Die Pessimisten unter den Club-Fans - und das sind bekanntlich aus leidvoller Erfahrung nicht wenige - durften sich wieder einmal bestätigt fühlen. Zum dritten Mal in diesem Jahr war das Max-Morlock-Stadion mit 50.000 Besuchern ausverkauft. Und nach dem 0:2 gegen Greuther Fürth und dem 2:3 gegen Düsseldorf in der zweiten Liga kassierte der FCN mit dem 0:2 (0:0) gegen den VfB Stuttgart zum dritten Mal eine Niederlage.

Die Akkus sind leer

Es könnte also sein, dass die Favoritenrolle und eine gesteigerte Erwartungshaltung der Nürnberger Mannschaft nicht guttun. Der sehr schwache Auftritt sah aber mehr danach aus, als ob die Akkus einfach mal leer waren - geistig und körperlich. "Ich bin froh, in die Länderspielpause zu kommen. Man sieht, dass die Bundesliga anstrengend für uns ist", sagte Trainer Michael Köllner. Wenn seine Mannschaft im Oberhaus punkten will, muss sie fast immer an ihre Grenzen gehen. Das gelang diesmal bei Weitem nicht.

Von Köllners Plan, den Tabellenletzten aggressiv zu bearbeiten, war nur in den ersten Minuten beider Halbzeiten etwas zu erahnen. Ansonsten zog sich der Club zurück und ließ den VfB machen. Letztlich kam ein Lehrbeispiel heraus, wie man einen verunsicherten Gegner aufbaut. "Man hat gemerkt, dass wir nicht vor Stabilität strotzen", sagte VfB-Trainer Markus Weinzierl.

Schlecht positioniert

Im Zentrum des Nürnbergers Mittelfelds klaffte ein großes Loch - kreativ und auch optisch. Dafür verantwortlich waren vor allem zwei viel zu schüchtern auftretende Youngster: Alexander Fuchs (21) klebte zu weit vorne, Simon Rhein (20) zu weit hinten. Beide hatten beim 2:2 in Augsburg noch zu den Leistungsträgern der zweiten Hälfte gehört, beide konnten das nicht bestätigen. "Wir waren schlecht positioniert in den Räumen, so konnten wir nicht den Druck entwickeln", beschrieb der Trainer das Problem. Zu ändern vermochte er das nicht, "zu komplex" wäre das gewesen, sagte er. Kein Plan B also dieses Mal.

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Kapitän Hanno Behrens, der unbestritten über strategische Qualitäten verfügt, musste mal wieder als Sechser defensiv malochen. Da hatte er gegen Stuttgarts Spielmacher Christian Gentner, dem besten Spieler auf dem Platz, mehr als genug zu tun. Behrens sei überspielt, deutete Köllner an. Dennoch war es diskutabel, dass er Behrens direkt nach dem Rückstand vom Feld holte und ihn positionsgleich durch Ondrej Petrak ersetzte, anstatt ihm vielleicht im Spielaufbau die nötige Reaktion auf das Gegentor anzuvertrauen. Irgendwie sah das nach Kapitulation bereits 20 Minuten vor Schluss aus.

Zwei Ecken schlecht geklärt

Gerade mal drei mittelprächtige Torchancen erarbeitete sich der Club insgesamt. In der Schlussphase patzte er dann in der Abwehr zwei Mal. Der schwache Robert Bauer und Torwart Christian Mathenia klärten jeweils nach einem Eckball unzureichend, Stuttgarts Innenverteidiger Timo Baumgartl (68.) und der gerade eingewechselte Eric Thommy (82.) nutzten das mit resoluten Schüssen zum 0:2-Endstand. Schon das 0:1 sei "ein richtiger Knick" gewesen, sagte Außenverteidiger Tim Leibold, für den die Niederlage gegen seinen Ausbildungsverein noch ein bisschen bitterer schmeckte.

Stuttgarter in Feierlaune

Grund zum Feiern hatten rund 10.000 VfB-Fans, die ihre Mannschaft zum alten Südschlager begleitet hatten. Trainer Weinzierl sprach nach seinem Katastropheneinstand mit drei Niederlagen und 0:11 Toren erleichtert von einem "Befreiungsschlag". Die Installation einer Viererabwehrkette mit Weltmeister Benjamin Pavard als ruhendem Pol und zwei neuen Außenspielern brachte den vor der Runde so hoch gewetteten Schwaben endlich mehr Sicherheit.

Angesichts des dankbaren Gegners spielte es keine Rolle mehr, dass Ex-Nationalspieler Mario Gomez mal wieder zwei Chancen zur Führung kläglich ausgelassen hatte.Mit einem Sieg hätte Nürnberg auf Distanz zu den Abstiegsplätzen in die Pause gehen können. Da die Konkurrenten Stuttgart, Düsseldorf und Hannover allesamt gewannen, ist es nun genau anders herum gekommen.

Lediglich zwei Punkte trennen den Club noch vom letzten Tabellenplatz, auf dem weiter der VfB steht. "Wir sind trotzdem noch im Soll", fand Leibold. Sein Trainer freut sich auf zwei ungestörte Trainingswochen, in denen er "gute Lösungen" finden will. Zwei Mal kam seine Mannschaft schon gestärkt aus einer Länderspielpause zurück. Beim nächsten Spiel auf Schalke (24. November, 18.30 Uhr) ist mit der Rückkehr von Stürmer Mikael Ishak zu rechnen.

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Leverkusen (daheim), München (auswärts), Wolfsburg (H), Mönchengladbach (A) und Freiburg (H) zwei Tage vor Heilig Abend sind die restlichen Gegner in der Vorrunde. Wahrlich kein leichtes Programm. Da müssen dem Club schon einige Überraschungen gelingen. Denn das Ziel bleibt laut Köllner unverändert, auch wenn es aktuell nicht sehr realistisch klingt: "Weit weg von hinten in die Winterpause gehen."