Lena weiß Bescheid. Ihr Opa war Bauer und hat ihr öfter von früher erzählt. Die anderen dagegen kannten bis jetzt nur Gerste, Hafer oder Weizen. Von Emmer hatten sie noch nie gehört, und dass es Getreide mit dem seltsamen Namen Quinoa Cochabamba geben soll, hätten all die Gymnasiasten nicht gedacht. Für die Schüler am Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern wird sich das aber wahrscheinlich bald ändern, sofern die erste Ernte gut ausfällt.


Das Getreide sprießt

Die komischen Namen, zu denen auch Amaranth oder Dreschflegel gehören, stehen auf Schildern neben einem Kornfeld. Das ist nicht so groß, wie ein Acker in der freien Natur, sondern eher so groß wie ein Klassenzimmer. Aber auf dem Feld wachsen lauter alte Getreidesorten, die heute kaum mehr einer kennt. Acht Getreidearten haben Mädchen und Buben in Ebern vor fünf Wochen im Schulgarten ausgesät. Inzwischen sind aus den verschieden farbigen Körnern Pflänzchen gewachsen, die schon mehr als Handbreit aus der Erde ragen.

Und wenn es so weiterregnet, wie in den letzten Tagen, dann wird das eine prima Ernte, freut sich Martin Wolf. Der Lehrer gibt die Fächer Biologie und Chemie. Was ihm aber besonders Spaß macht: Er leitet seit fünf Jahren die Projektseminare in der elften Klassen in Biologie und die Schüler-AG an, die den Schulgarten betreuen. "Ein Lern- und Erholungsgarten, der super angenommen wird", sagt der Lehrer. Neuestes Projekt ist das Feld mit den alten Lebensmittelgetreidearten.


Der zweitschönste Schulgarten in Bayern

Auf den Schildern, die von der Unesco-AG der Umweltschule aufgestellt wurden, erfahren die Schüler, wo die Sorten herkommen, wie sie angebaut wurden, welchen Nährwert sie haben und was man früher damit machte. Wie all die Körner schmecken, darauf ist Lehrer Wolf genauso gespannt wie seine Schüler. Jedenfalls findet man solch einen kleinen Getreideacker weit und breit nur in Ebern.

Der Garten des Friedrich-Rückert-Gymnasiums ist aber auch so schon genial ausgestattet. So genial, dass ihn eine Fachjury im letzten Jahr zum zweitschönsten Schulgarten in ganz Bayern gewählt hat. Und das obwohl 150 andere Schulen an dem Wettbewerb teilnahmen! Dafür gab's einen Geldpreis und eine Urkunde. Alles haben die Schüler und ihr Lehrer selbst gemacht, von der Planung über die Durchführung bis zum Gartenbetrieb. Darauf sind alle mächtig stolz.


Ein Schulparadies

Der Garten ist ein echtes Schulparadies. Wer dorthin kommt, staunt zuerst über den riesigen Teich mit Wasserfall. Wer möchte, kann sich auf dem Barfußpfad die Füße kitzeln, pieksen und kühlen lassen oder an der Kletterwand herumkraxeln, um sich nach dem Unterricht ein bisschen abzureagieren. Zum Ausruhen laden die Liegeweise, überdachte Sitzplätze und eine Chillecke mit Sitzsäcken ein. "Ich finde unseren großen Schulteich am schönsten" sagt die elfjährige Hannah, "weil man im Sommer vom Holzpodest seine Füße ins Wasser halten und die Fische beobachten kann."

Wer aufpasst, sieht aber auch gleich, dass im Garten fleißig gearbeitet wird: in den Hochbeeten, wo verschiedene Minzesorten sprießen, oder beim Obstanbau für die gesunde Pause. Lara (16) freut sich schon auf den Herbst, "wenn man in der Nachmittagspause nach dem Sport entspannt durch den Garten schlendern und sich einen Apfel vom Baum pflücken kann". Zugreifen und Reinbeißen ist ausdrücklich erlaubt. Im Gewächshaus lässt man aber lieber die Finger weg, denn dort streckt eine riesige Kakteensammlung ihre Stacheln aus.


Arbeit im Team

Nele (13) arbeitet gern in der Schulgarten-AG mit, "weil man sich selber Projekte aussuchen und im Team etwas bauen kann". Sie grinst und zeigt auf die neue Vogelscheuche.

Fabian und Svenja (beide 14) finden den Garten einen "coolen Kontrast zum stickigen Betongebäude". Und außerdem kann man dort super Feste feiern.

Schon heute freuen sich alle darauf, wenn im Sommer im eigenen Steinbackofen das erste Brot aus Emmer und den anderen alten Getreidesorten gebacken wird. Und wer weiß: Vielleicht gibt's ja auch bald wieder einen Preis zu feiern.