Es ist nicht richtig, den Tod immer mehr aus dem Leben auszuklammern. Früher war der Gedanke an das Sterben, allgegenwärtig. Davon zeugen Gedichte und Texte in Volksliedern, bei denen der Tod sehr oft erwähnt wird. Die jetzige Jahreszeit mit dem Fallen der Blätter von den Bäumen und dem Einziehen der Kräuter ist besonders dazu angetan, über das Wachsen und Vergehen nachzudenken. Dieser Vorgang, wie auch das Sterben der Menschen, sollte wieder mehr als natürlich angesehen werden.

Die verschiedenen Religionsgemeinschaften gehen jeweils anders mit dem Tod um. Bei den Christen steht der Glaube an die Auferstehung der Toten im Vordergrund. Deswegen ist christliches Gedankengut, auch den Menschen durch eine Bodenbestattung in den Kreislauf der Natur einzubinden. Die Grabsteine sollen an die Auferstehung erinnern. Sie sind mit besonderer Sorgfalt auszusuchen und mit einer persönlichen Note auszustatten. Am besten sind einfache Grabsteine mit klaren geometrische Formen, die zeitlos sind und Würde ausstrahlen. Es sollte aber nicht der Eindruck einer Gleichförmigkeit entstehen. Ein maßvoller Wechsel in der Steingröße und Form ist angebracht.

Der Friedhof ist auch ein Garten: ein Ort, der ein Bewusstsein für die eigene Sterblichkeit gibt. Ein Ort, an dem wir lesen können, wie lang ein Leben war. Beim Gang über den Friedhof werden zudem Geschichten aus dem Leben der Familien und Nachbarschaft sichtbar. Die Toten bleiben somit ein Teil unseres Lebens. Der Umgang mit den Verstorbenen ist auch immer ein Zeichen der gegenwärtigen Denkweisen. Leider wird der Tod in einer mobilen Gesellschaft ständig verdrängt und nicht mehr ernsthaft wahrgenommen. Auch das Bestattungswesen ist in einem Umbruch. So soll es in Berlin nur noch 35% kirchliche Bestattung geben. Als traurig kann man die zunehmend anonymen Beisetzungen bezeichnen. Dadurch gibt es für Freunde und Bekannte keine Gelegenheit, Abschied zu nehmen. Wenn dann noch immer mehr Bestattungen in sogenannten Friedhainen stattfinden, die ohne gekennzeichnete Grabstellen sind, so gibt es keinen unmittelbaren Ort mehr, Trauer zu bewältigen. Wie tröstlich ist es doch für viele Angehörigen, an einer mit Blumen geschmückten Grabstätte zu verweilen und der lieben Verstorbenen zu gedenken.

Der Friedhof sollte nicht nur ein Platz für die Toten sein, sondern auch ein Ort der Ruhe und Besinnung für die Lebenden. Dies muss bei der Gestaltung berücksichtigt werden. Friedhöfe können von Menschenhand geschaffene Paradiese sein, die uns schützend aufnehmen. In diese kann man aus der modernen frostigen Welt fliehen und wieder auftauen. Man spürt hier die heilsame Wirkung der Natur. Oft ist der Friedhof in kleineren und engen Ortschaften die einzige öffentliche Grünfläche. Deshalb sollten bei der Beilegung Freiräume verbleiben, die Ruhe ausstrahlen. Dies muss auch bei der Bepflanzung sowohl im öffentlichen Bereich als auch bei den Gräbern bedacht werden. Leider gibt es heutzutage auf größeren Friedhöfen schon Beispiele, wo ganze Abteilungen mit Gräbern vorhanden sind, die nicht gepflegt werden. Grabsteine, die ohne den Schmuck von Grün und Blumen einfach nur dastehen, erzeugen einen sehr trostlosen Anblick. Sie gleichen dann einer Steinwüste.
"Es gibt ein Land der Lebenden und ein Land der Toten. Die Brücke zwischen beiden ist die Liebe. Sie ist das einzig Bleibende und der einzige Sinn".

Es macht einen ganz betroffen, wenn man die beschrifteten Pflastersteine aus Bronze in den Straßen der Altstadt von Bamberg näher betrachtet. Sie erinnern an die Deportierung und Ermordung der jüdischen Bürger, die in den daneben liegenden Häusern wohnten. Es ist nicht zu fassen, wie so etwas Grausames geschehen konnte. Gut, dass es diese Mahnmale gibt. In dem man der Toten gedenkt, wird deren Schicksale nicht vergessen. So ist eine kleine Möglichkeit gegeben, diesen ehemaligen Mitbürgen etwas Würde zurückzugeben.