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Nürnberg
Streit um Delfinarium

TripAdvisor schließt Tiergarten Nürnberg aus - Direktor protestiert gegen Anschuldigungen

TripAdvisor will ab 2020 sämtliche Geschäftsbeziehungen mit Einrichtungen beenden, die noch Wale und Delfine halten oder züchten. Und damit auch die mit dem Tiergarten Nürnberg. Dagegen wehrt sich nun der Direktor des Tiergartens in einem offenen Brief.
 
Kinder betrachten Delfine durch die Scheibe des Nürnberger Delfinariums. TripAdvisor hält die Gefangenschaft von Delfinen nicht mehr für zeitgemäß und reagiert mit einer Richtlinie. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa
Kinder betrachten Delfine durch die Scheibe des Nürnberger Delfinariums. TripAdvisor hält die Gefangenschaft von Delfinen nicht mehr für zeitgemäß und reagiert mit einer Richtlinie. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

Das Delfinarium im Tiergarten Nürnberg löst immer wieder Kontroversen aus. In Deutschland gibt es daneben nur noch einen Zoo in Duisburg mit einem Delfinarium. Während viele Zoos darauf verzichten, baute der Nürnberger Tiergarten noch aus.

TripAdvisor geht gegen Delfin- und Walhaltung vor

Nun will auch TripAdvisor gegen Einrichtungen vorgehen, die in Gefangenschaft lebende Wale oder Delfine, halten oder züchten. Im Oktober kündigte TripAdvisor an, alle Geschäftsbeziehungen zu eben solchen Einrichtungen zu beenden. Ziel dieser Richtlinie sei es laut TripAdvisor, Unternehmen dazu zu bringen, Wale und Delfine künftig in Meeresschutzgebieten unterzubringen, um diese dort auszuwildern. "Walen und Delfinen geht es in eingegrenzten Bereichen, in denen sie in Gefangenschaft leben, nicht gut. Wir hoffen auf eine Zukunft, in der sie so leben, wie sie sollten - frei und in freier Wildbahn", sagt Dermot Halpin, Präsident von TripAdvisor.

TripAdvisor und Tiergarten Nürnberg beenden Geschäftsbeziehung

Von dieser Richtlinie betroffen ist auch der Tiergarten Nürnberg. Als Konsequenz untersagt TripAdvisor dem Tiergarten, ab Januar 2020 Tickets über TripAdvisor oder über die Tochtergesellschaft Viator zu verkaufen. "Wir glauben, dass die aktuelle Generation von Walen und Delfinen in Gefangenschaft die letzte sein sollte", so Halpin weiter.

Direktor des Tiergarten Nürnberg protestiert

Der Direktor des Nürnberger Tiergartens, Dr. Dag Encke, antwortete der Touristikplattform nun in einem offenen Brief, der die Forderung der Plattform als "schlecht recherchiert" und als "tierschädlich" bezeichnet. Er wirft dem Unternehmen vor, sich mit der Richtlinie viel mehr für ihr eigenes Image als für das Wohl von Delfinen einzusetzen.

Für Encke ergebe die Auswilderung von Walen und Delfinen keinen Sinn, ob solche Tiere dort überhaupt überleben könnten, halte er für fraglich.

In dem Brief erklärt Encke außerdem, dass der Tiergarten Nürnberg keinesfalls den Tieren schade, sondern mit der Haltung dem Artenschutz diene. Die Forderung, die Tiere auszuwildern, richte sich hingegen gegen die Bedürfnisse der Tiere: "Mit dem Forderungsschreiben spielen Sie ein ungutes Spiel, mit dem Sie dem Schutz der Spezies fachlich eher schaden", so Encke.