Auf dem Gebiet des Bebauungsplans Tiefes Feld sind heute noch europäisch geschützte Brutvogelarten, genauer Feldbrüterarten zuhause. Einem Gutachten zufolge handelt es sich dabei um drei Brutpaare des Kiebitzes und 20 Brutpaare der Feldlerche, so die Stadt Nürnberg in einer Pressemitteilung.

Für deren Lebensraum wurden erfolgreich artenschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt, um so das Tiefe Feld als wichtiges Vorhaben der Stadtentwicklung realisieren zu können. Das Monitoring des ersten Jahrs zeigt, dass die Feldlerchen erfolgreich brüteten und es Brutzeitnachweise des Kiebitzes gibt.

Die Rebhuhndichte hat sich im Umfeld der ergriffenen Maßnahmen fast verdoppelt. Wie alle europäischen Brutvogelarten unterliegen die betroffenen Feldbrüter dem besonderen Artenschutzrecht des Bundesnaturschutzgesetzes. Daher müssen die Lebensraumverluste mit geeigneten Maßnahmen ausgeglichen werden.

„Feldbrüter sind sehr raumgreifende Arten, die große zusammenhängende Lebensräume beanspruchen. Für den artenschutzrechtlichen Ausgleich sind dementsprechend große Maßnahmenflächen erforderlich“, so Christoph Grünfelder, fachlicher Leiter der am Umweltreferat der Stadt Nürnberg angesiedelten Flächenagentur.

Aufgrund der allgemeinen Flächenknappheit im Stadtgebiet stellten die benötigten Artenschutzmaßnahmen für Feldlerche und Kiebitz wesentliche Hemmnisse bei der Erstellung der Bebauungspläne für das Tiefe Feld dar und haben – neben einer ganzen Reihe anderer Zwangspunkte – die
Fertigstellung der Pläne jahrelang blockiert.


„Es freut mich sehr“, so Nürnbergs Umweltreferentin Britta Walthelm, „dass es der 2020 ins Leben gerufenen Flächenagentur in  Zusammenarbeit mit der Abteilung Artenschutz der Unteren  Naturschutzbehörde gelungen ist, ein Ausgleichskonzept für die Feldbrüter im Tiefen Feld zu entwerfen und mit der Höheren Naturschutzbehörde abzustimmen.“

Für den erforderlichen artenschutzrechtlichen Ausgleich werden produktionsintegrierte Maßnahmen ergriffen. Darunter versteht man Maßnahmen, die den Ackerstatus der Flächen aufrechterhalten und teilweise sogar eine landwirtschaftliche Nutzung ermöglichen.

Die Maßnahmen wurden in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Nürnberg e.V. (LPV) und lokalen Landwirten umgesetzt und werden nun dauerhaft unterhalten. Umgesetzt werden diese Maßnahmen zum Teil auf Flächen, die bereits im Jahr 2019 in einer Kooperation von Stadtplanungsamt, Umweltamt und Liegenschaftsamt angekauft wurden.

In enger Zusammenarbeit zwischen dem Liegenschaftsamt und der Flächenagentur wurden im Jahr 2020 die benötigten zusätzlichen Flächen verfügbar gemacht. Die Ausgleichsflächen für die Kiebitze liegen in Neunhof, da die landwirtschaftliche Nutzfläche im südlichen Stadtgebiet nicht die Lebensraumanforderungen der Art aufweist.

Um den Flächendruck im Knoblauchsland nicht noch weiter zu verschärfen, werden die Maßnahmen für die Feldlerche im Nürnberger Süden in Reichelsdorf und Katzwang ausgeführt. In der Saison 2021 erfolgte bereits eine erste Erfolgskontrolle. Die Flächenagentur ist mit den Ergebnissen des Monitorings sehr zufrieden: Die Feldlerchenmaßnahmen im Süden wurden sehr gut angenommen.

Christoph Grünfelder sagt hierzu: „Wir haben viele Brutnachweise der Art auf unseren Flächen. Zusätzlich profitiert auch die Rebhuhnpopulation im Süden von der Maßnahme. Wir haben im Herbst Rebhuhnketten mit vielen Exemplaren auf unseren Flächen nachgewiesen. Auch die Kiebitzmaßnahmen in Neunhof zeigen Wirkung, im ersten Jahr haben wir immerhin Brutzeitnachweise des Kiebitzes erbracht.

Die Art ist bei der Brutplatzwahl sehr konservativ, die Brutplätze werden von den Paaren jahrelang tradiert.“ Dass es während der Brutzeit bereits Einzelnachweise von Exemplaren auf den Flächen gibt, gilt als gutes Zeichen. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass die Flächen in den kommenden Jahren auch als Brutplätze akzeptiert werden.

Außerdem führt die Extensivierung der Ackerflächen zu zahlreichen Mitnahmeeffekten. So entstehen
Lebensräume für zahllose Insekten und Rückzugsräume für weitere Vogelarten. „Wir haben während der Zugzeiten auf unseren Flächen in Neunhof Nachweise stark gefährdeter Arten, wie der Zwergschnepfe und der Bekassine erbracht und konnten auch dort viele Rebhühner beobachten.

Außerdem freuen wir uns sehr über einen Brutzeitnachweis der Heidelerche im Umfeld der Maßnahmen im Süden“, erläutert Christoph Grünfelder.