• Tierheim Nürnberg: "Kampfhund" Chicco wartet nach fast vier Jahren immer noch auf Besitzer
  • Hundeprofi Martin Rütter spricht sich gegen "Rassismus" aus: "Ruf absurd schlecht"
  • Tierheim startet erneut Suche nach Interessenten außerhalb Bayerns

Das Tierheim Nürnberg gibt die Hoffnung nicht auf: "Hab ich so vielleicht endlich eine Chance auf ein Zuhause?", schreiben die Tierschützer im Namen von Hund Chicco am Mittwoch (25. Mai 2022) auf Facebook. Der fünfjährige Staffordshire-Rüde ist als "Kampfhund" in Bayern nicht gestattet und wartet schon fast vier Jahre auf Interessenten. Im Rahmen des TV-Formats "Die Unvermittelbaren" hat ihn Hundeprofi Martin Rütter nach einem Jahr erneut in einem Beitrag präsentiert und sagt: "Er ist jetzt schon einige Jahre im Tierheim und wir müssen jetzt langsam jemanden finden, der Chicco da befreit."

Update vom 27. Mai 2022: Tierheim Nürnberg sucht immer noch Besitzer für "harmlosen" "Kampfhund" Chicco

Eigentlich sei Hund Chicco ganz "harmlos", versichert das Tierheim. Das große Problem sei die Kategorisierung als "Kampfhund". Martin Rütter beschreibt die Ablehnung gegen ihn in einem Video am Mittwoch (18. Mai 2022) als "Rassismus". Der Ruf dieser Hunde sei unberechtigterweise "absurd schlecht". "Niemand interessiert sich für diesen Hund und wir alle können es nicht verstehen." Der Listenhund der Kategorie 1 dürfe in Bayern nicht vermittelt werden und müsse in ein Bundesland kommen, "wo etwas mehr Toleranz herrscht".

Chicco sei "sehr temperamentvoll" und beiße stark in die Leine, wenn man ihn ausführt. Das sollte jedoch einer Vermittlung nicht im Weg stehen sollte. Der Stress im Tierheim führe dazu, "dass er einfach nicht weiß, wohin mit seiner ganzen Energie", führt Rütter aus. Letztlich sei Chicco kein aggressives Tier, sondern "ein prima Kerl und gut trainierbar". 

Um in Martin Rütters TV-Sendung auftreten zu dürfen, brauche Chicco Interessenten. Ihnen winke dann eine "kostenlose Trainerbegleitung", kündigt das Tierheim Nürnberg an. Sie könnten sich direkt beim Tierheim oder bei Martin Rütter (tierheimhund@mina-tv.de) melden.  

Erstmeldung vom 2. Juni 2021: Tierheim Nürnberg: "Kampfhund" wird Teil von Martin Rütters TV-Sendung

Wie es dazu kam, dass Chicco Teil der Sendung werden darf, erklärt Miriam Zimmermann vom Tierheim Nürnberg inFranken.de. Das Nürnberger Tierheim habe sich mit mehreren Hunden für die Sendung beworben und das Glück gehabt, dass Chicco ausgewählt wurde. Die Schwierigkeit ist jetzt: "Wir brauchen erst Leute, die sich für den Hund interessieren", so Zimmermann. Das Konzept der Sendung sieht nämlich vor, dass die neuen Besitzer des jeweiligen Hundes von Martin Rütter und seinem Team begleitet werden. Wann die neue RTL-Dokuserie "Die Unvermittelbaren - mit Martin Rütter" mit Chicco planmäßig ausgestrahlt werden soll, ist dem Tierheim noch nicht bekannt. 

Miriam Zimmermann vermutet, dass die Hundeprofis den neuen Besitzern bereits beim Kennenlernen im Tierheim erste Tipps geben und sie dann nach Hause begleiten, um ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Deshalb: "Wir sind dringend auf der Suche nach Leuten außerhalb von Bayern, die sich für ihn interessieren und ihn kennenlernen wollen." Hintergrund: Chicco muss außerhalb des Freistaats vermittelt werden, da er aufgrund seiner Rasse der sogenannten "Kategorie 1" angehört - und die darf in Bayern nicht gehalten werden. Das erschwert die Vermittlung laut Zimmermann.

Das Training ist für die neuen Besitzer kostenlos. Chicco sei "ein ganz toller, lieber und verschmuster Hund", schreibt das Tierheim in seinem Facebook-Aufruf. Er zeigt aber leider "stereotypisches Verhalten": Er beißt in seine Leine. Deshalb trägt er auch mal einen Maulkorb. Bei seinen Pflegern habe er aber schon Fortschritte gemacht und gelernt, dass er das nicht darf. Trotzdem suchen die Tierschützer erfahrene Hundebesitzer für Chicco. "Wir suchen jemanden, der sich mit Hunden auskennt", so Zimmermann.