Mai sind Zeugnisse der besonderen Verflechtung des dörflichen Lebens mit der Marienverehrung.

Andrea Friedrich-Rückert stellte in ihren Ausführungen klar, dass Maria der ganzen Christenheit gehöre, sie sei weder katholisch noch evangelisch oder orthodox. Auch im Islam werde sie als hochgeschätzte Mutter des Propheten Jesus (Isa) verehrt und als einzige Frau im Koran namentlich erwähnt. Die ersten Mariendarstellungen von Maria mit dem Kind auf dem Schoß, die in den Katakomben von Rom gefunden wurden, erinnern an die Darstellungen der Ägyptischen Göttin Isis mit ihrem Sohn Horus. Die Ausstellung kann bis einschließlich 1. Juni zu den Öffnungszeiten der Museen besichtigt werden: Dienstag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Mittwoch und Freitag von 14 bis 16 Uhr, Donnerstag 10 bis 12 und 17 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr.