Mindestens 5000 Pflanzen aus aller Welt machen den Botanischen Garten in Erlangen zu einem wahren Paradies - nicht nur für Gartenforscher. "Wahrscheinlich haben wir sogar sieben- oder achttausend Pflanzen hier", erklärt der Technische Leiter, Claus Heuvemann, bei einem Frühlingsrundgang durch die Anlagen.
"Wir haben auf jeden Fall zu viele Pflanzen", sagt Heuvemann und lacht. "Gleichzeitig können wir nie genug davon haben." Der 47-Jährige berichtet, dass im Botanischen Garten der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen alleine 2000 Orchideen wachsen. Also ungefähr. Ganz genau kann selbst der Fachmann das üppig wuchernde Grün nicht in Zahlen fassen.


Loki Schmidt über den Botanischen Garten Erlangen

Die naturbegeisterte Botanikerin Loki Schmidt, Ehefrau des früheren Kanzlers Helmut Schmidt, sagte einmal: "Der Botanische Garten Erlangen ist zwar einer der kleinsten Gärten Deutschlands. Er ist aber gärtnerisch bis in die feinsten Details gelungen angelegt und bietet viele Anregungen...." Ein idealer Ganzjahres-Ausflugstipp für fränkische Gartenfreunde, denn in den Gewächshäusern blüht und grünt es immer, und im Freiland ist jetzt bereits einiges zu sehen.


Frühlingsblüte und Arzneigarten

In den Beeten strecken unzählige Tulpen ihre Köpfe in die Frühlingssonne. "Jetzt fangen auch noch die Magnolien an", sagt Heuvemann voller Vorfreude auf die kommende Blütenpracht. Ein paar Schritte weiter wachsen die Arzneien, mit denen in Erlangen alles angefangen hat. "Diese Medizinpflanzen sind der eigentliche Ursprung für unseren Botanischen Garten." Heuvemann erklärt, dass "fast alle Arzneipflanzen ab einer bestimmten Dosis giftig" seien. "Wir wollen den Besuchern daher zeigen, welche Pflanzen tatsächlich gefährlich sind."


Giftpflanzen und Kräuter: Tipps für Eltern

Dabei habe der Botanische Garten besonders die Aufklärung besorgter Eltern im Blick. Die wüssten schließlich immer weniger über die grünen Gefahren, die aus der Erde wachsen und von neugierigen Kinderhänden gepflückt und gegessen werden können. "Wir wollen informieren und Wissen vermitteln, um so auch die Angst zu verringern", betont Heuvemann, der aus Ostwestfalen stammt und seit Langem sein Herz an die Tochter einer Bamberger Gärtnerfamilie verloren hat.
Kräuter & Co. liegen voll im Trend. Besonders junge Leute hätten großes Interesse. Aber kaum Ahnung. Der Botanische Garten vermittelt Besuchern auch ganz praktisches Wissen und erklärt beispielsweise, worauf beim Pflücken von Bärlauch in freier Wildbahn zu achten ist. "Die Blätter vom Bärlauch kann man mit Herbstzeitlosen leicht verwechseln. Viele Zwiebelpflanzen haben diese einfachen, ganzrandigen Blätter." Der Laie könne die wahre Art häufig erst mit der Blüte erkennen. "Am Geruch lassen sie sich aber leicht unterscheiden."


Pflanzen und ihre Beziehungen

In den Beeten nebenan wird dem Besucher die Beziehung zwischen der Gestalt der Pflanze und ihrer Umwelt näher gebracht. Wiederum nur ein paar Schritte weiter sind ausgewählte Pflanzenarten nach verwandtschaftlichen Beziehungen angeordnet.


Freibadtemperaturen im Gewächshaus

Dazwischen ragen die gläsernen Gewächshäuser in die Höhe. Hier wuchert das Grün tropischer Regenwälder bei ganzjährig konstanten Freibadtemperaturen. Andere Gewächshäuser bieten "Durstkünstlern" ein artgerechtes Zuhause bei wüstenhafter Trockenheit. Unter Glas gedeihen hier auch Blumen und Pflanzen, die eigentlich nur unter der Sonne der kanarischen Inseln vorkommen.
Dann gibt es aber auch wieder Beete, die heimische Vegetationstypen zeigen, wie Sandmagerrasen, Laubwälder, Sumpfpflanzen, es gibt die Steppe und das Alpinenhaus, in dem Hochgebirgspflanzen mediterraner Gebirge zu sehen sind. "Momentan blühen die Alpenrosen und der Enzian." Die Leute würden immer denken, dass der blaue Enzian für den Schnaps verwendet wird. "Das stimmt nur leider nicht. Dafür wird dieser hier verwendet", sagt Heuvemann und zeigt mit den Finger auf einen Enzian, der erst im Spätsommer seine prächtigen, gelben Blüten zeigen wird. "Wir erhalten hier viele seltene heimische Pflanzenarten, die für die Wiederansiedlung verwendet werden können." Dieser Beitrag zum Artenschutz sei für den Garten der Friedrich-Alexander-Universität ganz wichtig.
Seit fast 200 Jahren wächst und gedeiht der Botanische Garten auf einem zwei Hektar großen Gelände am nördlichen Rande des Schlossgartens. Der Freilandbereich des Botanischen Gartens und der in einem kurzen Spaziergang erreichbare Aromagarten sind täglich geöffnet, die Gewächshäuser haben montags geschlossen.


Exklusive Führung für Leser und Pflanzenbörse im Botanischen Garten

Leserführung und Frühlingspflanzenbörse: Dieser Termin liegt in der Vergangenheit

Informationen Mehr zu Öffnungszeiten, Veranstaltungen und zum Foto-Wettbewerb des Botanischen Gartens gibt's online unter www.botanischer-garten.uni-erlangen.de.