Fabian Bredlow hat eine turbulente englische Woche hinter sich: den Kasten gegen Hannover und Düsseldorf sauber gehalten, dafür sieben Tore in Dortmund kassiert. Im Interview mit inFranken.de spricht der Keeper des 1. FC Nürnberg über seine Leipziger Vergangenheit, über Nationalspieler Joshua Kimmich, über seine Karriere und über den Ausrutscher in Dortmund.

Fabian Bredlow, Ihr kommender Gegner, RB Leipzig, war von 2012 bis 2014 Ihr Arbeitgeber: Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit? Fabian Bredlow: "Durchaus positive. Weil Leipzig meine erste Station in einem NLZ (Nachwuchs-Leistungszentrum , Anm. d. Red.) bei einem Profiverein war."

Zum Kader des damaligen Drittligisten gehörte auch Joshua Kimmich. War damals schon absehbar, dass ihn seine sportlichen Qualitäten zu Bayern München und in die Nationalmannschaft führen würden? "Ich fand damals schon, dass Joshua ein sehr, sehr guter Spieler war. Er war extrem fleißig. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich nach jedem Training mit Joshua und Yussuf Poulsen länger auf dem Platz geblieben bin, weil die beiden immer noch mehr machen wollten. Dass es dann so schnell ging, hätte ich jedoch nicht gedacht. Aber ich habe mir durchaus vorstellen können, dass er es irgendwann in die Nationalmannschaft schaffen würde."

Was für ein Typ ist Kimmich? "Ein Typ, der immer wusste, was er wollte, der seine Prioritäten klar gesetzt hat, der extrem auf seinen Sport fokussiert war." Nach Ihrem Leipzig-Engagement ging es für eine Spielzeit zu RB Salzburg, danach für zwei Jahre zum Halleschen FC: War der Wechsel in die österreichische Liga so geplant, und haben Sie diese Stationen tatsächlich sportlich weitergebracht? "Ich hätte damals die Möglichkeit gehabt, in Leipzig zu bleiben. Allerdings hätte ich mir dann meine Spielzeiten in der zweiten Mannschaft, die damals in der Oberliga gespielt hat, holen müssen. Das hätte unter sportlichen Gesichtspunkten wenig Sinn für mich gemacht. Deshalb der Wechsel nach Salzburg. Halle war dann wiederum der nächste richtige Schritt. Denn jeder, der meine Karriere ein bisschen verfolgt hat, weiß, dass ich alles step by step angehe. Somit war es logisch, aus der zweiten österreichischen Liga in die 3. Liga zu gehen - zumal ich unbedingt zurück nach Deutschland wollte."

Die Abwehr des 1. FC Nürnberg hat bis zur Dortmund-Partie einen formidablen Job gemacht: Waren die sieben Gegentore ein Weckruf dahingehend, dass der Club gegen stärkere Konkurrenz noch zu unbedarft ist? "Uns wurde ganz klar aufgezeigt, dass wir uns, wenn wir nicht in jedem Spiel einhundert Prozent geben - auch hinsichtlich des Defensiv- und Zweikampfverhaltens -, schnell sieben Gegentore einfangen können."

Welche Chancen rechnen Sie sich gegen Leipzig aus? "Das wird ein sehr schwieriges Spiel. Aber wir fahren immer mit einem gewissen Anspruch zu einer Auswärtspartie. Und der ist nicht, ,ja es ist okay, wenn wir 0:1 verlieren‘, sondern: Wir wollen punkten."

Angesichts der bisherigen Punkte-Ausbeute: Wie ist die Stimmung im Team? "Nach dem Sieg gegen Düsseldorf ist die Stimmung natürlich deutlich besser. Grundsätzlich können wir zufrieden sein, aber es ist kein Grund für uns, eine große Party anfangen zu lassen."

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach dem 0-7-0 aus? "Wenn man Dortmund ausklammert, war es eine sehr gute englische Woche. Hätte uns jemand vor der englischen Woche gesagt, dass wir sechs Punkte holen, dann hätte jeder von uns das blind unterschrieben. Dortmund war der Ausrutscher, aber in den anderen beiden Spielen haben wir als Kollektiv überzeugt." Das Gespräch führte Dirk Kaiser.