Ein Mann soll in einem Reisebus einen anderen Fahrgast angegriffen haben. Für die Polizei war die Lage zuerst unübersichtlich: Handelt es sich um eine Geiselnahme? Ist der Verdächtige ein Terrorist? Zahlreiche Einsatzkräfte rückten aus, die Autobahn 9 in Bayern wurde gesperrt. Im Prozess zeigte sich später: Der Beschuldigte ist psychisch krank. Jetzt muss das Landgericht in Nürnberg entscheiden, ob der 31-Jährige in einer Psychiatrie untergebracht wird. Voraussichtlich am Montag wird es ein Urteil verkünden.

Den Ermittlungen zufolge hatte der Verdächtige am 21. September 2021 einen schlafenden 20-Jährigen unvermittelt ins Gesicht geschlagen. Dieser fiel dadurch zu Boden. Danach soll der Angreifer den jungen Mann mehrmals gegen den Kopf getreten und verletzt haben. Einer Frau, die dem Opfer zur Hilfe eilte, soll er ins Gesicht geschlagen haben. Zwei Busfahrer konnten den Mann schließlich wegdrängen. Ein Spezialeinsatzkommando nahm ihn später fest.

Angeklagter soll versucht haben den 20-Jährigen zu töten

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll der Serbe versucht haben, den 20-Jährigen zu töten. Sie wirft ihm versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Staatsanwalt Simon Kroier bezeichnete den Beschuldigten zu Prozessbeginn als eine Gefahr für die Allgemeinheit. Es sei zu erwarten, dass er aufgrund seines Zustands weitere Straftaten begehe. Deshalb beantragte er, den Beschuldigten in einer Psychiatrie unterzubringen.

Dieser hatte die Tat im Prozess zugegeben, nachdem er zuvor geschwiegen hatte. Am ersten Prozesstag hatte das Gericht außerdem einen Brief von ihm an seine Familie verlesen. Darin schrieb er, er habe versucht, den 20-Jährigen zu töten, weil dieser ihn habe töten wollen.

Ein vom Gericht beauftragter psychiatrischer Gutachter habe bei dem 31-Jährigen eine paranoide Schizophrenie festgestellt, sagte eine Justizsprecherin. Er sei deshalb davon auszugehen, dass er zum Tatzeitpunkt schuldunfähig gewesen sei.

Am Montag könnte das Urteil fallen

Am Montag sollen zunächst Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers halten. Noch am Nachmittag könnte die Kammer ein Urteil fällen.

Ursprünglich sollte der Prozess schon am 30. Mai zu Ende gehen. Das Gericht verschob den Termin aber krankheitsbedingt.