Am heutigen Samstagnachmittag (16. Oktober 2021) fand in Nürnberg eine Demonstration linker Gruppierungen unter dem Motto "Demonstration gegen Repression" vom Veit-Stoß-Platz bis zum Willy-Brandt-Platz statt. Hintergrund war unter anderem die Inhaftierung eines Anti-Abschiebe-Aktivisten, der unter anderem wegen Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt wurde. 

Ferner richtete sich der Protest gegen "Kontrollen und Schikanen durch die Polizei" am Jamnitzer Platz im Szeneviertel Gostenhof, der in der linken Community als Symbol für die "Gentrifizierung" des Stadtteils steht.  

Polizei spricht von Vermummten und Böllern: Beamte setzen Pfefferspray ein

Gegen 14.40 Uhr setzte sich die Versammlung vom Veit-Stoß-Platz aus in Bewegung, berichtet die Polizei. Aus Sicht der Ordnungskräfte sei es "bereits zu Beginn beziehungsweise teilweise bereits vor Losziehen des Aufzuges" zu "teils massiven Störungen und Beschränkungsverstößen seitens der Versammlungsteilnehmer" gekommen.

Dabei hätten Demonstrierende Böller gezündet, und so die Aussage der Polizei, "gezielt in Richtung der Polizeibeamten geworfen". In der Spitze des Aufzuges seien Transparente mitgeführt worden, die "an den Enden zusammengeknotet worden waren, sodass für die begleitenden Polizeibeamten keine Beobachtung des Versammlungsgeschehens mehr möglich war".

"Zudem vermummten sich zahlreiche Teilnehmer und zündeten vereinzelt Pyrotechnik", schreibt die Polizei. Deshalb habe man die Demo vorerst gestoppt und die Teilnehmenden mit einer Polizeikette am Weitergehen gehindert.  Dann hätten, so die Beschreibung aus Polizeisicht, "Teilnehmer in der Spitze des Aufzuges" versucht, diese Polizeikette mit Gewalt zu durchbrechen. Daraufhin habe man "nach Androhung von unmittelbarem Zwang, den Einsatzstock sowie Pfefferspray" eingesetzt.

Nach linker Demo in Nürnberg: Polizei leitet Ermittlungsverfahren ein 

Nachdem sich "die Stimmung beruhigt hatte", sei die Demonstration weitergegangen, um 18 Uhr sei sie dann am Willy-Brandt-Platz für beendet erklärt worden. Nach dem Protestzug habe sich die Polizei am Nürnberger Hauptbahnhof positioniert und dort die Ausweise der Abreisenden kontrolliert. Die Polizei schätzt, dass etwa 150 der 600 Personen für die "Störungen" verantwortlich seien. Der Rest habe sich weitestgehend friedlich verhalten. 

Durch die Polizeiinspektion Nürnberg West seien Ermittlungsverfahren - derzeit noch gegen unbekannte Täter - wegen Widerstands gegen und tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte, sowie Ordnungswidrigkeitenverfahren aufgrund von Beschränkungsverstößen gemäß dem Versammlungsgesetz eingeleitet worden. 

In der Färberstraße habe ein Unbeteiligter den Demonstrierenden den "Hitlergruß" gezeigt. Er müsse sich nun wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen verantworten, heißt es.