Naturentfremdung entsteht schleichend. Früher sind die Kinder mit Tieren, Matsch und einem Bach aufgewachsen. Sie erlebten die Natur mit allen Sinnen. Heute sitzen sie größtenteils in den Stuben. Der Aktionsradius der Kinder soll um fast 90% in den letzten Jahren zurückgegangen sein. Eine Beziehung zur Umwelt kann so kaum aufgebaut werden. Was jetzt bei den Kindern versäumt wird, ist später nur noch schwer gut zu machen. Eine Untersuchung hat ergeben, dass Grundschüler heute durchschnittlich nur noch zwei Wildblumen kennen.

Viele Gärten mit Thujahecken, Steinwüsten im Vorgarten und kurz geschorenem Rasen sind für Kinder nicht mehr spannend, ja völlig uninteressant. Sie brauchen lebendiges Grün mit bunten Blumen, Duftkräuter für die Nase und Naschobst. Nur ein lebendiger Garten mit Vögeln, Insekten, Bienen, Schmetterlingen, Igeln und Co ruft Naturverständnis hervor. Der Garten sollte zudem "Erlebnisraum" und "Lebensraum" für Groß und Klein sein. Viele kennen auch das "Geschmackserlebnis" der Kräuter und vom frischen Obst oder Gemüse nicht mehr. Wir brauchen bunte Gärten so wie Menschen, die das Interesse der Kinder wecken können. Hier wird der Grundstock für das Leben gelegt. Mit einer naturgemäßen Gestaltung kann sich jeder Gartenbesitzer in vieler Hinsicht positiv einbringen.

Den Garten als "Erlebnisraum" erhalten

Das Schneiden an Bäumen und Sträuchern in den Gärten hat in den letzten Jahren Ausmaße angenommen, die für einen gelernten Landschaftsgärtner kaum noch zu begreifen sind. Man fragt sich, wie konnte es nur passieren, dass in relativ kurzer Zeit das Gefühl für eine richtige Behandlung der Gehölze weitgehend verloren gegangen ist.

Es sind manchmal auch Pflegefirmen und Kommunen, die kein gutes Beispiel geben. Da werden oft Bäume einfach geköpft und Sträucher rund geschnitten, bis hin zu viereckig. Das kann eigentlich jeder. Dazu braucht man dann keine spezielle Ausbildung. Alle Gehölzarten haben aber einen eigenen Charakter und müssen deshalb verschieden behandelt werden. Auch die richtige Jahreszeit ist beim Schneiden von großer Bedeutung.

Laub ist die beste Speisekammer für Vögel wie Rotkehlchen. Kein Futterhaus kann das ersetzen. In einem Quadratmeter Laubstreu gibt es unter anderem 70 000 Springschwänze, 4 000 Insekten und 200 Regenwürmer. Mit den kleinen Pupillen sehen Singvögel ihre Beute 3,5 Mal vergrößert. Das Laub gegen Baumrinde auszuwechseln ist ökologisch und ökonomisch gesehen kein guter Tausch. Viele Pflanzen vertragen zudem kein gekauftes Substrat. Eine Laubschicht hält nicht nur die Christrose und den Boden schön warm, auch Zwiebelblumen und Knollengewächse, die im Frühling leuchten werden, werden so im Winter geschützt. Freuen über das Laub tun sich auch die vielen Laubzersetzer, die hier genügend Nahrung finden. Viel Arbeit und Geld wird mit dieser naturgemäßen Gartenpflege eingespart.