Die Stimmung ist einzigartig an einem Ort, wo seit 1000 Jahren Menschen beerdigt werden. Wo dicht gedrängt Grabstein an Grabstein liegt, 500 Jahre alt und älter. Wo Berühmtheiten wie Albrecht Dürer, Anselm Feuerbach oder Veit Stoß ihre letzte Ruhe fanden. Genauso wie einfache Handwerksgesellen in ihren Zunftgräbern.

Der Besucher findet die Berühmtheiten allerdings nur mit Mühe auf dem St.Johannisfriedhof in Nürnberg mit seinen 6400 Gräbern. Weil sich der älteste Teil des Friedhofs als einheitliches Gräberfeld präsentiert. Die sandsteinernen Grabsteine liegen allesamt in Ost-West-Ausrichtung, durften das Maß von sechs mal drei Nürnberger Werkschuhen nie überschreiten. Das heißt in Zentimetern ausgedrückt: 167 mal 83.

Gesamte Anlage unter Denkmalschutz

Der Pfarrer von St. Johannis, Jochen Ackermann, zeichnet für Deutschlands schönsten Friedhof verantwortlich. Nicht allein, sondern zusammen in einer Art Zweckverband mit vier weiteren Innenstadtgemeinden. Ein Stück weit sei es eine Ehre, hier Dienst tun zu dürfen, Verantwortung zu übernehmen für einen Friedhof von europäischem Rang, erklärt der Geistliche. Die gesamte Anlage steht unter strengstem Denkmalschutz. Jede Veränderung muss deshalb beantragt werden, neue Grabinschriften benötigen die Genehmigung eines Gremiums, das alle vier Wochen zusammenkommt und dem neben Theologen auch Historiker, Künstler und Denkmalschützer angehören.

Ein Gang über den Friedhof mutet an wie ein Spaziergang durch die Nürnberger Stadtgeschichte, vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit.Klangvolle Namen tauchen da auf dem Sandstein auf, auf mitunter prachtvoll barocken Epitaphien, die vom Reichtum der alten Patriziergeschlechter künden. Wie zum Beispiel bei Andreas Georg Paumgartner, dereinst Bürgermeister der Reichsstadt Nürnberg. Auf seinem Grab ruht ein Totenschädel, dessen Kiefer sich mit Scharnieren auf- und zuklappen lässt. Ein makabrer Spaß. Nicht weit entfernt ruht Albrecht Dürer. Die Grabinschrift ist bescheidener gehalten, das Kürzel AD dafür umso bekannter.

Kein Platz für Maschinen

Wie wird hier heutzutage bestattet? Auf den engen Pfaden, wo die Gräber dicht an dicht liegen. "Genauso wie früher", erklärt Ackermann. Für Maschinen gebe es keinen Platz. Also alles Handarbeit mit der Schaufel. Die bis zu 1,5 Tonnen schweren Grabsteine werden mit Flaschenzügen auf die Seite gehoben. Dennoch entsprechen die Nutzungsgebühren denen der städtischen Friedhöfe. "Jeder kann sich hier bestatten lassen," erklärt der Pfarrer. Der sich im übrigen durchaus Sorgen macht um Deutschlands schönsten Friedhof. Die Betriebskosten sind nämlich höher als die Einnahmen. Da müsse sich etwas ändern, und zwar bald.