Laden...
Nürnberg
Kindeswohlgefährdung

Brennpunkt Familie: 80 Kinder landen in Corona-Notbetreuung

In Nürnberg wurden allein im Mai 80 Kinder durch Ausnahmegenehmigungen in Notbetreuungen aufgenommen. Der Grund: Kindeswohlgefährdung. Schon zu Beginn der Corona-Krise hatte es Warnungen vor einem erhöhten Konfliktpotenzial in Familien gegeben.
Artikel drucken Artikel einbetten
häusliche Gewalt
Wegen Kindeswohlgefährdung sind seit der Corona-Pandemie schon viele Kinder in der Notbetreuung gelandet - so auch in Nürnberg. Symbolfoto: Monkey Business/Adobe Stock

Vorrangig durften erstmals Kinder von Ärzten und Pflegern die Corona-Notbetreuung in Anspruch nehmen. Andere Berufsgruppen folgten – durch Sondergenehmigungen wurden jedoch auch zahlreiche Kinder zu ihrem eigenen Schutz in Notbetreuungen untergebracht, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. In Nürnberg waren es allein im Mai 80 Kinder, die in Obhut genommen wurden.

Die Stadt Nürnberg teilte mit, es seien vornehmlich Kinder mit kritischer häuslicher Situation, die unter die Kategorie "Kindeswohlgefährdung" fallen. Durch Ausnahmegenehmigungen sind Dutzende Kinder in die Notbetreuungen gekommen. 

Nach Warnung von Familienministerin: Vermutungen bewahrheiten sich

In Nürnberg waren es allein im Mai 80 Kinder, die zu ihrem eigenen Schutz in Obhut kamen. Aus München sind derzeit keine Zahlen bekannt, in Augsburg waren es im Mai 77 Kinder, die aus Kinderschutzgründen in Notbetreuungen der Kitas oder schulischer Notgruppenbetreuung gelandet sind. Auch in Regensburg gibt es keine aktuelle Statistik. Das Jugendamt schätzt jedoch, dass sich rund 25 Heranwachsende "zum Schutz des Kindeswohls" in Notbetreuung befinden.

In der Corona-Krise verbringen Familien viel Zeit zu Hause, auf engstem Raum. Das Konflikt- und Stresspotenzial steige dort dann um einiges, wie Bundesfamilienministerin Franziska Giffey schon Ende April die Anti-Corona-Maßnahmen kritisierte.

Studien der Technischen Universität München oder die COSMO-Studie bestätigten die Tendenz zur Steigerung der Fälle häuslicher Gewalt, wobei die Vermutung besteht, dass Dunkelziffern noch deutlich prägnanter sind. Die Maßnahmen und Beschränkungen lassen jedoch nun langsam ein Ende erahnen – nach und nach dürfen Kinder zurück in Kindergärten und Schulen. Zum 1. Juli sollen alle Kinder wieder ihre Einrichtungen besuchen können.

Für eine erste große Studie zu häuslicher Gewalt während der Corona-Pandemie haben zwei Forscherinnen 3800 Frauen und Kinder befragt und die Ergebnisse veröffentlicht. Besonders zwei Faktoren führten zu einem Anstieg der Fälle.

Verwandte Artikel