Reife Zitrusfrüchte wie Limonen und Kumquat an Bäumchen hier, sprießende Marokkanische Minze dort. Die Besucher der Bamberger Gärtnereien staunten am gestrigen Tag der offenen Tür nicht schlecht über so manches Mysterium, das wohl mehr auf gärtnerische Kunst denn auf fränkische Aprilsonne zurückzuführen ist. Bei den derzeitigen Temperaturen dürfte sich die Sibirische Schwertlilie in der Bamberger Nordflur richtig heimisch fühlen!


Reichhaltiges Angebot

"Ich war überrascht, wie früh die Leute schon da waren!" freute sich Johann Strobler, Chef des Staudengartens an der Kronacher Straße, über den steten regen Zulauf. Gartenfreunde jedweden Alters schlenderten zwischen Weicher Bärenklaue und dem Nickenden Prärie-Sonnenhut umher, erstanden so manche Staude oder Pflanze aus dem reichhaltigen Angebot für Beete, Stein- oder Kräutergarten.

Während Johann Strobler und seine Kunden im gemütlichen Plauderton den Kauf regelten, standen seine Mitarbeiter Bogdan und Yvonna sozusagen am Fließband in der Topfhalle. Nicht um im Akkord Sonntagsarbeit zu leisten, sondern um interessierten Zuschauern die brandneue Pflanzentopfmaschine vorzuführen. Eine Art elektrischer Bohrer sorgte für das mittige Löchlein in der ebenfalls maschinell in den Topf eingefüllten Blumenerde. Yvonna brauchte die zarten Setzlinge der Achilea-Staude nur noch hineinzugeben. Rasch füllte sich Topf um Topf. Kein Wunder, denn die siebenjährige Stina half fleißig mit, hatte keine Augen mehr für ihre Mutter, die neben ihr stand.


Farbenpracht explodiert

Goldmarie und Vanilleblume, Verbene und Geranie, dazu der violette Mittelmeergruß Bougainvillea: Im Gewächshaus der Gärtnerei Böhmerwiese explodierte die Farbenpracht. Da ließ der passend zum Tag blumige Song "Mein kleiner grüner Kaktus" doch schmunzeln. Das Trio "The Groovy Chuckwallas" hatte diese stachelige Variante in ihrem musikalischen Repertoire, mit dem sie die vielen Freiluftgenießer am gläsernen Aussichtsturm unterhielten.

Fast still war es dagegen in der Kräutergärtnerei Mussärol an der Nürnberger Straße. Still, weil der Besucherstrom nur ehrfurchtsvoll flüsternd durch diese einzigartige grüne Oase mitten in der Stadt floss. Verwunschene Winkel, umflort von blühendem Flieder, und akkurat ausgerichtete Beete mit Duftpflanzen, Süßholz und Heilkräutern, Pflanztöpfe mit Salbei, Beifuß oder Bergbohnenkraut: ein Schmaus für alle Sinne! Zumal auch frische Kräuterbrote mit Radieschen für die Hungrigen bereitstanden.


Mehr als nur der grüne Daumen

Alle an diesem "Tag der offenen Gärtnereien" beteiligten Betriebe boten Kulinarisches und Programmpunkte für Jung und Alt. Sie nutzten auf sympathische Weise die Gelegenheit, auf den traditionsreichen Erwerbsgartenbau in Bamberg aufmerksam zu machen. Nicht mit Jammern über schwierige Rahmenbedingungen und unberechenbare Wetterkapriolen, sondern mit lustvoller Präsentation ihrer wertvollen Arbeit, für die es wohl mehr braucht als den berühmten grünen Daumen.