Ein alter Bekannter der Stadt will den Nürnbergern eine alte Bekannte näher bringen: Der Präsident der Akademie der Bildenden Künste, Ottmar Hörl, hat sich für sein neues Projekt die weltberühmte Madonna zum Vorbild genommen. Rund 600 goldene Madonnen-Figuren will der Konzeptkünstler Ottmar Hörl Anfang September vor dem Germanischen Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg aufstellen. Mit der Aktion wolle er den Nürnbergern eine Figur wieder näher bringen, die Mitte des 19. Jahrhunderts ein "Weltstar" gewesen sei.

Schon damals seien unzählige Repliken der Nürnberger Madonna verkauft worden. Die Gold-Figuren werden auf einer 80 bis 100 Meter langen Tribüne aufgebaut und sollen etwa zwei Wochen stehen bleiben. Danach sollen die rund 90 Zentimeter großen, lackierten Kunststoff-Figuren wie auch schon im 19. Jahrhundert verkauft werden. Wie Hörl bei der Vorstellung des Projekts am Mittwoch sagte, können die Figuren für 250 Euro erworben werden.



Die Nürnberger Madonna in der Geschichte bis heute

Die Madonna habe es verdient, inszeniert zu werden, sagte Hörl. Die Original-Skulptur aus Lindenholz entstand um 1510. Der Schöpfer des weltberühmten Werks ist ein bis heute unbekannter Nürnberger Bildschnitzer. Die rund 150 Zentimeter große Madonna, ein Hauptwerk der Nürnberger Kunst der Dürerzeit , war ursprünglich Bestandteil einer Kreuzigungsgruppe mit Christus und Johannes in der früheren Nürnberger Dominikanerkirche. Von etwa 1820 an verwendete die Nürnberger Zeichenschule die Madonna als Modell für Kunststudenten. Seit 1880 ist sie Bestandteil der Sammlung des Germanischen Nationalmuseums.


Ottmar Hörl letztes Projekt: 7000 Grüne Hasen

Im Jahr 2003 hatte Hörl mit einer Installation von 7000 Hasen aus grünem Kunststoff auf dem Nürnberger Hauptmarkt für Aufsehen gesorgt. Finanzminister Markus Söder (CSU) bezeichnete den 1950 geborenen Künstler als "Nürnberger Beuys der Neuzeit". Er schaffe mit seinen Arbeiten einen modernen, "anfassbaren" Zugang zur Kunst. Die grünen Kunststoff-Hasen waren Albrecht Dürers bekanntem Hasen-Gemälde nachempfunden. Kunst werde nicht schlechter, indem man sie vervielfältigt, sie werde dadurch aber erschwinglich, sagte Hörl.