Diese Jahreszeit ist mit dem Fallen der Blätter von den Bäumen und dem Einziehen der Kräuter besonders dazu angetan, über das Wachsen und Vergehen nachzudenken. Dieser Vorgang, wie auch das Sterben der Menschen, sollte wieder mehr als natürlich angesehen werden. Es ist nicht richtig, den Tod immer mehr aus dem Leben auszuklammern.


Früher war der Tod allgegenwärtig

Früher ist der Gedanke an das Sterben allgegenwärtig gewesen. Davon zeugen die Texte in vielen Volksliedern und Gedichten, bei denen der Tod meistens in der letzten Strophe Erwähnung findet. Diese Inhalte, die an die Sterblichkeit erinnern, werden heute vielfach einfach aus der ursprünglichen Fassung weggelassen.

Früher hat man die Friedhöfe direkt um die Kirche herum angelegt und mit einer Mauer umgeben. Das ergab bei jedem Kirchgang eine direkte Verbindung mit den Toten. Durch die allgemeine Bevölkerungszunahme sind aber diese "Kirchhöfe" meistens zu klein geworden. Oft ist der Friedhof in kleineren und engen Ortschaften die einzige öffentliche Grünfläche.


Pflege von Friedhöfen erfordert Sorgfalt

Friedhöfe können von Menschenhand geschaffene Paradiese sein, die uns schützend aufnehmen. In diese kann man aus der modernen frostigen Welt fliehen und wieder auftauen. Man spürt hier auch die heilsame Wirkung der Natur. Friedhöfe sind oft über Jahrhunderte gewachsen. Seit Beginn des Christentums gibt es christliche Grabmale und Friedhöfe in vielerlei Gestalt.

Es sollte sichtbar gemacht werden, wie sehr man an die Verstorbenen in Liebe denkt. Die Gestaltung und Pflege von Friedhöfen erfordern große Sorgfalt. Der Altbaumbestand ist dabei ein besonderer Schatz, den es zu erhalten gilt. Friedhöfe sind nicht nur die letzten Ruhestätte der Verstorbenen, sondern gleichzeitig oft Stätten von kultur- und kunsthistorischer Bedeutung. Sie gewinnen zunehmend auch an Geltung für die Grünsysteme einer Stadt.


Bewusstsein für die Sterblichkeit

Friedhöfe werden wegen ihrer vielen Strukturen wie Hecken, Bäume und Blumen auf engstem Raum auch zu Rückzugsgebieten gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Das Vogelgezwitscher und Brummen der Hummeln ist in der Vegetationszeit unüberhörbar. So kann man Friedhöfe auch als Ort des Lebens bezeichnen. Der Friedhof ist zudem ein Garten, der ein Bewusstsein für die eigene Sterblichkeit gibt. Ein Ort, an dem wir lesen können, wie lang ein Leben war.

Beim Gang über den Friedhof werden Geschichten aus dem Leben von Bekannten vor dem inneren Auge sichtbar. Die Toten bleiben somit leichter ein Teil unseres Lebens. Heimat ist da, wo wir die Namen der Verstorbenen kennen. Der Umgang mit den Toten ist auch immer ein Zeichen der gegenwärtigen Denkweisen. Leider wird der Tod in einer mobilen Gesellschaft nicht mehr ernsthaft wahrgenommen.


Grabsteine sollten einfach und zeitlos sein

Die verschiedenen Religionsgemeinschaften gehen jeweils anders mit dem Tod um. Bei den Christen steht der Glaube an die Auferstehung der Toten im Vordergrund. Deswegen ist es christliches Gedankengut, den Menschen durch eine Bodenbestattung in den Kreislauf der Natur einzubinden. Die Grabsteine sind mit besonderer Sorgfalt auszusuchen und mit einer persönlichen Note auszustatten. Modeerscheinungen auf dem Friedhof können oft schnell wieder vorbei sein.

Am besten sind Grabsteine mit einfachen und klar geometrische Formen, die zeitlos sind und Würde ausstrahlen. Es sollte aber nicht der Eindruck einer Gleichförmigkeit entstehen. Ein maßvoller Wechsel in der Steingröße und Form ist angebracht. Für Urnen gibt es bei der Erdbestattung niedrige Grabsteine in kubischen Formen, die in der Mitte eines kleinen Grabfeldes stehen oder als Würfel angeordnet werden.

So bleibt meistens noch etwas Platz zur individuellen gärtnerischen Gestaltung. Das ist leider bei Urnenwänden nicht möglich. Die Friedhofskultur befindet sich in einem gewaltigen Umbruch, was deutlich an den vielen leeren Grabstellen auf den Friedhöfen zu sehen ist.



Das kann auf Gräbern gut gepflanzt werden

Die Bepflanzung sowohl im öffentlichen Bereich als auch bei den Gräbern ist immer dezent zu halten. Eine Wechselbepflanzung mit Winter- und Sommerflor sollte höchstens die Hälfte der Grabfläche ausfüllen, um Ruhe in das Gesamtbild zu bekommen. Die übrige Fläche kann zum Beispiel mit ausdauernden Pflanzen wie Kriechmispeln, Waldsteinien, Grasnelken, Silberwurz, Sandthymian, Sedum "Weihenstephaner Gold", Moosphlox, Katzenpfötchen und Rote Teppichbeere bepflanzt werden.

Als Wechselbepflanzung eignen sich für den Herbst und Winter Erika, Freilandalpenveilchen und Stiefmütterchenarten. Im Frühjahr sind es Primeln, Tausendschön und Vergissmeinnicht. Als Sommerblumen für eine Grabbepflanzung gibt es in besonders großer Fülle wie Begonien, Fleißige Lieschen, Fuchsien, Studentenblumen und Männertreu. Alle diese Blumen bringen den jahreszeitlichen Wechsel zum Ausdruck und sind bei einer sparsamen Bepflanzung ein belebendes Element.