"Wie wollen wir morgen leben?" - Dieser Frage wird mit den neuen großformatigen Fotos und Grafiken in der Umweltbildungsstätte Oberelsbach nach gegangen werden. Das Themengebiet "Siedlung und Soziales" im Bildungsprogramm der Umweltbildungsstätte sei ein Bereich, der sonst in kaum einer Bildungseinrichtung vorkomme und damit ein besonderes Merkmal des Hauses, führte der Geschäftsführer Bernd Fischer in das Thema ein. Es sei ein Thema, das in einem Biosphärenreservat aufgezeigt werden müsse, denn es gehe, um die Wechselwirkung des Menschen in seiner Kulturlandschaft. "Es ist unsere Stärke, dass wir mitten in einem Rhöndorf liegen, in dem alle Entwicklungen der Vergangenheit, der Gegenwart und die ersten Anzeichen der Zukunft erkennbar sind."

Konzipiert wurde die Wandgestaltung von Architektin Barbara Ramann, der es darum ging, den Dreiklang Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auch durch die Größe der Bilder zum Ausdruck zu bringen. "Die Größe soll darauf hinweisen, wie viele Ressourcen wir heute im Vergleich zu früher verbrauchen. Und wie wird es in Zukunft sein?" Die Ausstellung mit den vielen Fragen soll aber auch aufzeigen, dass der Mensch der Entwicklung nicht hilflos ausgeliefert sei, sondern selbst entscheiden und handeln könne. "Wir haben es auch heute noch in der Hand", so Ramann.

Der Mensch steht im Mittelpunkt
Begeistert zeigte sich Landrat Thomas Habermann von den Darstellungen. "In einem Biosphärenreservat steht der Mensch im Mittelpunkt und nicht Wolf oder Bär, diesen Grundsatz dürfen wir nicht vergessen." Die wichtigste Frage weltweit: Wie entwickelt sich der Mensch - ohne den Planeten zu zerstören. Die Ausstellung zeige, wie der Mensch sich in den letzten Jahrzehnten bis heute verändert habe. Da ist ein Bild von Bad Neustadt, zu erkennen die Stadtpfarrkirche und das Hohntor, eingebettet in eine grüne Idylle - dagegen das Bild von Bad Neustadt heute.

Die Ausstellung stellt Fragen wie "Flächenverbrauch durch Industrie und Wohnsiedlungen - wo geht es hin?", "Wird die Stadt in die Breite oder die Höhe wachsen?" Zwei Bilder mit je zwei Mädchen greifen den Aspekt der Kommunikation auf. Der Bedarf sich mitzuteilen ist ein Urbedürfnis der Menschen, aber auf welche Weise es geschehe, das sei dem Wandel der Zeit unterworfen. Das erste Bild zeigt zwei junge Frauen in traditioneller Tracht am Brunnen. Das zweite Bild zeigt zwei junge Frauen mit elektronischen Medien, moderner Kleidung und fast schon städtischem Umfeld. "Körperliche Arbeit nimmt ab, Bildung nimmt zu - auch auf dem Land", so der Landrat, der von einer Akademisierung der Dörfer sprach. Und wie werde es in Zukunft sein? In Anbetracht des Themas Kommunikation werden Fragen nach Kommunikationsmitteln aufgeworfen, nach Ruhebedürfnis und Lebenstempo.

Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus?
Eine weitere Bilderserie befasst sich mit Kindheit. Ein Junge, in einer alten Jacke, vielleicht vom großen Bruder geerbt, steht etwas verschüchtert im Scheuneneingang. Neben ihm eine Junge mit Skateboard, Kopfhörern und legerer Kleidung. Wie wird ein Junge morgen spielen? Wie sieht die Familie der Zukunft aus? Ganztagsbetreuung von klein auf? Diese und viele weitere Fragen stellen sich in diesem Kontext: Wie wird in Zukunft gearbeitet? Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Wird der Konsum immer weiter zunehmen? Werden uns morgen Roboter pflegen? Wie sehen die Arbeitsplätze der Zukunft aus?

Ein Bild zeigt eine Frau mit dem Kind am Rockzipfel bei der Heuernte, ein anderes Sandra Maisch an ihrem Arbeitsplatz mit PC, Telefon, Handy und Laptop. Effizienzsteigerung, Sekundenschnelle globale Informations- und Kommunikationsprozesse - wie geht es weiter?

Bewusste Weiterentwicklung
Landrat Habermann stellt klar heraus, dass heute niemand mehr mit der Sense auf der Rhön zur Mahd gehen müsse, dass es nicht um ein Zurück gehe, sondern eine bewusste Weiterentwicklung. "Früher, das war auch kein Ideal. Heute müssen wir uns Gedanken machen, wie wir leben und arbeiten wollen, wie wir mit der Natur umgehen, wie wir kommunizieren und mobil sind. Alle diese Fragen sind im Biosphärenreservat sehr gut aufgehoben, da gehören sie auch hin." Weiter geführt wird die Themenreihe an der bereits bestehenden "Grünen Wand", die sich mit Ernährung, Mobilität und Energie befasst. "Wir auf dem Land haben bessere Chancen zukunftsorientiert zu leben, und fällt es leichter regionale Produkte zu kaufen und unser Verhalten anzupassen." Bürgermeisterin Birgit Erb freute sich über die neue Attraktion in der Umweltbildungsstätte, die der Einrichtung einen weiteres markantes und interessantes Bildungsmodul biete.

Ein Dank ging an die Rhöner Modells, die für die Fotoserie "heute" gewonnen werden konnten. Es stellten sich Michael Schnepf aus Oberelsbach, Sandra Maisch aus Sandberg, Victoria Balling aus Willmars sowie Barbara Hanel, Fritz Ramann und Maximilian Vey aus Fladungen zur Verfügung.