Der Tiergarten der Stadt Nürnberg will auch für einheimische bedrohte Tierarten als engagierter Zoo gelten. Seit Mai 2020 kooperiert er deshalb mit der AG Sumpfschildkröte, die wiederum eng mit dem Hessischen Umweltministerium sowie weiteren Zoos zusammenarbeitet.

Während der Tiergarten im ersten Jahr als „Kinderstube“ für die einzige heimische Schildkrötenart Mitteleuropas fungierte, erhielt er nun zwei männliche Schildkröten. Mit diesen und den bereits im Tiergarten lebenden Weibchen plant der Zoo, selbst zu züchten und sich perspektivisch an der Auswilderung Europäischer Sumpfschildkröten zu beteiligen.

Das eine Männchen wurde 2020 unter einer Autobahnbrücke gefunden und vor dem Überfahren gerettet. Es wies alte Verletzungen am Panzer und Hinterfuß auf. Ihm fehlt ein Teil des rechten Hinterfußes, was auf eine Bissverletzung hindeutet. Das Tier ist dadurch gehandicapt, jedoch gut zur Zucht in menschlicher Obhut geeignet. Das andere Männchen kam bereits als sehr junges Tier (Schlüpfling) um das Jahr 2000 als Testkauf zur AG Sumpfschildkröte. Mit solchen Testkäufen wird versucht, im Internet dem illegalen Tierhandel auf die Spur zu kommen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei diesem Männchen um ein illegal gehandeltes Tier.

Europäische Sumpfschildkröten gelten als bedroht. Besonders der Verlust ihrer Lebensräume durch Gewässerbegradigungen und Trockenlegungen hat die Tierart in Deutschland an den Rand der Ausrottung getrieben. Auf der Internetseite www.forschen-handeln-erhalten.de informiert der Tiergarten über seine weiteren Artenschutzprojekte.