Das Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth hat die Zusammensetzung der Bevölkerung aus den ehemaligen Sowjetrepubliken in Nürnberg zusammengefasst, erklärt die Stadt Nürnberg. Zu Beginn der Städtepartnerschaft Charkiw – Nürnberg im Jahr 1990 lebten noch keine Ukrainerinnen oder Ukrainer in Nürnberg.

Erst Ende 1992 verzeichnete das Einwohnermelderegister der Stadt demnach 84 Staatsangehörige der Ukraine, wobei es sich vermutlich um die ersten ukrainischen Aussiedlerinnen und Aussiedler oder jüdischen Kontingentflüchtlinge aus der seit 1991 von der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) unabhängigen Ukraine handelte.

Mit ihnen kamen in den folgenden Jahren viele weitere Aussiedlerinnen und Aussiedler, Spätaussiedlerinnen und -aussiedler sowie Kontingentflüchtlinge aus allen ehemaligen Sowjetrepubliken nach Nürnberg, heißt es.

"Zur Unterscheidung kann allen Bürgerinnen und Bürgern im Meldewesen ein sogenanntes Bezugsland zugeordnet werden. Dieses entspricht bei Deutschen mit Migrationshintergrund in der Regel dem Geburtsland. Bei Ausländerinnen und Ausländern wird die Staatsangehörigkeit herangezogen. Deutschen Kindern unter 18 Jahren mit familiärem Migrationshintergrund wird gegebenenfalls das Bezugsland zugeordnet, das der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern entspricht. Sofern nicht anders beschrieben, werden im Folgenden die Zahlen des Einwohnermelderegisters der Stadt Nürnberg angegeben", heißt es.

Am 31. Dezember 2021 lebten demnach  in Nürnberg rund 41.200 Menschen, deren Bezugsland (im Land geboren oder Staatsangehörigkeit) einem der Nachfolgestaaten der ehemaligen UdSSR entsprach. Die größte Gruppe dieser Bürgerinnen und Bürger zählt zur Russischen Föderation (etwa 14 400 Personen). Es folgen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Kasachstan (9 700) und aus der Ukraine (7 900).

Aus den übrigen früheren Teilrepubliken der Sowjetunion lebten in Nürnberg 2021 dann noch größere Bevölkerungsgruppen mit einem Bezug zur Republik Moldau (1 400) oder Aserbaidschan (1500). Eine kleinere Bevölkerungsgruppe kam zum Beispiel aus den drei EU-Staaten Estland, Lettland und Litauen mit zusammen etwa 1600 Bürgerinnen und Bürgern.

Etwa 69 Prozent (28.400) der Nürnberger Bevölkerung mit einem Bezugsland aus den ehemaligen Sowjetrepubliken hatten die deutsche, 31 Prozent (12 800) eine ausländische Staatsangehörigkeit. Diejenigen mit Wurzeln in der Ukraine seien in etwa je zur Hälfte deutsche (3.900) und ukrainische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger (4.000).

Mitbürgerinnen und Mitbürger aus der Russischen Föderation hätten etwa zu 75 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit, bei Kasachstan seien es sogar 95 Prozent. Die ausländische Bevölkerung aus den ehemaligen Sowjetrepubliken in Nürnberg habe vor allem um die Jahrtausendwende einen starken Anstieg verzeichnet.

Die Zahl der Ukrainerinnen und Ukrainer in Nürnberg sei laut Ausländerzentralregister von rund 1500 Personen im Jahr 1998 auf einen Höchstwert von rund 5400 Personen im Jahr 2005 gestiegen. "Im gleichen Zeitraum nahm auch die Zahl der Staatsangehörigen der Russischen Föderation von rund 1200 auf 3600 Personen zu."

In den letzten zehn Jahren hingegen blieb die Bevölkerungsgröße der Angehörigen dieser Nationen vergleichsweise stabil, so die Stadt – anders als die Einwohnerzahl der EU-Mitgliedsstaaten Estland, Lettland und Litauen oder der Gruppe der sonstigen Nicht-EU-Mitgliedsstaaten:

"Bei der Zuwanderung aus Russland und Kasachstan dominierten die Spätaussiedlerinnen und -aussiedler der 1990er Jahre. Den Zuzug aus der Ukraine bestimmten neben Aussiedlerinnen und Aussiedlern auch Kontingentflüchtlinge und in den letzten Jahren wohl auch die zunehmenden Angebote auf dem deutschen Arbeitsmarkt für Fachkräfte aus dem Ausland. Eine vielfach ähnliche Zuzugsgeschichte von Bürgerinnen und Bürgern mit Wurzeln in der Ukraine, der Russischen Föderation oder zum Beispiel Kasachstan prägen auch ihre überwiegend lange Verweildauer in Nürnberg: Nahezu zwei Drittel dieser Bevölkerungsgruppe lebt seit mindestens zehn Jahren in Nürnberg, ein Drittel sogar 20 Jahre und länger."

Bei Bürgerinnen und Bürgern aus anderen ehemaligen Sowjetrepubliken (zum Beispiel den baltischen Staaten) liege die durchschnittliche Wohndauer deutlich unter zehn Jahren. Hier dominierten, so schätzt die Stadt, eher die Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten von EU-Bürgern in EU-Ländern, aber auch die besonderen Entwicklungsmöglichkeiten eines relativ jungen EU-Staats, was oft gegen eine langfristige oder gar dauerhafte Abwanderung nach Deutschland spreche.

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