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Nürnberg
Corona

Forscher aus Franken zeigen: Diese Maßnahmen waren wirklich entscheidend im Kampf gegen Corona

Aktuell scheint es so, als ob wir es geschafft hätten das Coronavirus in Deutschland erfolgreich einzudämmen. Forscher aus Nürnberg haben untersucht, welche Maßnahmen wirklich etwas gebracht haben - und welche eher nicht. Wichtige Erkenntnisse für den Weg zurück in die Normalität.
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Coronavirus - Abgesperrter Spielplatz
Gerade die Schließung von Schulen und Kitas waren besonders effektiv im Kampf gegen Corona. Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen allerdings ebenso groß. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Seit über zwei Monaten bestimmen Kontaktbeschränkungen, Social Distancing und Schutzmasken unseren Alltag. Das normale Leben wurde durch das Coronavirus in nahezu allen Bereichen stark eingeschränkt - als Vorsichtsmaßnahme, damit sich das Virus nicht zu schnell ausbreitet. Welche Maßnahmen waren hier am effektivsten? Welche hätte man sich vielleicht sparen können? Welche Bereiche am ehesten wieder in die Normalität zurückkehren können, haben Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg herausgefunden.

Dafür haben die Forscher die Daten der bestätigten Infektionen vom Robert-Koch-Institut mit den unterschiedlichen Eindämmungsmaßnahmen in Verbindung gebracht. So konnten sie berechnen, welche Maßnahmen die Wachstumsrate der positiv getesteten Menschen verringern konnte. Die Ergebnisse sind überraschend: Die Schließung von Schulen und Kitas war besonders hilfreich, bei Gaststätten, Einzelhandel, Friseuren und Unterhaltung schaut es anders aus. 

Coronavirus bekämpfen: Welche Maßnahmen wirklich halfen

Einen wissenschaftlich aussagekräftigen Effekt hatten besonders die Schließung von Schulen und Kitas, die Ausgangsbeschränkungen und die Einschränkung von Profi- und Breitensport, heißt es beim Informationsdienst Wissenschaft. Die Schulen und Kitas haben die Wachstumsrate der bestätigten Coronafälle sogar um acht Prozentpunkte verringert. Ausgangsbeschränkungen um vier und Sport immerhin noch um 3,5 Prozentpunkte.

Branchenschließungen hingegen hatten laut den Ergebnissen alle keinen statistisch aussagekräftigen Effekt auf die Verlangsamung der Wachstumsrate. Am geringsten war der Effekt durch die Schließungen von Friseuren, die Absage von Messen und Veranstaltungen und die Schließung von Gaststätten. Eine mittlere Wirkung war immerhin durch die Schließung von Herbergen, Bars und Clubs zu erkennen, jedoch sind auch diese Daten nicht erheblich.

Die Forscher erkennen aber auch die sozialen, pädagogischen und wirtschaftlichen Folgen der Schul- und Kitaschließungen. Bis Ende April seien dadurch bereits über 55.8 Millionen Arbeitstage ausgefallen. Daher sehen sie hier die schrittweise Wiedereröffnung unter hygienischen Auflagen als zentral. Nach den Ergebnissen könnte eine kontrollierte Öffnung der Dienstleistungsbranchen ohne große Auswirkungen auf die Infektionszahlen stattfinden. Großveranstaltungen, wie beispielsweise Sportwettkämpfe, seien allerdings weiterhin kritisch. 

Vorsicht ist weiterhin geboten

Aktuell werden immer mehr Bereiche unseres Alltags gelockert: Was bereits wieder erlaubt ist erfahren Sie hier. Wie sich der Schritt zurück in die Normalität auf den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie haben wird, gilt jedoch als ungewiss. Die Forscher weisen daher auch darauf hin, dass ihre Studie Informationen für eine schnelle und effektive Reaktion auf ein erneut steigendes Infektionsrisiko liefern kann. Wie groß die Gefahr einer zweiten Corona-Welle ist, erklärt der Virologe Hendrik Streeck.