Die Corona-Pandemie brachte im Jahr 2020 weitreichende Einschränkungen in allen Lebensbereichen mit sich und wirkte sich dabei auch auf die Kriminalitätsentwicklung in Mittelfranken aus. Allerdings ist die Gesamtzahl der Straftaten in Mittelfranken schon seit 2016 kontinuierlich gesunken, insbesondere in den Bereichen der Gewaltkriminalität, der Straßenkriminalität und der Rohheitsdelikte. Im Bereich des Regierungsbezirks Mittelfranken sank die Kriminalität im Jahresvergleich erneut um stattliche 6,5 % (- 5.511) auf 78.745 Straftaten, den tiefsten jemals gemessenen Wert. Dabei stieg die Aufklärungsquote ohne ausländerrechtliche Verstöße um einen Prozentpunkt auf 68,1% und liegt somit über dem bayerischen Durchschnitt (66,4 %). Die Häufigkeitszahl (Straftaten pro 100.000 Einwohner) sank um -5,4 % auf 4.322 Straftaten - ohne ausländerrechtliche Verstöße (Vorjahr: 4.570). Polizeipräsident Fertinger resümiert: "Die mittelfränkische Polizei hat trotz Rückgang der Fallzahlen wieder mehr als zwei von drei Straftaten aufgeklärt und ist somit eine der sichersten Regionen Deutschlands. Dieses Sicherheitsniveau auch in den kommenden Jahren beizubehalten ist uns ein Ansporn und erklärtes Ziel."

Im Bereich der Straftaten gegen das Aufenthalts- bzw. Asylverfahrensgesetz wurden im abgelaufenen Jahr zum dritten Mal in Folge weniger Delikte, nämlich 2.031 (-39,4 %), registriert. Trotzdem wirken sich die Zahlen dieser besonderen Deliktsgruppe weiterhin deutlich in der PKS aus und beeinflussen vor allem auch die Werte der Aufklärungsquoten (AQ) und Häufigkeitszahlen (HZ). Bei der Betrachtung der registrierten Gesamtstraftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße ist ein Rückgang von 80.904 auf 76.714 Fälle zu verzeichnen. Aus diesem Grund werden in den folgenden Darstellungen die Fallzahlen, Häufigkeitszahlen (HZ) sowie die Aufklärungsquoten (AQ) ohne ausländerrechtliche Verstöße dargestellt.

In der Großstadt Nürnberg erfassten wir im Jahr 2020 36.974 (Vorjahr: 38.476) Straftaten in der PKS. Dies bedeutet einen erneuten Rückgang um -1.502 Fälle (-3,9 %). Die Häufigkeitszahl sank im Vergleich zum Jahr 2019 von 7.423 auf 7.133 (-3,9%) - dem niedrigsten Wert der letzten 10 Jahre. Die AQ stieg um 0,7 % auf sehr gute 67,3 %. Dies ist der höchste Wert im Zehn-Jahres-Vergleich. Insbesondere sanken in Nürnberg die Fallzahlen in den Bereichen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (-18,1 %), Eigentums- Diebstahlskriminalität (-4,9 %), Rohheitsdelikte (-6,7 %), Gewaltkriminalität (-12,4 %) sowie der Rauschgiftkriminalität (-11,6 %).

Das Prädikat "sicherste Großstadt" (über 100.000 Einwohner) in Bayern bleibt Fürth auch in diesem Jahr erhalten. Die Gesamtzahl der Straftaten sank erneut von 5.392 auf 5.314 (-1,4 %), was den besten Wert der letzten fünf Jahre darstellt. Die Aufklärungsquote sank leicht auf 65,9 % (-2,9 %).

Im Jahr 2020 wurden im Regierungsbezirk Mittelfranken 36.884 Tatverdächtige (TV) ermittelt. Dies bedeutet einen Rückgang von -4.094 TV (-10,0 %). Ohne Berücksichtigung der ausländerrechtlichen Verstöße sank die Anzahl der TV um -7,5 % von 38.144 auf nun 35.271 (26.859 männlich / 8.412 weiblich). Den größten Teil der TV stellen mit 79,5% die Erwachsenen (Personen über 21 Jahre).

Der Anteil der nichtdeutschen TV an der Gesamtzahl der TV sank leicht von 36,3 % im Vorjahr auf aktuell 36,2 %. Der Bevölkerungsanteil dieser Gruppe stieg in Mittelfranken zugleich von 14,2 % im Vorjahr auf aktuell 14,6%. Die Anzahl der nichtdeutschen TV sank parallel zur ebenfalls sinkenden Zahl der Gesamt-Tatverdächtigen auf den niedrigsten Wert seit 2016. Zuwanderer sind eine Teilmenge der Gruppe der nichtdeutschen TV.

War im Bereich der Jugendkriminalität (Personen zwischen 14 und 18 Jahren) 2019 noch ein Anstieg der TV zu verzeichnen, so stellen wir aktuell einen beachtlichen Rückgang von -15,1 % fest. Im Jahr 2020 wurden in Mittelfranken insgesamt 2.988 Jugendliche (Vorjahr: 3.521) straffällig, vor allem in den Bereichen Eigentums-, Rohheits- sowie Rauschgiftdelikte und bei den Sachbeschädigungen. Ebenfalls positiv ist die Entwicklung bei der Anzahl heranwachsender Tatverdächtiger (Personen zwischen 18 und 21 Jahre), die um -8,5% auf 3.136 (3.428) Personen zurückging. Dieser Trend rückläufiger Zahlen ist seit 2014 zu beobachten. Die Anzahl delinquenter Kinder (Personen unter 14 Jahre) ging erneut zurück, diesmal sogar um -198 auf 1.096 Personen (-15,3%).

Die Rohheitsdelikte sanken im Regierungsbezirk Mittelfranken von 13.767 auf 12.882 (-6,4%). Hierfür sind überwiegend die Rückgänge bei den Körperverletzungsdelikten um -728 Fälle (-6,9%) sowie der Raubstraftaten um -47 Fälle (-11,3 %) ausschlaggebend.

Die Sachbeschädigungen sind wieder leicht auf 9.882 Fälle (-0,3 %) gesunken. Nach einer Steigerung der Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen im Vorjahr, kann aktuell ein Rückgang der Fallzahlen um -6,6 % auf 4.077 Delikte vermeldet werden. Einzig bei den Sachbeschädigungen auf Straßen, Wegen und Plätzen messen wir einen Anstieg von 8,9 % auf 2.440 Fälle. Erfreulich ist die Entwicklung weiterhin bei den Eigentums- und Diebstahlsdelikten. Hier sanken die Fallzahlen wie bereits in den Vorjahren beinahe durchgängig in allen Deliktsfeldern. So ist mit aktuell 22.464 registrierten Fällen ein Rückgang um -8,5 % (2.086 Delikte) zu verzeichnen. Die AQ stieg auf 43 % (Vorjahr: 40,3 %).

Im Bereich des einfachen Diebstahls sanken die Fallzahlen massiv um -2.125 Fälle (-13,4 %). Beim schweren Diebstahl ist eine geringe Steigerung um 39 Fälle (0,5 %) auszumachen. Die Zahl der Fahrraddiebstähle sank beachtlich um -309 (-6,8 %) auf insgesamt 4.224 Delikte. Konnte im Vorjahr noch ein auffälliger Rückgang bei den Kfz-Aufbrüchen festgestellt werden, so stiegen die Fallzahlen im aktuellen Berichtszeitraum von 610 auf 739 Delikte (21,1 %). Hierfür war hauptsächlich eine inzwischen geklärte Serie von Kfz-Aufbrüchen im Großraum Nürnberg mitverantwortlich. Bei den Kfz-Diebstählen ist mit 52 entwendeten Kraftwagen (-59,4 %) erfreulicherweise der absolute Tiefstwert der vergangenen zehn Jahre festzustellen.

Beim Wohnungseinbruchdiebstahl verzeichnen wir eine Steigerung um 2,7 % auf 810 Fälle (Vorjahr: 789). Dies hängt mit der signifikanten Häufung von Wohnungseinbrüchen zum Jahresende 2019 zusammen, die erst nach Abschluss der Ermittlungen an die Polizeiliche Kriminalstatistik (Auslaufstatistik) gemeldet werden. Die Zahlen aus der polizeilichen Vorgangserfassung zeigen, dass ca. die Hälfte dieser Fälle bereits 2019 begangen wurde. Die überdurchschnittlich hohe AQ des Vorjahres (26,9 %) konnte daher nicht gehalten werden und liegt derzeit bei 17,0 %.

Im Jahr 2020 sind insgesamt 66 Fälle von Straftaten gegen das Leben (inklusive der Versuche) erfasst. Die Aufklärungsquote (AQ) stieg auf 97 %. Bei Mord registrieren wir einen erneuten Rückgang von 23 auf 16 Fälle (AQ 100 %), bei Totschlag einen Rückgang von 41 auf 29 Fälle (AQ ebenfalls 100 %).

Die Gewalt gegen Polizeibeamte nahm erneut sowohl bei der Anzahl der Delikte insgesamt als auch bei der Anzahl der Tatverdächtigen und bei der Anzahl der geschädigten Polizeibeamten zu. Im Jahr 2020 wurden im Bereich Mittelfranken insgesamt 1.051 (974) Fälle (7,3% / 77 Fälle) der Gewalt gegen Polizeibeamte erfasst. Dies stellt den zweithöchsten Wert seit Beginn der Registrierung im Jahr 2010 dar. Die Aufklärungsquote lag wie in den letzten Jahren bei etwa 99,0%.

Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung messen wir einen geringen Anstieg um 0,9% von 1.309 Fällen im Jahr 2019 auf aktuell 1.321 Fälle. Die ohnehin bereits hohe Aufklärungsquote konnte auf 86,1 % gesteigert werden. Insgesamt wurden 1.019 Personen als Opfer von Sexualstraftaten registriert, davon 82,3 % weiblich und 17,7 % männlich. Erfreulich zeigt sich der abermalige Rückgang bei den Vergewaltigungen von 172 auf 142 Delikte. In den Phänomenbereichen des (schweren) sexuellen Missbrauchs - auch von Kindern und Jugendlichen - sowie bei der Verbreitung, dem Erwerb, Besitz und der Herstellung (kinder)pornografischer Schriften stellen wir erneut eine signifikante Steigerung fest. Häufig werden diese Taten im Internet begangen. Zum Teil ist diese Steigerung vermutlich auch auf eine Aufhellung des Dunkelfeldes, auch durch die stetig intensivierte technische Ermittlungsarbeit der Polizei, zurückzuführen.

Im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität sanken die Fallzahlen 2020 um -9,0% auf 7.217 (Vorjahr: 7.935) Delikte. Die hohe AQ hält sich mit 96,4 % auf dem Vorjahresniveau (96,3%). Nach dem Anstieg der Rauschgifttoten in Mittelfranken im Jahr 2019 hat sich die Situation im Jahr 2020 verändert. Die Anzahl der Rauschgifttoten ist von 45 Personen auf 36 RG-Tote (31 Männer, fünf Frauen) im Jahr 2020 gesunken. Die Ursache für RG-Todesfälle lassen sich nach wie vor nicht an einem bestimmten Einzelfaktor festmachen. Vielmehr besteht häufig ein Kausalzusammenhang zwischen einem schlechten körperlichen Allgemeinzustand, diversen Vorerkrankungen und der Verbindung von Polytoxikomanie oder auch der verfügbaren Stoffqualität. "Die Sicherstellung von 63 kg Amphetamin und die Festnahme von fünf TV markierten einen Höhepunkt des Jahres, in welchem dem organisierten Drogenhandel mehrere empfindliche Schläge mit hohen Sicherstellungsmengen zugefügt werden konnten. Allein in Nürnberg wurden im Jahr 2020 außerdem mehr als 100 Straßendealer und Drogenhändler festgenommen und anschließend ein Haftbefehl erlassen. Diese Erfolge wirken sich sehr positiv auf die gesamte Sicherheitslage in der Metropolregion aus - so Polizeipräsident Fertinger". Die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität wird auch weiterhin ein Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit sein.

Vor allem ältere Menschen werden nach wie vor mit dem Modus Operandi Callcenter Betrug Opfer betrügerischer Banden und mit "Schockanrufen" oder auch durch das Auftreten von "falschen Polizeibeamten" um ihre Ersparnisse gebracht. Auch für 2020 verzeichnen wir einen Anstieg der Fallzahlen und 17 Vollendungen mit einem Gesamtschaden in Höhe von 1,2 Millionen Euro. In neun Fällen konnten neun Tatverdächtige festgenommen werden.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Gesamtzahl der Politisch motivierten Straftaten im Berichtsjahr 2020 um sieben Fälle auf insgesamt 842 Fälle gestiegen. Davon sind 24 Straftaten der Deliktsqualität der Gewaltstraftaten zuzuordnen. Die AQ liegt mit 47,1 % auf dem Niveau des Vorjahres. Im Phänomenbereich "Rechts" sank die Anzahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um -16,5 % (-68 Delikte) auf 343 Fälle. Die Propagandadelikte stellten davon mit einem Anteil von 207 Straftaten erneut die stärkste Deliktsgruppe dar. Dabei bestanden die Tathandlungen in der Regel im öffentlichen Zeigen oder Schmieren von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen oder dem Rufen verbotener Parolen. Wie bereits im Vorjahr sind acht Straftaten der Deliktsqualität Gewaltstraftaten zuzuordnen. Die AQ ist auf 57,4 % gestiegen (Vorjahr: 50,9 %).

Im Phänomenbereich "Links" wurden im Berichtszeitraum 2020 insgesamt 199 Straftaten registriert (Vorjahr: 172 Fälle), eine Steigerung um 15,7 %. Deliktische Schwerpunkte linker Kriminalität waren Sachbeschädigungen und sonstige Straftaten wie z. B. Beleidigungen. Unter den 199 Straftaten waren neun Gewaltstraftaten. Die AQ liegt bei 20,6 % (Vorjahr: 30,8 %).

Im Phänomenbereich "Ausländische Ideologie" wurden 25 Straftaten registriert. Dies stellt zum Vorjahr einen Rückgang um -46 Fälle (-64,7%) dar. Die Aufklärungsquote beträgt 40 % (Vorjahr: 36,6 %).

Der Phänomenbereich "Religiöse Ideologie" wurde 2017 neu im Definitionsfeld der politisch motivierten Kriminalität eingefügt. Im Berichtszeitraum 2020 waren insgesamt acht (Vorjahr: neun) Straftaten, davon eine Gewalttat, zu verzeichnen. Die AQ liegt bei 75,0 % (Vorjahr: 88,9 %).

Die mittelfränkische Polizei wird auch in Zukunft bei der Bekämpfung der Kriminalität ihre Strategie dem veränderten Täterverhalten und neuen Kriminalitätsformen anpassen. Mit Präventionskonzepten und geschulten kriminalpolizeilichen Fachberatern versucht die mittelfränkische Polizei, die Entwicklung der Kriminalität weiterhin positiv zu beeinflussen und die Fallzahlen zu senken.

Einzelheiten finden Sie unter

https://www.polizei.bayern.de/mittelfranken/kriminalitaet/statistik/index.html/43745

Elke Schönwald/n

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