BAD NEUSTADT. Das Technologietransferzentrum Elektromobilität in der Kreisstadt ist eine Erfolgsgeschichte. Darüber sind sich die Verantwortlichen in Bad Neustadt, in Rhön-Grabfeld und auch in München einig. Knapp fünf Jahre nach der Gründung des TTZ beschäftigt die Wissenschaftseinrichtung knapp 40 Mitarbeiter. In diesem Jahr läuft jedoch die Förderung durch das Wirtschaftsministerium aus. Doch ganz ohne Förderung geht es in Zukunft auch nicht.

Beim Besuch von Bildungs-Staatssekretär Georg Eisenreich (CSU) wurde genau dieses Thema erneut besprochen, denn die Zeit eilt. Im Laufe des Jahres soll entschieden werden, welche Förderungen die vor allem im ländlichen Raum gegründeten Technologietransferzentren in Bayern künftig erhalten sollen. Von 200.000 Euro jährlich wird derzeit ausgegangen. Zu wenig für das TTZ-EMO in Bad Neustadt.
Bei einem Jahresumsatz von 2 Millionen Euro fordert Bad Neustadt rund ein Drittel Förderung durch den Freistaat. Macht rund 700.000 Euro im Jahr. Doch dafür muss die Modellstadt Elektromobilität noch fleißig die Werbetrommel rühren. Die Verantwortlichen berufen sich aber auf die außerordentlich erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre am Zukunftsthema Elektromobilität. "Die Elektromobilität ist ja ein ganz großes bundespolitisches Thema", sagte Staatssekretär Georg Eisenreich bei einem Besuch in der Jakob-Preh-Berufsschule und im Technologietransferzentrum. "Das Kernanliegen dieses TTZ ist besonders wichtig", so der Landtagsabgeordnete. Berufsschulleiter Kurt Haßfurter, Projektmanager Dr. Jörg Geier und TTZ-Leiter Professor Ansgar Ackva hatten Eisenreich wie auch die Landtagsabgeordneten Sandro Kirchner und Steffen Vogel durch die Bildungs- wie Wissenschaftseinrichtungen geführt. Eisenreich kündigte vor der Vergabe von weiteren Fördermitteln eine Evaluation aller TTZ in Bayern an. "Diese Bewertung wird hier positiv ausfallen, da muss man kein Hellseher sein", so der Staatssekretär. Trotzdem hätte Ansgar Ackva lieber heute als morgen eine konkrete Zusage über die Fördermittel. Hintergrund: Das Technologietransferzentrum Elektromobilität hat vor viereinhalb Jahren seine Arbeit aufgenommen. Mit der Schaffung solcher Technologietransferzentren sollten Wissenschaftseinrichtungen im ländlichen Raum entstehen. Der Förderzeitraum wurde auf fünf Jahre veranschlagt, danach sollten sich die TTZ selbst tragen. Jetzt geht die Förderdauer zu Ende, doch im Kultus- wie im Wirtschaftsministerium herrscht breiter Konsens, dass es ganz ohne staatliche Hilfe in Zukunft kaum weitergehen kann. Deshalb will der Freistaat je TTZ auch in den kommenden Jahren einen Zuschuss von jeweils 200.000 Euro zur Verfügung stellen. Bei anderen TTZ würde das vielleicht reichen, in Bad Neustadt reicht es aber nicht. Verlangt aber ein TTZ mehr Geld aus München, wollen alle anderen auch mehr haben. Und das soll vermieden werden. Wo aber nun die fehlende rund eine halbe Million Euro hernehmen. Zumal die Stadt und weitere Kommunen, der Landkreis die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt und vor allem auch die Industrie schon fleißig in das Bad Neustädter TTZ investieren. "Gerade diese Vernetzung ist eines unserer großen Anliegen", bestätigt Georg Eisenreich.
Gründe für eine höherer Förderung gibt es gerade in Bad Neustadt dennoch genug. Das TTZ-EMO gilt in München als Musterbeispiel einer neu ins Leben gerufenen Bildungs- und Wissenschaftseinrichtung.
MdL Steffen Vogel fordert dringlich eine höhere Förderung - aus welchem Topf auch immer - für das TTZ. Gerade weil es mit der Elektromobilität um ein Zukunftsthema geht. "Es wäre geradezu grotesk, hier die Technologieentwicklung lahm zu legen", sagte Vogel. So weit wird es zwar nicht kommen, auch mit der Minimalförderung ginge es im TTZ-EMO weiter. Aber halt nicht wie im bisherigen erfolgreichen Umfang. Und Ansgar Ackva hätte gerne Planungssicherheit. "Wenn ich meinen Mitarbeitern gegen Ende des Jahres nicht sagen kann, ob sie 2017 hier weiter arbeiten können, dann gehen die weg!" Was der TTZ-Leiter natürlich tunlichst vermeiden will. Georg Eisenreich zeigte sich zuversichtlich, in den kommenden Monaten eine Lösung für das Finanzproblem des TTZ zu finden. Er forderte jedoch alle Beteiligten, vor allem auch die FH Würzburg-Schweinfurt und die Industrie auf, ihr Möglichstes zu tun, um das TTZ-EMO finanziell weiter am Laufen zu halten. Wie von Seiten des Freistaates eine höhere Förderung möglich gemacht werden sollte, das will Eisenreich bei Gesprächen mit dem Wirtschaftsministerium erläutern. Steffen Vogel schlug zudem ein Treffen aller Landtagsabgeordneten vor, in deren Zuständigkeit ein TTZ zu finden ist. Um eine gemeinsame Lösung für die erfolgreich arbeitenden Technologietransferzentren zu erarbeiten.