Hubert Kornbrust vom Bund Naturschutz, Initiator des Biberlehrpfades an der fränkischen Saale, berichtete zunächst Wissenswertes über das größte Nagetier Europas. Im Mittelalter wurde er wegen seines Hauptlebensraums Wasser und dem schuppigen Schwanz (Kelle) zum Fisch erklärt und galt als Fastenspeise, begehrt waren sein Fell und der Duftstoff "Bibergeil", außerdem galt er fälschlicherweise als Nahrungskonkurrent. "Der Biber ist Vegetarier, er frisst keine Fische", betonte Kornbrust deshalb besonders. Das faszinierende Tier war fast ausgerottet, dabei gilt er als "genialer Baumeister", wo er sich niederlässt steigen Artenvielfalt und die Anzahl der Fische.

Die monogam und im Familienverband lebenden Tiere haben im Frühjahr ein bis drei Junge, die zwei Jahre lang im elterlichen Bau bleiben. Dann sucht sich der Nachwuchs ein neues Revier, wobei zunächst die besten Standorte besetzt werden, später die weniger guten. Eine ausgeräumte Uferzone mit einigen großen Pappeln ist uninteressant. Sind alle Reviere besetzt und können nur durch Kämpfe neu vergeben werden, stagniert die Population.

"Wir stehen aber erst am Anfang der Verbreitung", berichtete Kornbrust. Im Jahr 2000 wurde die Besiedlung erster Gewässer im Landkreis beobachtet, 2012 wurden 26 Reviere gezählt, 2013 schon 38 Reviere (in ganz Bayern geschätzte 4500 Reviere mit 16.000 Tieren). Ausgehend vom Grabfeld wandern die Reviere Richtung Rhön. Da der Biber streng geschützt ist (Zugriffsverbot, Besitzverbot, Vermarktungsverbot) ist sein einziger Feind der Straßenverkehr.

Fleißiger BaumeisterErdbauten, Mittelbauten, Biberburgen und Dämme errichten die fleißigen Nager, rund 15 Prozent seiner Arbeitszeit muss Michael Krämer inzwischen den Bibern widmen, denn beim Bau ihres eigenen "Schwimmbades" überschwemmen sie Wiesen, erhöhen den Wasserstand, sodass Drainagen nicht mehr ablaufen, fressen Mais und halten sogar Schönungsteiche für ein annehmbares Domizil, letzteres geschah in der Gemeinde Sulzdorf an der Lederhecke. Nur, wenn es gefährlich wird, darf die untere Naturschutzbehörde den "Zugriff" anordnen, berichtete Krämer. Er machte klar, dass staatliche Entschädigungen zu den freiwilligen Leistungen gehören, denn normalerweise gibt es kein Geld, wenn Schäden durch Tiere entstehen, die unter strengem Naturschutz stehen. Er rät, bei der Bodenbearbeitung 15 bis 20 Meter Abstand von den Gewässern zu halten. 450.000 Euro sind im "Topf" für Entschädigungen, werden viele Fälle gemeldet, können sich die gezahlten Beträge vermindern. Erlaubt sind Schutzmaßnahmen für Bäume oder ein Elektrozaun am Maisfeld. "Sind Biber wichtiger als meine Kühe?", fragte ein Landwirt, der auf versumpfte Wiesen hinwies und seine Pflicht als Pächter, die Wiese ordnungsgemäß zu pflegen. Darauf müsse der Verpächter Rücksicht nehmen, teilte Krämer mit.

Vor einem Jahr wurde der Biberlehrpfad mit Startpunkt am Radweg Bad Königshofen - Bad Neustadt angelegt, Hubert Kornbrust zeigte einen "Biberrucksack" mit Unterrichtsmaterialien und Präparaten, der von Schulen und Kindergärten samt Originalpräparat eines fast ausgewachsenen Bibers ausgeliehen werden können.

Egon Hüllmandel aus Saal an der Saale, ehrenamtlicher Biberbetreuer, berichtete von unzähligen Kilometern, die er zurücklegt, um die Verbreitung der großen Nager zu dokumentieren. Wo sind nur Fraßspuren und wo sind Burgen, Röhren oder Bauten?

Seltene Käfer und rund 80 Prozent mehr Fische hat er dort beobachtet, wo Biber wohnen. Er bietet auch Führungen an und bedankte sich bei allen, die Ufer und Gewässer sauber halten. Probleme gab es unter anderem mit Flaschen im Wasser und zurückgebliebenen Heunetzen im Uferbereich.