Das Kreiskrankenhaus in Bad Königshofen ist vor Jahren schon geschlossen worden, das in Mellrichstadt auch. Letzteres ist zwischenzeitlich längst zurückgebaut. Jetzt gibt der Landkreis auch das dritte und letzte aus der Hand. Die Kreisklinik in Bad Neustadt wird zum 1. Januar 2016 an das Rhön-Klinikum verkauft. Nach rund einjährigen Verhandlungen stimmte der Kreistag am Montag dem Verkauf mit großer Mehrheit zu. Vertreter der Rhön-Klinikum AG erläuterten zuvor in der Sitzung noch einmal das neue Campus-Konzept, Landrat Thomas Habermann warb in einem Grundsatzreferat um Stimmen und die Fraktionen gaben Stellungnahmen ab.

Am Ende der Sitzung in der Heustreuer Festhalle ging alles ganz schnell.
In namentlicher Abstimmung meldeten sich lediglich neun der 59 anwesenden Kreisräte auf die Frage "Wer stimmt gegen den Verkauf der Kreisklinik?" Von den anwesenden zunächst rund 100 Besuchern in der Festhalle waren zu diesem Zeitpunkt die meisten schon gegangen. Zu eindeutig hatten sich Landrat wie auch die Fraktionen mit Ausnahme von SPD und Grünen zuvor für einen Verkauf der Kreisklinik an das Rhön-Klinikum ausgesprochen.

Eine große Mehrheit aus CSU und Freien Wählern für den Verkauf stand schon vor Beginn der Sitzung fest. SPD und Grüne hatten den Fraktionszwang ausdrücklich aufgehoben. Die wenigen Gegenstimmen kamen aus den Reihen dieser beiden Parteien wie auch von Übernahme-Gegner Dr. Thomas Smolin.

Eindeutiges Ergebnis mit 51:9 Stimmen

Gegen die Übernahme der Kreisklinik durch Rhön votierten in der namentlichen Abstimmung Thomas Smolin (FDP), Cornelia Müller, Winfried Christ, Birgit Zirkelbach, Dagmar Richter (alle Bündnis 90/Die Grünen) sowie René van Eckert, Thorsten Raschert, Sebastian Kihn und Albrecht Finger (alle SPD). Das Ergebnis fiel mit 51:9 Stimmen sehr eindeutig aus.

Der Neubau des Rhön-Klinikums wie auch der Bau der NES20 und die Übernahme der Kreisklinik wollte Landrat Thomas Habermann in der Kreistagssitzung besprechen. Die Planungen für die neue Kreisstraße sind abgeschlossen, die Ausschreibungen und der baldige Baubeginn können jetzt folgen. Jochen Bocklet, Geschäftsführer Campus-Klinik und Professor Bernd Griewing als Leiter des Medical Board erläuterten noch einmal das Interesse der Rhön-Klinikum AG an der Übernahme der Kreisklinik um durch den Neu- und Umbau des bestehenden Klinikkomplexes eine umfassende medizinische Versorgung weit über den Landkreis über Jahrzehnte hinaus sicher zu stellen.

Thomas Habermann begründet seine Meinung

"Wir haben im Landkreis eine besondere Situation", betonte Landrat Thomas Habermann seine Beweggründe für den Verkauf der Kreisklinik. Sein persönliches Ziel für das Jahr 2030 umriss der Landrat mit dem Slogan "Hier will ich leben!" Hierzu gehöre eine umfassende medizinische Versorgung, die der Landkreis alleine keinesfalls bieten könne. Den Ausbau der medizinischen Versorgung bezeichnete Habermann als einen Kernpunkt im Reigen der Zukunftsaufgaben für Rhön-Grabfeld. "Wir dürfen nicht krampfhaft am Alten festhalten", sagte Habermann. Den Verkauf der Kreisklinik an Rhön nannte der Landrat "eine einmalige und letztmalige Gelegenheit, die Kreisklinik in einen hochmodernen Campus zu integrieren".

Das umfangreiche Vertragswerk zur Übernahme der Kreisklinik war von der Beratungsfirma Solidaris ausgearbeitet worden. Es umfasst den Kaufvertrag über den Betrieb der Kreisklinik, einen Personalüberleitungstarifvertrag, einen Mietvertrag über die Räumlichkeiten der Kreisklinik wie auch einen Kooperationsvertrag. Über die Höhe des im Vertrag aufgeführten Barkaufpreises war in der Kreistagssitzung nichts zu erfahren. Von den mittlerweile genannten 177 Millionen Euro, die Rhön in den Neubau des Campus investieren will, entfallen rund 20 Millionen auf die Räume der Kreisklinik. Als Beratungsgremium wird bei Rhön ein Beirat aus elf Personen gegründet, von denen fünf Vertreter vom Landkreis Rhön-Grabfeld entsandt werden. Zwei Mitglieder kommen aus dem Betriebsrat der Kreisklinik.

Übergabe an Rhön

Die Kreisklinik geht jetzt zu Beginn des neuen Jahres an Rhön über. Spätestens 2019 soll der Umzug in den neuen Campus des Rhön-Klinikums erfolgen. Die Mitarbeiter der Kreisklinik erhalten Kündigungsschutz bis zum Jahr 2018. Das Gebäude in der Goethestraße bleibt jedoch im Besitz des Landkreises. Was damit nach 2018 geschieht, steht noch nicht fest. Auch die Medizinischen Versorgungszentren in Mellrichstadt, Bad Königshofen und in der Kreisklinik bleiben über die MVZ-GmbH in der Hand des Landkreises.