Kabarett ohne gesprochene Worte - dass das geht, beweist das Schweizer Künstler-Duo "Ohne Rolf" seit 15 Jahren. Dafür bekam es am Samstagabend in Nürnberg den deutschen Kabarett-Preis. Selbst zum Politiker-Veralbern reichen Papier und Stift voll aus.

Die beiden Luzerner Plakatkünstler Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg (beide 39) nahmen die mit 6000 Euro dotierte Auszeichnung bei einer Preisverleihungs-Gala in der ausverkauften Tafelhalle entgegen. Der deutsche Kabarett-Preis wird jährlich vom Nürnberger Burgtheater - einer renommierte Kleinkunstbühne - vergeben. Preisstifter ist die Stadt.

Die Jury begründete ihre Entscheidung mit dem "Genre-Grenzen sprengenden Ideenreichtum" der beiden Künstler. Statt miteinander zu sprechen, spielen die Komiker auf der Bühne mit Texttafeln, die sie oft auf verblüffende Weise kombinieren.
Ihre punktgenaue Präzision, ihre sprach-spielerische Leichtigkeit und die philosophische Tiefe ihrer Programme sei so überraschend fantasievoll, "dass man nach mehr süchtig wird".

Seinen Höhepunkt erreichte der Auftritt der beiden in schwarzen Anzügen auftretenden Kabarettisten, als sie den Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) auf die Bühne baten und ihn frech in ihr Spruchtafelspiel einbanden. Da sah sich Maly beispielsweise mit der spitzen Frage konfrontiert: "Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?". Das Nürnberger Stadtoberhaupt räumte sofort jeden Zweifel aus und griff zielsicher zur Spruchtafel mit dem Text "Ich bin hier der Chef".

Den Förderpreis mit 4000 Euro erhielt Sarah Hakenberg aus München. Ihr bescheinigte die Jury einen wunderbaren Kontrast zwischen ihrem Charme und ihrem "bitterbösen Humor". Raffiniert täusche die 36-Jährige Nettigkeit an, "um dann, wenn sich der Zuschauer wohlig eingerichtet hat, umso boshafter verbal zuzuschlagen". Die in knallrotem Kleid aufgetretene Kabarettistin revanchierte sich für die Preisvergabe mit einer eigenwilligen Neuinterpretation des Struwwelpeters.

Der Sonderpreis in Höhe von 2000 Euro ging an den Teisendorfer Josef Brustmann. Brustmann - vielen bekannt als Mitglied der Gruppe "Jodelwahnsinn" - zeichnet in den Augen der Jury seine Vielseitigkeit sowie seine leisen und tiefgründigen Töne aus.

Brustmann spiele sich nie als Platzhirsch in den Vordergrund. Er sei damit "eine wohltuende und wichtige Ausnahmeerscheinung im oft so lauten Kabarettbetrieb". Für das fränkische Publikum griff der Oberbayer zur Zither - und machte klar, dass sie zu mehr taugt als allein zur alpenländischen Hausmusik. Er spielte darauf unter anderem den ACDC-Song "Highway to hell".