Das benötigte Wasser von den versiegelten Flächen der Großbardorfer Biogasanlage - ebenfalls ein Gemeinschaftsprojekt - wird einer Verwendung zugeführt, ein neues Marktsegment wird erschlossen und die Umwelt profitiert, weil lange Transportwege entfallen.

Nachdem am Samstag zuvor wegen des ungeeigneten Wetters die Pflanzung verschoben werden musste, klappte es an diesem Samstag: Auf einer von der GbR gekauften, 2,3 Hektar großen Fläche gleich hinter der Biogasanlage wurden 600 Haselnussbäumchen in die Erde gebracht. Insgesamt werden es 830. Wie der Geschäftsführer der GbR, Markus Helmerich, erklärte, ist die Haselnuss hauptsächlich als Strauch bekannt. Durch die Veredelung auf die Baumhasel Corylus colurna, die als Unterlage genutzt wird, entsteht ein Baum, der weniger Aufwand bei Pflege und Ernte erfordert. Im Abstand von sechs mal fünf Metern wurden auf dem Gelände Löcher gebohrt und gepflanzt.
Damit die Reihen wirklich gerade sind, kam ein mit GPS ausgestatteter Drainagepflug zum Einsatz. Der Rest war Handarbeit, dabei halfen alle Gesellschafter und die Familienmitglieder mit.

Im vergangenen Jahr hatte Werner Schleicher in Schwanhausen einen ersten positiven Versuch mit einer Haselnusspflanzung gestartet (wir berichteten). Er hatte keine Ausfälle und konnte schon einige Nüsse ernten. Er hatte sich wegen des drohenden Wildverbisses für eine Umzäunung entschieden, in Großbardorf ist das Gelände jedoch wesentlich größer und man schützt die Bäumchen durch eine Plastikhülle. Das Gras zwischen den Haselnussreihen bleibt stehen und wird kurz gehalten, berichtete Helmerich, denn die Nüsse sind reif, wenn sie vom Baum fallen - sie müssen aufgelesen werden. Das erledigt eine Maschine, aber es sollen keine Steine aufgekehrt werden.

Etwas Pflege und Wasser

Etwas Pflege und rund acht Liter Wasser pro Tag in der Hauptvegetationszeit März bis Oktober benötigen die Pflanzen der Sorten Wunder von Bollweiler, Halle'sche Riesen, Katalonski und EMOA1, für die sich die Beteiligten entschieden haben. Schläuche werden verlegt, um in trockenen Perioden Tröpfchenbewässerung durchführen zu können. Bedroht sind die Pflanzen nicht nur durch Wildverbiss und Mäuse (hier setzt man auf den Hunger der Greifvögel), sondern auch durch Schädlinge wie Haselnussbohrer und die Pilzerkrankung Monilia (Fruchtfäule). Es ist deshalb wichtig, gesunde und möglichst resistente Pflanzen zu haben.

Ein generationenübergreifendes Projekt ist die Haselnusspflanzung, denn in den ersten fünf Jahren kann man kaum nennenswerte Ernteerträge erwarten. In den Jahren sechs bis neun steigert sich der Ertrag bis zur möglichen Höchstmenge, die dann rund 80 Jahre lang geerntet werden kann. Den Investitionsaufwand, berechnet für die ersten fünf Jahre, bezifferte Helmerich auf rund 100.000 Euro, inklusive Grundstück, Bewässerungssystem und Pflegeaufwand.

Am Pflanztag meinte es das Wetter gut mit den fleißigen Helfern, denn alles verlief wie geplant, anschließend bewässerte der Himmel die neue Pflanzung. Bei der Projektierung hatte die Haselnuss Großbardorf GbR Unterstützung von der Agrokraft GmbH in Bad Neustadt in Anspruch genommen. Welche Marktstrategien angestrebt werden, wollte Geschäftsführer Helmerich noch nicht verraten, das hat auch noch einige Jahre Zeit. Der Bedarf ist vorhanden, besonders in der Vorweihnachtszeit als Backzutat, geknackt, ganz oder gehackt, in der Süßwarenindustrie und in Privathaushalten.