Das Nürnberger Justizgebäude ist das größte in Bayern - und trotzdem ist es zu klein geworden: Ein Neubau muss her. An diesem Mittwoch ist der Spatenstich für den ersten Bauabschnitt. Neben dem 1916 eröffneten Justizpalast, der durch die Nürnberger NS-Kriegsverbrecherprozesse weltbekannt wurde, sollen auf rund 3380 Quadratmetern Nutzfläche unter anderem Sitzungssäle und Büros für die Strafabteilung des Landgerichts Nürnberg-Fürth errichtet werden. Der Bau soll 27 Millionen Euro kosten und im Jahr 2018 fertig sein.

In das neue Gebäude sollen die bislang im Ostbau des Justizpalastes untergebrachten Räume und Mitarbeiter umziehen.
Der Ostbau soll dann weitgehend dem Memorium Nürnberger Prozesse und der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien überlassen werden, die Forschung und Ausbildung zum Völkerstrafrecht betreibt.

So soll der berühmte Schwurgerichtssaal 600 dann auch nur noch als Museum genutzt werden. Bisher finden hier noch regelmäßig Strafverhandlungen statt - und viele Besucher können den Saal daher nicht besichtigen.
In den vergangenen Jahren war der Umzug der Justiz wegen des Vorrangs eines ausgeglichenen Haushalts immer wieder zurückgestellt worden. In dem neuen Gebäude soll nun Platz sein für einen Schwurgerichtssaal sowie für zwei große und zwei kleine Sitzungssäle.

Das Finanzministerium ist künftig für den Museumskomplex im Ostflügel zuständig. Und Minister Markus Söder (CSU) will, dass der Saal 600 doch noch Unesco-Weltkulturerbe wird. Der erste Anlauf für einen Unesco-Titel war im vergangenen Jahr gescheitert.

Söder hatte mit dem Gedanken gespielt, den Saal 600 dafür in seinen Originalzustand zurückversetzen zu lassen. Denn dort erinnert nur noch wenig an die Kriegsverbrecherprozesse: In den 1960er-Jahren gaben die USA das Gebäude an die bayerische Justiz zurück. Danach wurde der Saal umgebaut. Das meiste Inventar - bis auf zwei Holzbänke - ging verloren. Nun soll es zunächst eine Machbarkeitsstudie geben, ob und wie der Saal verändert werden könnte.