Es gibt Gärten, die werden einmal angelegt und sind dann fertig, und es gibt andere, die sind ein sich ständig veränderndes Projekt. Einen Garten letzteren Typs besitzt Dieter Walther aus Burghaig. Jedes Jahr entwickelt er sein grünes Wohnzimmer ein wenig weiter. "Ich probiere gerne Sachen aus, und dabei entstehen immer wieder neue Ideen, die ich gerne umsetzen möchte."

Beste Voraussetzungen dafür bringt er mit: handwerkliches Geschick und Experimentierfreude. Sein Grundstück ist ein steiler Hang, und das schafft besondere Herausforderungen. Die Lösung: Dieter Walther hat mehrere Ebenen angelegt, an denen sich meterlange Hochbeete entlangziehen.


Komfortabel gärtnern


Diese hat er größtenteils selbst aus Sandsteinquadern gemauert und in den letzten Wochen wieder ein Stück erweitert: "Hochbeete sind das beste, was es gibt", sagt der 57-Jährige. "Da muss ich mich nicht bücken und kann ganz bequem anpflanzen und ernten. Und auch Schnecken tun sich schwerer, an die leckeren Salate und Kräuter zu kommen. Im neuesten Hochbeet liegen ein paar Kürbisse vom Vorjahr, aus denen die neue Ernte entstehen soll. Dieter Walther treibt damit keinen Aufwand: "Die Kürbisse verrotten und aus den Samen entwickeln sich die neuen Pflanzen dann ganz von allein." Nur für reichlich Kompost sorgt er. "Den Rest macht die Natur - Gärtnern für Faule", schmunzelt der Hobbygärtner.


Kinderstube im Wintergarten

Blumen spielen in Walthers Garten nur eine Nebenrolle. "Was man nicht essen kann, interessiert mich nicht so", sagt er. Dafür ist das Spektrum der Kräuter und Gemüsepflanzen umso breiter angelegt. Im Wintergarten ist die Kinderstube der Jungpflanzen. Auf mehreren Tischen reiht sich meterlang Töpfchen an Töpfchen: Chilis, die Walther in allen Formen und Schärfegraden kultiviert, dazu Gemüsepaprika, Auberginen, Zucchini, Kürbisse, diverse Salate und ein paar Experimente wie Würztagetes und Eiskraut.

Bei den Kräutern ist Dieter Walther vor allem auf Raritäten aus: Er schwört auf seinen griechischen Oregano, der einen betörenden Duft verströmt: "Das ist der beste, den ich je gegessen habe", sagt er. Ebenfalls winterhart sind Olivenkraut, Salzkraut und griechischer Bergtee, die im Kräuterhochbeet gut gedeihen.

Im unbeheizten Gewächshaus sind schon erste Tomaten und Salate eingepflanzt. Dafür, dass es ihnen an den launischen Apriltagen mit gelegentlichen Minusgraden nicht zu kalt wird, sorgt ein einfacher Trick: "Wenn der Wetterbericht sagt, dass es kalt wird, zünde ich zwei Grablichter im Gewächshaus an. Damit wird es drinnen schön warm."


Stacheliges zwischen Mineralien


Neben Essbarem gedeiht in den Hochbeeten auch eine winterharte Kakteensammlung. "Mein Alpinum", nennt Walther das Hochbeet, in dem sich auch viele verschiedene Hauswurze und Steinbrecharten wohlfühlen. Sie alle wachsen auf ausgesprochen kargem Untergrund. "In diesem Beet gibt es keine Erde, nur drei Tonnen Splitt", erzählt der Hobbygärtner. Den Pflanzen, die kaum Nährstoffe benötigen, gefällt der Standort. Sie haben sich prächtig entwickelt.

Wer genau hinschaut, kann in dem Beet auch ein paar ungewöhnliche Steine entdecken. "Ich habe verschiedene Mineraliensteine mit eingebaut, die ich an verschiedenen Orten gesammelt habe", erzählt der 57-Jährige und greift als Beispiel nach einem Stein, der durch seine ungewöhnliche Blaufärbung auffällt. "Das ist ein blauer Stein vom Rodachtal." Die Farbe rührt von den Rückständen des einst dort abgebauten Eisenerzes her.
Gespannt ist Dieter Walther, ob sein jüngstes Experiment gelingen wird: Er hat Haselnusssträucher gepflanzt, deren Wurzelballen mit einem Trüffelpilz geimpft sind. Burgundertrüffel sollen aus dem Pilzmycel wachsen. "Ich habe keine Ahnung, ob das klappt. Es ist ein Versuch. Wenn es funktioniert, kann ich in fünf Jahren meine ersten Trüffel aus dem eigenen Garten ernten."