Bei Steinobst ist eine frühe Entnahme der Reiser von etwa Mitte Dezember bis Dreikönig ideal. Kernobst dagegen ist nicht so anspruchsvoll. Der Reiserschnitt kann hier auch noch bis Ende Januar erfolgen. Aber auch da zeigt die Praxis, dass sich eine frühe Entnahme lohnt. Schon ab Februar beginnt nämlich der Saft in die Bäume zu steigen, auch wenn dies viele Leute nicht wahrhaben wollen. Wenn die Reiser später geschnitten werden, sind sie auch früher zu verwenden, da sie durch den schon eingetretenen Saft bei der Lagerung schnell braun und damit unbrauchbar werden.

Der Reiserschnitt sollte allerdings immer an frostfreien Tagen oder bei sehr geringen Minusgraden erfolgen. Es werden einjährige, circa 30 Zentimeter lange und bleistiftstarke Triebe mit gut ausgebildeten kräftigen und spitzen Holzaugen genommen, die aus einer gut belichteten Teil der Krone stammen. Es dürfen grundsätzlich keine runden Blütenknospen am Edelreis sein. Kurze und schwache Triebe von älteren Bäumen tragen zur Verkürzung der Lebensdauer des neu veredelten Baumes bei. Kräftige Reiser überstehen die Lagerung auch besser als Dünne.


Jutesack hält Edelreiser frisch

Diese sind zu bündeln und nach Sorten zu etikettieren. Die Edelreiser müssen so gelagert werden, dass sie bis zum Mai frisch bleiben und nicht austrocknen. Viele schwören darauf, die Reiser in einen Jutesack einzuwickeln und an einer Haus- oder Garagenwand an der Nordseite frostfrei und flach einzugraben. Mit einem Drahtgeflecht kann man Wühlmäuse abwehren. Eine Sand- oder Moosüberdeckung ist dabei vorteilhaft.

Andere Hobbygärtner lagern Edelreiser in einem kühlen, aber nicht zu feuchten Felsenkeller, eingewickelt in Zeitungspapier oder in einer Kiste mit Sand. Dabei ist darauf zu achten, dass die Reiser waagerecht liegen. Durch Baumwachs kann die Schnittstelle vor zusätzlicher Austrocknung geschützt werden. Auch ein Kühlschrank ist für die Lagerung von Edelreisern in kleinen Mengen möglich. Moos und das Einwickeln in eine Plastiktüte halten die Reiser feucht.

Um das Veredeln zu erlernen, werden von den Gartenbauvereinen spezielle Kurse angeboten. Was früher fast alle Landwirte konnten, ist im Grunde sehr leicht zu erlernen. Das Pfropfen hinter die Rinde bei größeren Bäumen, das so genannte "Pelzen", kann erst erfolgen, wenn Saft in den Bäumen ist und die Rinde gelöst werden kann, Dies ist etwa Anfang Mai der Fall. Holzveredelungen, wie das Kopulieren und Geißfußpfropfen kann man dagegen schon im März tätigen. Bei der Kopulation wird ein circa bleistiftstarker Trieb (Reis) auf einer ebenso starken bewurzelten Unterlage zusammengeführt.