Am Ortsrand versucht Familie Bäuerlein, sich ein zweites Standbein für ihren Lebensunterhalt zu schaffen. Auf etwa 1,4 Hektar Land haben die Bäuerleins einen Streuobstgarten angelegt. Die Familie möchte die Früchte verkaufen, die später an den Bäumen wachsen werden. Neben der Landwirtschaft möchten die Bäuerleins weitere Erträge aus der Natur schöpfen.

Doch bis es so weit ist, dauert es noch eine Weile. Bis zu zehn Jahre kann es bei den sogenannten alten Sorten dauern, bis man die Früchte ernten kann, sagt Michael Stromer. Der Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege unterstützt den Anbau des Gartens. Schon der Vater von Antonie Bäuerlein habe früher Schnittkurse gehalten und Bäume gepflanzt, erzählt sie. Ihre kleine Obstwiese am Wald trage aber seit Jahren keine Früchte mehr. Deshalb kam ihr die Idee, eine neue anzulegen. Sie wandte sich deshalb an Michael Stromer.


Bis zur Ernte kann es dauern

40 Bäume hat Familie Bäuerlein angepflanzt, jeder davon trägt eine andere Obstsorte: Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Quitten, Pfirsiche oder Mirabellen - es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Die Bäuerleins wollten aber nicht so lange mit der Ernte warten. Deshalb haben sie nebenan gleich 40 weitere Obstbäume gepflanzt. Diese sind sogenannte neue, schwachwüchsige Sorten, die wohl bereits im nächsten Jahr Früchte tragen können. "Die sind dafür aber nicht so langlebig", erklärt Stromer. Wann letztlich geerntet werden kann, hänge von verschiedenen Faktoren ab: von der Menge des Sonnenlichts, das die Pflanzen bekommen, von den Windverhältnissen, welche Insekten zum Bestäuben vorhanden sind und von der Beschaffenheit des Bodens, erklärt Stromer.

Der Boden war einst Ackerland, bevor die Bäuerleins im Herbst 2014 zunächst die alten Obstsorten anpflanzten. "Es ist schon eine Seltenheit, dass ein Acker zu einer Obstwiese umgewandelt wird", betont Stromer. Dabei mussten auch die Kinder mit anpacken, erzählt Bäuerlein. Vorher habe die Landwirtin sie allerdings um Erlaubnis gefragt. Denn der Nachwuchs wird sich später mal um die Anlage kümmern müssen - die Lebensdauer der neuen Sorten beträgt rund 25 Jahre.


Der Garten hilft auch anderen

Michael Stromer sagt, dass er bei diesen Sorten ein bisschen ausprobieren wollte. Mandeln, Esskastanien und sogar Wein wurden angepflanzt. Er möchte im Garten der Bäuerleins später Kurse halten und den Besuchern möglichst viel zeigen. Deshalb habe er die verschiedenen Sorten angepflanzt.

Auf rund zehn bis 15 Stunden in der Woche schätzt Bäuerlein den Arbeitsaufwand für diesen Streuobstgarten. Gerade um die jungen Bäume müsse man sich generell viel kümmern. Das zahle sich aber später aus, weiß Michael Stromer. "In der Jugend muss ich die Bäume gut erziehen, sonst gibt es im Alter Probleme", sagt er.

In den ersten zehn Jahren müsse der Gärtner dem Baum dabei helfen, das Grundgerüst herauszubilden. Dabei helfen etwa Abspreizhölzer, Leitäste und ein Pflock am Stamm, damit der Wind den Baum nicht beschädigt. Am wichtigsten ist aber der richtige Schnitt. Oft würden sich die Gärtner gar nicht trauen, so viel abzuschneiden, sagt Stromer. Die meisten würden auch die Baumkrone immer oben abschneiden. Dadurch wachse diese immer stärker nach und man habe immer wieder viel Arbeit damit. Deshalb sollten Gärtner bereits bei jungen Bäumen möglichst alles richtig machen. Das erspare später viel Aufwand.


So pflegt man Bäume richtig

"Man kann einem Baum in den ersten Jahren viel Gutes tun - oder ihn viel vernachlässigen", meint Stromer. Einfach den Baum einpflanzen und dann auf die Ernte warten funktioniere nicht: "Das ist alles mit Pflege verbunden, um zu einen schönen Ertrag zu kommen." Das fängt schon beim Pflanzen an.

Zunächst gebe es dabei oft ein Platzproblem, meint Stromer. Wenn der Baum zu groß wird, würden viele ihn zu stark beschneiden. Deshalb solle man gleich die richtige Wuchsgröße wählen. Er empfiehlt, den Baum in einen lockeren Boden zu pflanzen, aber nicht zu tief. Bei den jungen Bäumen solle man in trockenen Jahren gießen. Düngen könne dem Baum ebenfalls helfen.

Die Pflanzscheiben sollten immer frei bleiben. Damit bekomme der Baum keine Konkurrenz im Boden, erklärt Stromer. Sonst könnte etwa das Gras den Wurzeln die Nährstoffe wegnehmen. "Manche Krankheiten kann man nicht verhindern", sagt Stromer. Höchstens mit Chemie abwenden. "Aber das wollen wir nicht", fügt er an. Bei Familie Bäuerlein soll alles Bio bleiben.