Der Mann, der am Sonntag im Außenbereich eines Nürnberger Lokals von dem 42-Jährigen überfahren wurde, schwebt nicht mehr in Lebensgefahr. "Er befindet sich auf dem Weg der Besserung", sagte ein Polizeisprecher am Montag. Ein weiterer Verletzter habe inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden können. Ein drittes Opfer werde noch wegen mehrerer Knochenbrüche behandelt.

Der Autofahrer war am Sonntagabend gegen 18.45 Uhr in die Außenplätze des Lokals in der Nürnberger Südstadt gerast - Ermittlungen zufolge mit Absicht.

Der 42-Jährige war von der Allersberger Straße nach rechts in die Scheurlstraße abgebogen. Nach Angaben mehrerer Zeugen soll er unmittelbar darauf seinen VW Passat beschleunigt haben und ist in die aufgestellte Sitzgruppe des Lokals an der Ecke Scheurlstraße/Strauchstraße gefahren.

Der Fahrer wurde wenig später festgenommen und am Montagnachmittag einem Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Nürnberg überstellt. Dieser erließ Haftbefehl wegen des Verdachts des versuchten Mordes.

Zum Motiv machte der 42-Jährige bei der Polizei keine Aussagen. Die Ermittler vermuten persönliche Gründe für die Attacke, denn Täter und Opfer kannten sich wohl. "Irgendwas muss gewesen sein, aber um das zu klären, müssen wir erstmal die drei Geschädigten vernehmen", sagte der Polizeisprecher.

Die Kripo Nürnberg bittet zudem noch weitere Zeugen, die zum Verhalten des Tatverdächtigen Angaben machen können oder den Vorfall beobachtet haben, sich bei ihr zu melden. Außerdem bittet sie Gäste des Spezialitätenlokals, die sich im Gebäude oder an der Außenbestuhlung aufgehalten haben, sich mit ihr in Verbindung zu setzen.

Hinweise bitte an den Kriminaldauerdienst Mittelfranken unter der Telefonnummer 0911 2112-3333.



Rückblick: Autos rasen in Menschenmengen

Absicht, Alkohol, Krankheit, Fahrfehler - aus verschiedenen Gründen haben Fahrer Autos schon in Menschengruppen gesteuert. Einige Beispiele:

November 2014: Beim Überholen eines Busses in Berlin kollidiert ein Wagen mit einem anderen Auto und schleudert auf einen Gehweg. Dort werden sieben Fußgänger verletzt.

September 2014: Ein Fahranfänger rast aus zunächst unbekanntem Grund im niedersächsischen Diepholz in eine Schülergruppe und verletzt sieben junge Menschen.

März 2011: Nach einem epileptischen Anfall rast ein Mann in Hamburg über eine rote Ampel in eine Gruppe von Fußgängern. Vier Menschen sterben, darunter der Schauspieler Dietmar Mues und der Sozialwissenschaftler Günter Amendt.

Mai 2010: Ein 20-Jähriger ohne Führerschein fährt mit dem Wagen seines Chefs in Friesoythe (Niedersachsen) in eine Menschenmenge und verletzt 20 Fußgänger. Bei der Fahrt hat er zwei Promille Alkohol im Blut, sein betrunkener Chef sitzt auf dem Beifahrersitz.

Mai 2010: Am Hamburger Hauptbahnhof rast ein 73-Jähriger beim Ausparken ungebremst in eine Fußgängergruppe. Ein Vierjähriger wird getötet, dessen Mutter und Onkel verletzt.

März 2007: Aus Frust über eine gescheiterte Beziehung benutzt ein 20-Jähriger in Eibenstock (Sachsen) sein Auto als Waffe. Er überfährt die Mutter seiner Ex-Freundin und seinen elf Monate alten Sohn. Beide werden schwer verletzt.

Juli 2006: Während der Fußball-WM fährt ein geistig verwirrter 34-Jähriger in Berlin mit seinem Wagen in die Menschenmenge auf der Fanmeile am Brandenburger Tor. 26 Passanten werden verletzt.

Juli 2006: In München erleidet ein Mann am Steuer anscheinend einen Anfall und verliert die Kontrolle über seinen Wagen, der über die Außenterrasse eines Cafés fährt. Sechs Menschen werden verletzt.
Juni 2003: In Düsseldorf donnert ein betrunkener Autofahrer in der Innenstadt mit seinem Wagen über die Außenterrassen von zwei Straßencafés. Zehn Menschen werden verletzt. dpa/dvd