In offiziellen Erklärungen warnen die Regierungen Mittelfranken und Oberfranken aktuell vor der Geflügelpest. In den vergangenen Wochen sind in Norddeutschland über 200 Fälle aufgetreten. Nun droht die Tierseuche, nach Franken zu kommen. Das Landratsamt Coburg hat ebenfalls bereits eine Warnung veröffentlicht.

Update vom 21.11.2020: Vogelgrippe hat Bayern erreicht

 Nun ist es amtlich: Die Geflügelpest hat in diesem Herbst erstmals Bayern erreicht. Bei mehreren Wildenten im Landkreis Passau ist die Tierseuche nachgewiesen worden, teilte das Umweltministerium am Freitag in München mit. Im Landkreis Rottal-Inn und in weiten Teilen des Landkreises Passau gelte Stallpflicht für Geflügel.

«Die Agrarmärkte beim Geflügel liegen wegen der Corona-Krise ohnehin schon am Boden», sagte Markus Drexler vom Bayerischen Bauernverband. Im Sommer sei die Nachfrage an Geflügel infolge der abgesagten Volksfeste stark eingebrochen. Auch mit Bestellungen vor den anstehenden Feiertagen hielten sich bisher viele zurück - aus Unsicherheit, ob sie Weihnachten dieses Jahr überhaupt wie gewohnt feiern können. «Und die Geflügelpest, das ist jetzt die nächste Hiobsbotschaft.»

Die Stockenten wurden im Rahmen des bayerischen Wildtiermonitorings bei Bad Füssing getötet und untersucht. «Bei zehn Tieren wurde der Erreger H5N8 nachgewiesen», berichtete Annika Nottensteiner, Geschäftsführerin des Landesverbands der Bayerischen Geflügelwirtschaft. «Wir haben eigentlich die ganze Zeit nur darauf gewartet, bis bei uns der erste Fall auftaucht.»

Geflügelpest: Zehntausende Hennen müssen sterben

In Deutschland ist das Virus bisher vor allen in den Küstenregionen aufgetreten, erläutert das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Zehntausende Tiere müssen nun sterben. Nach einem Vogelgrippe-Ausbruch in zwei Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern werden allein dort 67.000 Legehennen getötet. Das sagte der Vize-Landrat des Landkreises Rostock, Stephan Meyer, am Mittwoch (18. November 2020) der dpa.

Die Vorbereitung zur Tötung der Tiere durch eine Spezialfirma hat begonnen. Der Landkreis Rostock verfügte außerdem eine Stallpflicht in Risikogebieten in der Nähe von Fließgewässern, Seen, der Küste und Rastplätzen von Zugvögeln.

Der Leiter eines der betroffenen Betriebe, Steffen Schönemeyer vom Gut Eschenhörn, hoffte bis zuletzt, dass 39.000 junge Bio-Legehennen von der Anordnung verschont bleiben. Die Tiere seien auch drei Tage nach dem Ausbruch der Geflügelpest in 250 Meter entfernten Ställen gesund und ohne Symptome. Sie hätten noch fast ein Jahr lang Eier legen sollen. Zwischen beiden Standorten seines Unternehmens gebe es mit Bäumen und Büschen natürliche Barrieren. Die Ställe würden komplett separat mit anderem Personal betrieben.

Aktueller Vogelzug birgt große Gefahr für Franken

Die Weitergabe der Viren erfolgt durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder durch Kontakt mit viruskontaminierten Materialien wie Einstreu, Gerätschaften, Schuhwerk, Kleidung sowie Fahrzeugen, erklärt die Regierung Mittelfranken

Bisher wurden nur Geflügelpest-Fälle aus Norddeutschland gemeldet. Wegen des herbstlichen Vogelzuges besteht allerdings die Gefahr, dass sich das Virus auch nach Franken ausbreitet.

Nach derzeitigen Erkenntnissen ist die Geflügelpest (Aviäre Influenza vom Subtyp H5N8) für den Menschen ungefährlich, erklärt die Regierung Mittelfranken. "Der Verzehr von Geflügelfleisch, Eiern und sonstigen Geflügelprodukten ist daher unbedenklich."

Umweltministerium ordnet Schutzmaßnahmen an

Das Bayerische Umweltministerium ruft alle Geflügelhalter dazu auf, folgende Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten:

  • Schützen Sie Ihr Geflügel vor Kontakt mit Wildvögeln.
  • Trennen Sie strikt zwischen Straßen- und Stallkleidung auch bei den Schuhen.
  • Waschen Sie sich vor dem Betreten und nach dem Verlassen des Auslaufs/ Stalls die Hände mit Wasser und Seife.
  • Bewahren Sie Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, die mit Geflügel in Berührung kommen können, für Wildvögel unzugänglich auf.
  • Füttern Sie das Geflügel im Stall und tränken Sie es mit Leitungswasser (nicht mit Regenwasser oder sonstigem Oberflächenwasser).
  • Verfüttern Sie keine Geflügelteile und keine Eierschalen von gekauften Eiern.
  • Sichern Sie die Ein- und Ausgänge zu den Ställen oder die sonstigen Standorte des Geflügels gegen unbefugten Zutritt.
  • Reinigen und desinfizieren Sie Gerätschaften und Fahrzeuge nach jeder Ein- oder Ausstallung von Geflügel und nach jedem Geflügeltransport. 
  • Jäger, die Wildvögel erlegen und gleichzeitig Hausgeflügel halten, sind angehalten, die Hygienemaßnahmen besonders sorgfältig zu beachten.

Alle Bestände müssen Veterinärämtern gemeldet werden

Geflügelhalter müssen besondere Auflagen erfüllen, macht die Regierung Mittelfranken deutlich. Nach den Vorgaben der Viehverkehrsverordnung ist jeder Halter von Hühnern, Enten, Gänsen, Fasanen, Perlhühnern, Rebhühnern, Tauben, Truthühnern, Wachteln oder Laufvögeln, unabhängig von der Größe des Bestandes, verpflichtet, seinen Betrieb vor Beginn der Tätigkeit der zuständigen Behörde (Veterinäramt) unter Angabe seines Namens, seiner Anschrift und der Anzahl der im Jahresdurchschnitt voraussichtlich gehaltenen Tiere, ihrer Nutzungsart und ihres Standortes, bezogen auf die jeweilige Tierart anzuzeigen.

Zusätzlich ist es erforderlich mitzuteilen, ob das Geflügel in Ställen oder im Freien gehalten wird. Gerade in Anbetracht der aktuellen Entwicklung ist es für die Veterinärbehörden unerlässlich, in ihrem Zuständigkeitsbereich einen Überblick zur Anzahl und Art der Geflügelhaltungen zu gewinnen.

Fazit: Mittlerweile wurden mehr als 200 Geflügelpest-Fälle in Norddeutschland registriert. Wegen des Vogelzugs nach Süden besteht die Gefahr, dass sich die Vogelgrippe nun auch in Franken ausbreitet. Das Bayerische Umweltministerium ordnet Schutzmaßnahmen an. Zusätzlich sollen Geflügelhalter ihre Bestände den örtlichen Veterinärämtern melden.