Am Freitag, 18. Juni 2021, fand auf der dritten Antennenplattform des Fernmeldeturms in 211 Metern Höhe die Übergabe der Urkunde des Landesamts für Denkmalpflege an den Geschäftsführer der DFMG Deutsche Funkturm GmbH, Bruno Jacobfeuerborn statt. Das teilt die Stadt Nürnberg mit. 

Oberbürgermeister Marcus König sagte: „Ich freue mich, dass unser ‚Nürnberger Ei‘ kurz nach seinem 40. Jubiläum diese besondere Auszeichnung erhält und damit die Besonderheit der einzigartigen Architektur gewürdigt wird. Das beliebte Wahrzeichen wird damit in die Reihe großer denkmalgeschützter Türme aufgenommen. Darauf bin ich stolz.“

Bruno Jacobfeuerborn, DFMG Deutsche Funkturm GmbH, sagte: „Der Fernsehturm gehört fest zum Stadtbild und zur Medieninfrastruktur Nürnbergs – jetzt und in Zukunft. Die Auszeichnung als schützenswertes Kulturgut unterstreicht die besondere Bedeutung für die Stadt und verbindet den Turm noch stärker mit ihren Bürgerinnen und Bürgern. Der Status als Baudenkmal eröffnet im Rahmen der Denkmalschutzförderung neue Perspektiven für eine mögliche Wiedereröffnung der seit 1992 geschlossenen Besucherbereiche.“

 

Das „Nürnberger Ei“ begeht dieses Jahr sein 41 -jähriges Bestehen. Der Turm wurde ab 1972 von dem Stuttgarter Architekten Erwin Heinle geplant. Die Bauausführung von 1977 bis 1980 lag in den Händen des Ingenieurbüros Fritz Leonhardt, ebenfalls aus Stuttgart. Als Spezialist für Fernsehtürme entwarf Heinle auch die Anlagen in Stuttgart, Mannheim, Frankfurt und Köln. Innovativ und eine „Pionierleistung höchsten Ranges“, wie das Landesamt für Denkmalpflege betont, war die Konstruktion der Fernsehtürme Heinles und Leonhardts aus Stahlbeton. Bisher waren diese Türme dieser Art aus Stahlprofilen zusammengesetzt. Der erste Stahlbeton-Fernsehturm der Welt wurde 1954/55 in Stuttgart errichtet. Wie dieser dient der Nürnberger Turm nicht nur der Fernmeldetechnik, sondern er erhielt ebenfalls eine touristische Aussichtsplattform mit Restaurant.

Das Besondere an der Gestaltung des Kanzelkorbs ist das Zitat des sogenannten „Nürnberger Eis“, welches sich auf die Herstellung von kleinen Tisch- und Taschenuhren bezieht. Nürnberg war im 15. und 16. Jahrhundert handwerkliches und künstlerisches Zentrum der Feinmechanik in Europa und überregional berühmt für das Uhrmacherhandwerk. Mit dieser Form, die sich auch im Inneren des Foyers mit weit auskragendem Flugdach aus Beton wiederholt, sollte ein stark identitätsstiftendes Motiv aus reichsstädtischer Vergangenheit für jedermann weit sichtbar „wie ein Ausrufezeichen“ über die Stadt gesetzt werden.

Der Nürnberger Fernsehturm ist nach Berlin, Dortmund, Dresden, Frankfurt/Main, Hamburg, München und Stuttgart deutschlandweit bislang der achte seiner Art, der als Industriedenkmal unter Schutz gestellt wurde.