VON CORINNA BRAUER

Cornelia von Aufseß lebt seit 25 Jahren auf dem idyllischen Landschloss Oberaufseß im Landkreis Bayreuth. Die Freifrau sagt, dies sei für sie ein großes Glück und Geschenk: Ruhe und Zeit zum Nachdenken findet sie im Schlossgarten.
"Menschen, die einen Garten haben, sind rundum gesünder als die, die keinen haben", ist Cornelia von Aufseß überzeugt. Schon lange ist sie vom Gartenvirus befallen und sieht Gärtnern als kreatives Vergnügen. Gerade überlegt sie, wie sie anderen Menschen den Schlossgarten als Ort des Austauschs und gemeinsamen Gestaltens nahebringen kann. "Gartengespräche" sollen diese Veranstaltungen heißen. Wann sie starten, steht noch nicht fest.


Ausflug in eine andere Zeit

Aber auch so öffnet die Freifrau ihr Haus immer wieder für Besucher: beim Fränkischen Theatersommer beispielsweise. Oder wenn sich Gruppen anmelden wie kürzlich eine fast 60-köpfige Truppe, die bei einer "Gscheitgut-Autorenwanderung" unterwegs war. Diese Touren in der Fränkischen Schweiz führen immer in einen Gasthof, um regionale Spezialitäten zu genießen und durch eine Landschaft, die die Franken kennen und doch immer wieder neu kennenlernen. Stets mit dabei: regional bekannte Autoren. Bei der Wanderung rund um Aufseß führte die Historikerin und Romanautorin Katharina Down die Wanderer auf eine Zeitreise ins spätmittelalterliche Franken in die Welt des zehnjährigen Bauernsohns Ludwig, der als Knappe auf die Burg Rothenberg kam.
Idealer Ausgangspunkt für eine solche Zeitreise ist das Privatschloss Oberaufseß. Durch das jahrhundertealte Tor geht es in einen beschaulichen Innenhof. Ein Turm, Stallungen und eine Außenküche gehören zur Anlage. Im Torhaus kann man in einer gemütlichen Ferienwohnung residieren - weiter Blick über das idyllisch grüne Aufseßtal inklusive. Grün ist es rund ums Haus auch dank der beiden romantischen Schlossgärten, durch die Baronin von Aufseß angemeldete Gruppen gern führt.


Schlossbau als Folge von Bruderstreit und Religionszwist

Dabei erzählt sie von ihren Vorfahren, die das 1690 erbaute Schloss prägten. Es gehört zu den jüngsten Bauten der etwa 170 Bur gen in der Fränkischen Schweiz - und wurde in Folge eines Bruderstreits errichtet. Bis dahin hatte die Familie ihren Stammsitz in Schloss Unteraufseß, und das bereits seit dem 12. Jahrhundert. Doch weil die Brüder Friedrich und Karl Heinrich über die "richtige" Religion stritten, beschloss Karl Heinrich den Bau einer neuen Heimstatt. Zwei Jahre nach Baubeginn wurde die Burg attackiert, dank ihren starken Befestigungsmauern gelang es den Bamberger Truppen jedoch nicht, sie einzunehmen. Und so blickte Baron Karl Heinrich von dem "oben" gelegenen Schloss geringschätzig auf das etwas weiter "unten" liegende Stammschloss der Familie - die Namen Ober- und Unteraufseß waren geboren.


Die Baronin und ihr Bauerngarten

Das idyllische Landschloss Oberaufseß wird noch heute von der Adelsfamilie bewohnt. Hinter hohen Mauern verbirgt sich der gepflegte Obst- und Gemüsegarten. Die Großmutter der heutigen Baronin war eine leidenschaftliche Gärtnerin und verbrachte die meiste Zeit des Tages in ihrem Bauerngarten. Sie schuf ein blühendes Paradies aus bunten Stauden, grünen Gemüsebeeten und himbeerroten Hecken.
Heute verbinden sich alte Apfelbäume mit gestutzten Buchsbäumen zu einem Heckenlabyrinth. In Hochbeeten gedeihen Küchenkräuter. Bienen summen. Auch Baronin Cornelia von Aufseß verbringt viele Stunden des Tages hier.


Einst ein riesiger Park

Südlich des Hauptgebäudes lockt ein verwunschener Schlossgarten, der einst als riesiger Park angelegt war. Wer den Garten betritt, ist wie verzaubert von der Ruhe und dem intensiven Grün der alten Bäume. Hier verfliegt jede Hast. Die Natur erobert sich Stück für Stück der einstigen Parkanlage zurück, gerade das macht den Reiz dieses grünen Refugiums aus.
Baronin Cornelia von Aufseß hat den Garten pflegeleicht angelegt mit schmalen Kieswegen, vielen Wiesen und Schatten spendenden Bäumen. Ein Schmuckstück ihrer Terrasse ist eine Bank aus Ziegelsteinen - auch ein Platz, an dem man gut nachdenken kann. Während die Gscheitgut-Wanderer bereits über die beeindruckende Lindenallee zum Schloss Unteraufseß spaziert sind, plant Cornelia von Aufseß weiter ihre "Gartengespräche".


Hintergrund: Mehr über Natur und Kultur in der Fränkischen Schweiz

Schloss Das idyllische Landschloss Oberaufseß lässt sich meist nur von außen besichtigen, wer sich für den Garten und Innenhof interessiert, der sollte sich bei Cornelia Freifrau von und zu Aufseß anmelden (Tel. 09198-1555, Email: ferienwohnung@schloss-oberaufsess.de).

Gartengespräche Die Freifrau wünscht sich ihren Garten als Ort des Austausches, des Zusammenfindens und gemeinsamen Gestaltens. Die Idee ist, dass Gartenfreunde unter fachkundiger Anleitung mithelfen, den Schlossgarten gemeinsam erblühen zu lassen. Dabei soll es immer auch um ein aktuelles Thema gehen, es gibt Kaffee und Kuchen und eine Führung. Wer sich per Mail an gscheitgut@michael-mueller-verlag.de vormerken lässt, wird regelmäßig über den aktuellen Stand des Projektes informiert.

Theatersommer Am Sonntag, 30. Juli, findet beim Fränkischen Theatersommer um 16 Uhr im Schloss die Aufführung "Das kosmologische Gleichgewicht" statt (Tickets unterwww.theatersommer.de).

Gscheitgut Viermal im Jahr finden diese besonderen Wanderungen statt, die nächsten Termine sind: Samstag, 7. Oktober, mit Kulturreferent Toni Eckert und Autorin Sabine Weigand; Sonntag, 12. November, mit Kabarettist Bernd Regenauer. Anmeldung ab September auf www.vhs-forchheim.de.