In der Corona-Krise mobilisieren einzelne Städte und Initiativen Freiwilliger neue Unterstützungsangebote für Obdachlose. Berlin teilte am Dienstag mit, dass es vorerst 350 neue Übernachtungsplätze zur Verfügung stellt.

In Nürnberg sollen zwei ehemalige Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber zur Anlaufstelle umgewidmet werden. In ganz Deutschland entstehen derzeit parallel sogenannte Spenden- oder Gabenzäune, an denen etwa Lebensmittel für Obdachlose angehängt werden.

Coronavirus in Nürnberg: Asylunterkünfte für Obdachlose 

Viele Einrichtungen der Obdachlosenhilfe mussten wegen der Corona-Pandemie ihr Angebot einstellen, weil sie die Abstandsregeln zur Vermeidung von Ansteckungen nicht gewährleisten können. Dazu zählen Übernachtungsangebote, aber auch Essensausgaben und andere Treffs für den Tag.

 

Die neuen Unterkünfte in Nürnberg bieten Platz für etwa 80 Menschen, wie die dortige Stadtmission mitteilte. Dort gebe es Einzelzimmer und der Aufenthalt am Tag sei gestattet. In der Ökumenischen Wärmestube in der Nähe des Nürnberger Hauptbahnhofs dürfen sich wegen der Abstandsregeln derzeit nur jeweils 20 Personen aufhalten.

Obdachlose während der Corona-Krise: Hilfe durch soziale Netzwerke 

Wegen der eingeschränkten etablierten Hilfsangebote rufen Menschen in sozialen Netzwerken zu kreativer Hilfe auf. Bei Facebook, Instagram und Twitter ist unter den Hashtags #Spendenzaun oder #Gabenzaun nachzulesen, wo es solche Zäune in der Nachbarschaft gibt oder wo welche eingerichtet werden sollen.

Die Idee stammt aus Hamburg, wo schon 2017 in der Nähe des Hauptbahnhofes der erste Gabenzaun als niedrigschwelliges soziales Angebot für Obdachlose eingerichtet wurde. Entstanden sind weitere Gaben- oder Spendenzäune in den vergangenen Tagen bundesweit, darunter in Bochum, Leipzig, Dresden und Frankfurt. In Berlin zählte der "Tagesspiegel" am Dienstag bereits mehr als 21 Zäune.

Etablierte Einrichtungen schaffen es derweil mit Improvisation, ihr Angebot aufrecht zu erhalten. Die Suppenküche der Franziskaner in Berlin-Pankow gibt zur Mittagszeit seit einer Woche vor der Tür belegte Brote aus und achtet auf Abstand zwischen den Gästen. Der Essenssaal ist geschlossen.

In Nürnberg hat die Zahl der Wohnungslosen in den vergangenen Jahren zugenommen. Zwar gibt es in der Stadt einige Einrichtungen, in denen Obdachlose die Nacht verbringen können - Tiere, insbesondere Hunde, sind dort allerdings nicht erlaubt. Das soll sich nach dem Willen der CSU ändern.