• Krankenhauskeime: Anna aus Nürnberg infiziert sich bei Routine-OP 
  • 19-Jährige kann ihr Bein nicht mehr bewegen: "Es war komplett steif"
  • Es folgen 33 Operationen und drei lebensbedrohliche Blutvergiftungen
  • Drastischer letzter Schritt: Anna lässt sich ihr Bein amputieren

Hinter Anna Osicki aus Nürnberg liegen vier Jahre voller Leid. Nach 33 Operationen und drei lebensbedrohlichen Blutvergiftungen entschließt sie sich unlängst zu einem drastischen Schritt: Damit es ihr in Zukunft besser geht, lässt sich die junge Frau ihr linkes Bein amputieren. "Die Amputation war jetzt meine 34. Operation", berichtet die Nürnbergerin inFranken.de. Angefangen habe alles mit einem Routine-Eingriff im Krankenhaus: Bei einer Kniespiegelung infiziert sich Anna laut eigenen Angaben mit Krankenhauskeimen. 

Nürnberg: 19-Jährige spürt Schmerzen im Knie - Routine-OP führt zu langem Leidensweg

Im November 2017 verspürt die damals gerade einmal 19 Jahre alte Krankenpflegerin während einer Schicht auf einmal Schmerzen im Knie. "Die wurden von Stunde zu Stunde immer stärker", erzählt Anna im Gespräch mit inFranken.de. Irgendwann schafft sie es nicht einmal mehr, sich zu bücken. Nach Dienstschluss begibt sie sich deshalb ins Krankenhaus in die Notaufnahme. Dort sei zunächst versucht worden, das Knie zu punktieren. "Das hat aber nicht funktioniert", erinnert sich die Nürnbergerin.

"Daraufhin haben die Ärzte gesagt: Okay, wir sehen uns um 0 Uhr im OP". Anna wird noch in derselben Nacht operiert. Ein Schritt, den die junge Frau bis heute bereut. "Im Endeffekt war das ein bisschen unüberlegt, da zuzustimmen. Vielleicht hätte ich zunächst einmal andere Untersuchungen machen lassen sollen", sagt sie knapp vier Jahre später. Mit der kurzfristig angesetzten Kniespiegelung beginnt für Anna ein langer Leidensweg. "Bei der Spiegelung kam nicht heraus, warum ich die Schmerzen hatte." Dies war allerdings nicht das Schlimmste für die damalige 19-Jährige.

"Am nächsten Tag konnte ich nicht mehr mein Bein beugen. Es war komplett steif." Für die begeisterte Sportlerin, die zuvor unter anderem als Funkenmariechen im Faschingsverein getanzt hat, eine Hiobsbotschaft. Trotz ihres lädierten Knies sei sie kurz darauf aus der Klinik entlassen worden. Zu Hause geht es Anna laut ihrer Schilderung immer schlechter. Mit Salben versucht sie, ihren Zustand zu verbessern - ohne Erfolg. Die Ursache ihres Leidens: eine Blutvergiftung.

Krankenhauskeime: Multiresistente Erreger sorgen für schier unvorstellbares Mar­ty­ri­um

In der Folge muss sich Anna erneut unters Messer begeben. "Es wurde wieder operiert, weil mein komplettes Bein unter Eiter stand." Durch die OP werden in ihrem Körper multiresistente Erreger, auch Krankenhauskeime genannt, festgestellt. "Das war der Punkt, warum ich insgesamt so oft operiert werden musste." Für die junge Fränkin beginnt damit ein schier unvorstellbares Mar­ty­ri­um. Über zwei Jahre hinweg muss sie wiederholt ins Krankenhaus. "Ich war zum Beispiel drei Monate im Krankenhaus, dann wieder eine Woche zu Hause."

Danach sei das Spiel wieder von vorn losgegangen. "Ich musste immer wieder operiert werden." Dabei habe sie ein Multiorganversagen mit einem septischen Schock erlitten. "Das hätte ich eigentlich gar nicht überleben können. Ich habe das aber geschafft - Gott sei Dank." 

Ihre Ärzte schlagen ihr schließlich eine mögliche Beinamputation vor. Diesen drastischen Schritt lehnt Anna allerdings zunächst ab. Ihre Begründung: "Ich möchte alles andere probiert haben. Nicht, dass ich mir dann im Nachhinein Vorwürfe mache." Die Nürnbergerin sucht daraufhin verschiedene Spezialisten in ganz Deutschland auf. "Aber auch die waren alle ratlos", konstatiert sie. Die Folge: Die inzwischen 24-Jährige willigt schließlich in ihre bis heute letzte Operation ein - ihre insgesamt 34.: Anna lässt sich am 28. September 2021 ihr linkes Bein amputieren.

Ihr Freund gibt Anna Halt: "Er hat gesagt, er liebt mich auch mit einem Bein"

Rund drei Wochen nach dem folgenschweren Eingriff im Krankenhaus Rummelsberg gehe es ihr "sehr, sehr gut", erklärt Anna inFranken.de. "Das war, glaube ich, die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können." Aktuell verspüre sie zwar Phantomschmerzen, dennoch überwögen für sie klar die positiven Aspekte. "Hintergrund ist, dass es vier Jahre nicht weiterging. Egal, was ich probiert habe - es ging nicht weiter. Ich stand immer an demselben Punkt."

Im Vergleich zu ihrem zurückliegenden Leidensweg gehe es ihr nun "viel, viel besser". "Nach nicht einmal vier Tagen wurde ich entlassen, weil es mir einfach so gut ging." Sie sei bereits nach dem zweiten Tag mit Krücken gelaufen - und nach dem dritten Tag Treppen gestiegen. "Es ist einfach alles perfekt gelaufen", lautet Annas Fazit in Bezug auf ihre Beinamputation. 

Zu Hause unterstützt sie ihr Freund, mit dem sie sich eine Wohnung teilt. Die beiden wurden ein Paar, als Annas Krankengeschichte längst ihren Lauf genommen hatte. "Er hat mich mit steifem Bein kennengelernt und mich von Tag 1 unterstützt." Auch die mögliche Amputation als letzten Schritt verheimlicht die Nürnbergerin ihrem Partner nicht. "Er hat gesagt, er liebt mich auch mit einem Bein", erzählt Anna. "Das macht für ihn keinen Unterschied. Weil, das bin ja immer noch ich." 

Instagram und TikTok: Junge Nürnbergerin will mit ihrer Geschichte anderen Mut machen

Über ihre Fortschritte, ihre Krankengeschichte und ihre Gefühle berichtet die 24-Jährige nahezu täglich auf ihren Social-Media-Kanälen - insbesondere bei Instagram und TikTok. Die Intention dahinter: "Nach meiner OP habe ich ein Video hochgeladen, das über Nacht über elf Millionen Mal angeschaut wurde." Auf ihre Beiträge in den sozialen Netzwerken erhalte sie "unheimlich viel Zuspruch", berichtet Anna. "Manche schreiben zum Beispiel: Du gibst mir Kraft. Mach weiter so."

Dies sei letztlich der Grund, warum sie mit ihrem Schicksal so offen umgehe. "Deshalb mache ich weiter und teile meine Geschichte, weil ich dadurch vor allem Menschen Mut mache." Dies verleihe wiederum ihr selbst Kraft. "Es ist schön, wenn man sieht: Du kriegst von so vielen Menschen Zuspruch, denen es selbst nicht gutgeht - die aber durch dich wieder etwas Kraft geschöpft haben." 

Annas nächstes Ziel: "Ich will jetzt auf jeden Fall erst einmal wieder laufen lernen." Hierbei soll sie eine eigens angefertigte Prothese unterstützen, die die 24-Jährige aus Nürnberg in Kürze erhält. Das ist gerade mein Ziel Nummer 1." Im Anschluss daran wolle sie nach Möglichkeit wieder im Pflegebereich arbeiten. "Da muss ich allerdings schauen, inwieweit das funktioniert."

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