Markus Wolf ist Unternehmer und fußballverrückt. Eine Kombination, die dazu führt, dass der 47-Jährige seit 2010 Vorsitzender und Hauptsponsor des Fußball-Regionalligisten FC 05 Schweinfurt ist. In der zweiten Saison ist der gebürtige Dinkelsbühler auch Trikotsponsor des Zweitligisten 1. FC Nürnberg - um seine zehn in großen Möbelhäusern angesiedelten Flag-ship-Stores bekannter zu machen. Aktuell ist der FC 05 Vorletzter, der FCN versackt im Mittelmaß.

Hauptsponsor beim 1. FC Nürnberg und beim FC 05 Schweinfurt - da hat man es nicht leicht.
Markus Wolf: Richtig. Wenn's kommt, kommt's knüppeldick. Für mich bedeutet mein Engagement auch einen Spaßfaktor. Doch der wird kleiner, wenn man ins Stadion geht und Niederlagen sieht. In Schweinfurt mache ich das aus "Good Will". In Nürnberg aber sehe ich das unternehmerisch. Der Umfang meines Sponsorings ist geringer, als man sich das in Schweinfurt erzählt. Aber doch beträchtlich. Wenn man sieht, wo der Club platziert ist in der Tabelle, dann steht das in keinem guten Verhältnis.

Und da haben Sie dem Verein angeboten, ihm beratend zur Seite zu stehen.
Man hat in Nürnberg in der Vergangenheit viele Fehler gemacht. Es ist kein Geld da, die Mannschaft ist offensichtlich doch nicht von den sportlich Verantwortlichen zusammengestellt worden. Es wurden wirtschaftliche und strategische Fehler gemacht. Weil ich als Unternehmer Zahlen bewerten kann, habe ich meine Hilfe angeboten. Ich finde es kurios, dass da noch ein Sport-Vorstand mitmischt, obwohl jeder weiß, dass er bald gehen wird. Deshalb wäre ich für eine Übergangslösung gewesen. Einen geeigneten Nachfolger findet man nicht in drei Wochen, da sollte man sich Zeit lassen, bis man jemanden findet, der auch passt. Ich habe den Verantwortlichen mitgeteilt, dass ich ihnen alle Zeit gebe und ich mir auch mal die Zahlen anschaue. Aber in keinster Weise habe ich Ambitionen auf irgendein Amt beim FCN.

Wie fiel die Reaktion aus?
Bis heute kam noch gar nichts. Wenn ein erfolgreicher Unternehmer seine Hilfe anbietet, und es kommt nichts, egal ob vom Vorstand oder vom Aufsichtsrat, dann verwundert mich das. Da muss ich doch das Gespräch suchen und mal nachhaken, was der Wolf eigentlich will. Für den Verein wäre es so wichtig, sich Zeit zu nehmen und durchzuatmen. Doch jetzt holen sie den nächsten Vorstand Sport und man kommt aus dem Teufelskreis gar nicht raus.

Wie groß empfinden Sie denn den Schaden, der dem FCN aus der Ultras-Affäre um Martin Bader entstanden ist?
Ich fand die Geschichte, vorsichtig gesagt, nicht positiv. Es hätte andere Möglichkeiten gegeben, das zu regeln. Man hätte in Ruhe auf die Fans zugehen müssen und ihnen die Wahrheit erzählen, wo der Verein wirklich steht. In der Niklas-Stark-Geschichte wurde auch wieder die Unwahrheit erzählt. Das nervt jeden Fan und auch den Sponsor. Wenn man alles hinter versteckter Tür macht, dann die Leute anlügt und die Wahrheit doch herauskommt, dann ist das kontraproduktiv. Das sind Anfängerfehler.

Dass Niklas Stark jetzt nach Berlin verscherbelt werden musste, ist ja offensichtlich auch ein Beleg dafür, dass die geleugnete Finanzlücke doch existierte.
Es sieht stark danach aus. Wir groß die Finanzlücke ist, kann ich nicht beurteilen. Das war auch ein Grund, warum ich meine Hilfe angeboten habe und die Zahlen sehen wollte. Irgendwann müssen sie ohnehin auf den Tisch. Wenn ich schlecht wirtschafte, die Mannschaft nicht funktioniert, muss ich die Quittung dafür hinnehmen. Mein Kenntnisstand ist der, dass der Trainer nicht ausreichend in die Zusammenstellung der Mannschaft involviert war. Wenn ich das Resultat sehe, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass das ein Trainer gemacht hat.

Ist es dem FCN angesichts des Ist-Zustandes zuzutrauen, in absehbarer Zeit wieder gestandener Erstligist zu werden?
Kurzfristig nicht. Für ganz oben reicht es in dieser Saison in der Zweiten Liga nicht. Es wäre auch viel zu früh. Erst muss der Verein wieder auf eine gesunde wirtschaftliche Basis kommen, dann kann man sich wieder höhere Ziele stecken. Aber nicht, wenn ich ein Chaos habe; da komme ich von einem Chaos ins andere.

Das Gespräch führte Michael Bauer